Covid-19 Corona: Warum Pflegeheime in Thüringen Hotspots sind, bleibt unklar

Alten- und Pflegeheime sind in Thüringen Corona-Hotspots. Seit Sonntag gelten dort verschärfte Hygiene-Regeln. Trotzdem steigen die Infektionszahlen weiter an.

Trotz verschärfter Corona-Regeln in Thüringer Alten- und Pflegeheimen steigen die Infektionszahlen dort weiter an. Laut Gesundheitsministerium können Infektionswege in vielen Fällen nicht nachvollzogen werden. Ungeklärt bleibe auch, wie das Corona-Virus in die Heime gelangt. In den Heimen selbst sieht das Ministerium jedoch kein strukturelles Corona-Problem. Jedes Heim sei für die Einhaltung der Hygiene- und Infektionsschutzregeln selbst verantwortlich.

In jüngster Vergangenheit sind einige Thüringer Alten- und Pflegeheime als sogenannte "Corona-Hotspot" in die Schlagzeilen geraten. So wurden in einem Suhler Pflegeheim 65 Pflegebedürftige positiv auf Corona getestet. Auch 18 Beschäftigte infizierten sich. In einem Friedrichrodaer Heim im Landkreis Gotha infizierten sich 28 von 38 Bewohnern und sieben Pfleger. Noch schlimmer traf es die Stadt Weimar. Dort starben seit Weihnachten in einem Seniorenzentrum 20 Bewohner an oder mit Covid-19. Mittlerweile ermittelt die Kripo.

Generell gebe es jedoch zahlreiche Gründe für ein erhöhtes Infektionsrisiko. Heimbewohner seien besonders gefährdet, weil das Risiko einer schweren Erkrankung ab 50 bis 60 mit dem Alter stetig ansteige. Insbesondere ältere Menschen könnten, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken. Wo viele Menschen zusammen seien, so auch in stationären Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen, sei die Gefahr einer Ansteckung, auch durch Besucher, besonders hoch. Darum müssten sämtliche Hygiene- und Infektionsregeln penibel eingehalten werden.

Komplettes Besuchsverbot im Gespräch

Seit letztem Sonntag gelten in Thüringen nochmals verschärfte Hygiene- und Infektionsregeln. In der Corona-Sonderverordnung ist unter anderem festgelegt, dass alle Besucher FFP2-Schutzmasken tragen müssen. Erlaubt ist nur ein Besucher am Tag. Ab einer Inzidenz von 200 im jeweiligen Landkreis oder einer kreisfreien Stadt ist je Bewohner nur ein fest registrierter Besucher gestattet, der nicht wechseln darf. Voraussetzung für den Besuch in einem Alten- und Pflegeheim ist ein Antigen-Schnelltest oder ein PCR-Test im Heim. Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen sind verpflichtet, sich zweimal pro Woche einem Antigen-Schnelltest zu unterziehen.

Das Gesundheitsministerium weist erneut mit Nachdruck darauf hin, dass die "üblichen" Hygiene- und Infektionsschutzregeln, wie Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen und Lüften unbedingt einzuhalten sind. Die aktuell geltenden Regelungen könnten jedoch schon in der kommenden Woche Makulatur sein. Bund und Länder wollen sich am Dienstag treffen, um über einen noch schärferen Shutdown zu beraten. Im Gespräch ist ein komplettes Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen.

Große Hoffnung setzen viele Heime auf die Corona-Schutzimpfung. Einige Einrichtungen scheinen dabei jedoch über das Ziel hinauszuschießen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz gehen immer mehr kritische Anfragen zu Covid-19-Impfungen in Pflegeheimen ein. Ein Sprecher sagte auf Anfrage von MDR THÜRINGEN, unter den Anrufern seien auch Heimbewohner oder Angehörige, die sich von Pflegeanbietern zur Impfung genötigt fühlten. Durch konkrete Zahlen belegbar ist das jedoch nicht. Die Heimaufsicht beim Thüringer Landesverwaltungsamt teilte auf Anfrage mit, man habe keine Beschwerden in Zusammenhang mit Impfnötigung vorliegen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/the

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