Kontrollmonitor auf einer Intensivstation.
Besonders aufwändig ist die Betreuung meist auf der Intensiv-Station, in Unfall-Chirurgien sowie in Kardiologie- und Geriatrie-Abteilungen. Bildrechte: IMAGO

Krankenhaus-Richtlinie Untergrenzen für Pflegekräfte - Thüringen reagiert verhalten

Krankenhäuser müssen in bestimmten Stationen bald Mindest-Standards beim Einsatz von Pflegepersonal einhalten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will es so. Der CDU-Mann hat dazu jetzt eine entsprechende Rechts-Verordnung auf den Weg gebracht. In Thüringer Fachkreisen jedoch hält sich der Jubel darüber in Grenzen.

von Frank Politz

Kontrollmonitor auf einer Intensivstation.
Besonders aufwändig ist die Betreuung meist auf der Intensiv-Station, in Unfall-Chirurgien sowie in Kardiologie- und Geriatrie-Abteilungen. Bildrechte: IMAGO

Blinkende Lämpchen, diverse Kabel und Schläuche, leises Geräte-Piepen und ein bewusstloser Schwerverletzter: Alltag auf einer Intensiv-Station. Die Betreuung dort ist meist besonders aufwendig. Ebenso oft auch in Unfall-Chirurgien sowie in Kardiologie- und Geriatrie-Abteilungen. In diesen vier Bereichen sollen gewisse Untergrenzen an Pflege-Kräften verbindlich werden - laut Jens Spahn ab 1. Januar 2019 und in allen deutschen Kliniken.

Ein Mangel an Pflegekräften gefährdet Patienten.

Jens Spahn (CDU) Bundesgesundheitsminister

Die neue Richtlinie des Bundesgesundheitsministers stößt in Thüringen zwar nicht auf helle Begeisterung, wird aber auch keineswegs rundweg abgelehnt. "Prinzipiell finden wir die Entscheidung gut", hieß es zum Beispiel von der Krankenkasse AOK plus. Ähnlich äußerten sich das Landes-Gesundheitsministerium, die IKK, der Landesverband Mitte der BKK sowie der VdEk in Thüringen (Verband der Ersatzkassen). Und die Landes-Krankenhausgesellschaft versicherte: "Die Kliniken im Freistaat werden alles daran setzen, die Vorgaben aus der Richtlinie zu erfüllen."

Zwei Krankenschwestern versorgen einen Patienten auf einer Intensivstation.
Bislang gab es keine Vorschriften, wie viele Pfleger pro Patient "vorgehalten“ werden müssen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Die sehen so aus, dass ab Januar auf einer Intensiv-Station tagsüber für 2,5 und nachts für 3,5 Patienten mindestens eine Pflegekraft da sein muss. Großzügiger festgelegt hat der Bundesgesundheitsminister die Personal-Schlüssel für die anderen Klinik-Abteilungen: Für Geriatrie und Unfall-Chirurgie gilt ab Anfang 2019 am Tag ein Mindest-Verhältnis von 10:1 und in der Nacht von 20:1. In der Kardiologie soll es sich tagsüber auf 12:1 und nachts auf 24:1 belaufen.

Wie sich diese Vorgaben auf die rund 40 Krankenhäuser in Thüringen auswirken werden, lässt sich gegenwärtig nicht sagen. Denn dafür fehlt es selbst in Experten-Kreisen an genauen Daten. Bloß Mutmaßungen gibt es. So meinte Ralf Gommermann vom Verband der Ersatzkassen: "In Thüringen wird deswegen nichts Großes passieren." Die neue Richtlinie werde im Freistaat nur etwa zehn bis 15 Prozent der Klinik-Fachabteilungen betreffen. Und Norbert Uhlenkamp von der Landes-Krankenhausgesellschaft geht davon aus, dass für die Kliniken in Thüringen "schätzungsweise einige Hundert" zusätzliche Pflegekräfte nötig sein werden. Doch die zu gewinnen, wird absehbar problematisch werden.

In allen Bereichen der Pflege nämlich ist die Lage bekanntlich schon lange angespannt. "Man kann das Personal ja auch nicht herbeizaubern", klagte denn auch Matthias Tietz vom BKK Landesverband Mitte. Ihm wie allen anderen befragten Fachleuten aus dem Gesundheitswesen ist schon jetzt klar: Der Wettbewerb um Pflegekräfte wird sich aufgrund der neuen Richtlinie aus Berlin noch weiter verschärfen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

=== AKTUELLES AUS THÜRINGEN ===

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 09. Oktober 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2018, 16:12 Uhr

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5 Kommentare

10.10.2018 09:01 Nancy Bresse 5

Also ich finde diese Eingrenzung nicht korrekt. Ich arbeite selbst auf einer neurologischen Station mit vielen pflegeaufwändigen Patienten, Schlaganfälle, Demenzkranke....und bin der Meinung das der Herr Minister null Ahnung hat.

10.10.2018 08:59 Martin84 4

Ja, die Personallage in der Pflege ist angespannt. Richtige (übefällige) Schritte, wie das Verbot von Schulgeld für Ausbildungen kommen. In meinen Augen ist Jens Spahn einer der aktivsten Kräfte in der Bundesregierung, der sich auch nicht scheut mal anzuecken und festgefahrene Diskussionen aufbricht (z.B. Organspende). Gefällt mir gut! Weiter so!

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