Überalterung und Personalmangel Hoher Krankenstand bei Thüringer Polizei

Der Krankenstand bei der Thüringer Polizei ist bundesweit am höchsten. Die Überalterung und die stetig hohe Arbeitsbelastung führen immer wieder zu Ausfällen. Auch psychische Erkrankungen nehmen zu. Das Innenministerium versucht zwar das Gesundheitsmanagement zu verbessern, aber vor allem fehlt es am Nachwuchs.

In der Thüringer Polizei war im vergangenen Jahr rund jeder zehnte Beamte krankgeschrieben. Das geht aus einer Antwort des Thüringer Innenministeriums auf eine Anfrage der CDU-Fraktion hervor, die MDR THÜRINGEN vorliegt. Demnach lag die Krankenquote 2019 bei knapp 10,6 Prozent. Damit waren rechnerisch über 600 Polizeibeamte im Jahresverlauf krankgeschrieben. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang. In 2018 lag die Quote bei rund 10,7 Prozent. Allerdings gibt es seit zehn Jahren einen tendenziellen Anstieg der Krankschreibungen in der Thüringer Polizei. 2010 lag die Krankenquote bei knapp neun Prozent.

Entwicklung des Krankenstandes bei der Thüringer Polizei
Jahr: Quote:
2010 8,83%
2011 8,86%
2012 9,42%
2013 9,68%
2014 9,24%
2015 9,52%
2016 10,01%
2017 10,35%
2018 10,68%
2019 10,56%

Fehlendes Personal vergrößert Arbeitsbelastung

Nach Angaben des CDU Innenpolitikers Raymond Walk liegt die Thüringer Polizei mit der aktuellen Krankenquote an der Spitze aller Länderpolizeien. Walk sagte MDR THÜRINGEN, es brauche eine gründliche Analyse, warum der Krankenstand bei weitestgehend gleicher Belastung in der Thüringer Polizei so hoch sei. "Da müssen bei allen Vorgesetzten und Führungskräften die Alarmglocken schrillen", so der Innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

Jürgen Hoffmann, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sieht die Ursache vor allem beim fehlenden Personal. Noch nie seien in der Thüringer Polizei seit ihrem Bestehen so wenige Dienstposten besetzt gewesen wie aktuell. Nach seinen Angaben gibt es derzeit rund 6.300 Vollzugsbeamte und Verwaltungsmitarbeiter. Die Aufgaben müssten von immer weniger Polizeibeamtinnen und -beamten erledigt werden, sagte Hoffmann. Das sorge für enormen Stress und der für den hohen Krankenstand. Nach seinen Angaben brauche es pro Jahr 500 fertig ausgebildete Polizisten, die ihren Dienst aufnehmen, damit die Personallöcher gestopft würden.

Polizisten zunehmend überaltert

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sieht vor allem eine zunehmende Überalterung in der Polizei, die auch für die Krankenquote sorge. Landeschef Mike Hellwig sagte MDR THÜRINGEN, das Durchschnittsalter in der Thüringer Polizei liege aktuell bei 47 Jahre. In den Kriminaldienststellen sei es teilweise weit über 50 Jahre. "Da gibt es altersbedingte Krankheiten, wie Herz-Rhythmus-Störungen, Diabetes oder Rückenbeschwerden", so Hellwig. Von daher müsse dringend für Gesundheitsprävention gesorgt werden. "So mancher würde sicher mehr Dienstsport machen, doch bei der Arbeitsbelastung fehlt da oft die Zeit", sagte Hellwig.

Innenministerium will Gesundheitsmanagement verbessern

Nach Angaben des Innenministeriums gibt es bisher noch keine umfassende Analyse zur aktuellen Krankenquote. Allerdings hätten psychische Erkrankungen als Ursache für viele Dienstausfälle in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. In der Antwort an die CDU-Fraktion verweist das Ministerium vor allem darauf, dass derzeit ein Konzept für ein umfassendes Gesundheitsmanagement auf den Weg gebracht wurde. So sei unter anderem seit diesem Jahr eine Gesundheitsmanagerin eingestellt worden. Sie soll die verschiedenen Konzepte der Gesundheitsvorsorge und der Eingliederung von ehemals langzeiterkrankten Beamtinnen und Beamten begleiten. Zudem verwies das Ministerium darauf, dass allein in den vergangenen beiden Jahren 545 Polizeianwärter eingestellt worden seien.   

Das Thüringer Innenministerium in Erfurt.
Mit Hilfe einer Gesundheitsmanagerin will das Thüringer Innenministerium den Krankenstand in den Griff bekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 10. Mai 2020 | 08:00 Uhr

11 Kommentare

martin vor 29 Wochen

@michael: Sie schrieben von Polizisten als "Schlachtvieh". Da mir entsprechendes nicht bekannt ist, frage ich nach der Quelle Ihrer "bemerkenswerten These" und ob die böse Mainstreampresse wieder verschwiegen hat, dass ein Polizist von Linksextremisten geschlachtet wurde, weil eine derartige Nachricht ja nicht in das staatsgesteuerte Meinungsbild der Mainstreammedien passt.

Ob Sie meine Anmerkung zu Ihrer "Theorie" dämlich finden, ist mir ehrlich gesagt reichlich egal. Aber wer behauptet, dass Polizisten in Thüringen als wehrloses Schlachtvieh verheizt würden, der möchte schon einen Beleg liefern, sonst betrachte ich seinen Kommentar als ... aber hier schreibe ich aus Gründen der Netiquette lieber nicht weiter.

Angenehmen Sonntagabend.

wwdd vor 29 Wochen

Eine Woche gelben Schein pro Jahr, sind etwa 2% Lohnerhöhung. Da kommt schon etwas zusammen. Von dieser Möglichkeit würde ich auch Gebrauch machen und mein Leben etwas entschleunigen. Meine Zustimmung haben die Polizisten mit ihren undankbaren Aufgaben und schlechten Arbeitszeiten jedenfalls.

Tina M vor 29 Wochen

@RaH
ComVor... und man lernt nicht daraus.
Thema Smartphone. Ein Pilotprojekt nach dem anderen, um festzustellen ob die Beamten mit solchen Geräten klar kommen? An der Stelle bin ich vor Lachen vom Stuhl gefallen.

In der Tat rennt die Thüringer Polizei allen Entwicklungen hinterher.
Sei es die Technik aber auch beim Personal.
Alle Bundesländer haben nach 2015 die Einstellungszahlen massiv aufgestockt. Wir erfreuen uns über 500 Neueinstellungen in 2 Jahren. Davon brechen ab und fallen durch...ich schätze 1/3.
Überhaupt, unsere Nachbarn beginnen mit der Ausbildung mindestens 1 Monat eher. Wir bekommen also nur, wer noch übrig ist oder familiär an Thüringen gebunden.
Darauf angesprochen gab's die bekannte Auskunft: "War schon immer so, wird auch immer so bleiben!"

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