Coronavirus in Thüringen Polizei im Homeoffice: Engpässe bei sicheren Zugängen

Nur ein kleiner Anteil der Thüringer Polizeibeamten arbeitet aktuell von zu Hause. Es bestehen zwar verschiedene Zugriffsmöglichkeiten, doch viele Aufgaben der Polizisten können nicht im Homeoffice umgesetzt werden.

Polizei-Schriftzug
Der überwiegende Teil der Thüringer Polizeibeamten ist nicht im Homeoffice (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

In der Thüringer Polizei kann von den 6.300 Beamten und Tarifangestellten nur ein Bruchteil im Homeoffice arbeiten. Nach einem internen Bericht des Innenministeriums, der MDR THÜRINGEN vorliegt, arbeiten knapp 830 Polizeibeamte von zu Hause. Laut dem Papier gebe es aktuell Engpässe bei der Bereitstellung von sicheren Zugängen zu den polizeilichen Datensystemen. Derzeit werde daran gearbeitet, diese Engpässe zu beheben, heißt es. Auch innerhalb des Thüringer Innenministeriums ist offenbar die Kapazitätsgrenze erreicht. So heißt es, die Anbindungen des Innenministeriums an das Landesrechenzentrum seien nicht für eine größere Zahl von Homeoffice-Fernzugängen optimiert.

Zugriff für Thüringer Polizisten im Homeoffice

Von den 830 Beamten sind rund 700 aus dem Bereich der Landespolizei, 50 aus dem Landeskriminalamt, 33 aus der Polizeischule Meiningen und 40 aus der Polizeiabteilung des Innenministeriums im Homeoffice. Dabei gibt es laut dem internen Bericht zwei Zugangsmöglichkeiten für die Polizisten. Ein Teil hat über dienstliche Laptops die Möglichkeit, per sogenanntem VPN-Zugang auf die Datensysteme der Polizei zuzugreifen. Bei einem VPN (Virtual Privat Network) wird zwischen dem Laptop und dem Polizeinetzwerk ein direkter von außen verschlüsselter digitaler Zugang aufgebaut. Der überwiegende Teil der Beamten habe die Möglichkeit, sich mit privaten Rechnern über einen per SMS zugesandten Schlüssel auf den Dienstrechner einzuwählen. Dieses System nennt sich SMS-Token und dafür müssen einzelne Lizenzen gekauft werden.

Die Polizisten in Thüringen bekommen neue Uniformen.
Neue Ausrüstung gab es im vergangenen Jahr für die Polizei, bei der Fernarbeit gibt es Engpässe. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Peter Sommer

Landespolizeidirektion hält Verschlüsselung geheim

Die Landespolizeidirektion (LPD) wollte auf MDR THÜRINGEN-Anfrage nicht mitteilen, wie viele Beamte im Homeoffice sind. Zur Begründung heißt es, dass die Zahlen sich täglich veränderten. Aber es bestehe grundsätzlich die Möglichkeit zum Homeoffice, so die LPD. Dafür könnten die Beamten dienstliche oder private Rechner nutzen. Zu den Verschlüsslungstechniken werde man aus Gründen der Geheimhaltung keine Angaben machen, teilte die LPD mit.

Polizei-Gewerkschaft: Positive Rückmeldungen zur Heimarbeit

Kai Christ, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte, er habe bisher positive Rückmeldungen zum Arbeiten im Homeoffice von den Kolleginnen und Kollegen erhalten. Viele der Beamten könnten aber aufgrund ihrer Aufgabengebiete nur eingeschränkt von zu Hause arbeiten. "Streifenfahrten gehen nicht von zu Hause aus", sagte Christ.

Kai Christ
Kai Christ, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Bildrechte: dpa

Thüringer CDU: Kapazitäten müssen erweitert werden

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Raymond Walk sagte MDR THÜRINGEN, die Kapazitäten für Homeoffice müssten noch erweitert werden. Wichtig dabei sei, dass die Voraussetzungen geschaffen würden, um Verbindungen sicher herzustellen. Der Beamte, der so seinen Dienst verrichte, dürfe am Ende kein Problem mit dem Datenschutzbeauftragten bekommen, so Walk. Der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Ringo Mühlmann, sieht das anders: "Polizist ist nun mal kein typischer Beruf für Homeoffice. Es ist daher vernünftig und nachvollziehbar, dass entsprechende Kapazitäten nicht vorrätig sind."

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs, ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. April 2020 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

Mustermann vor 15 Wochen

Die Chance das "1-Finger-Adler-Suchsystem" welche zahlreiche Polizisten beherrschen in ein "10-Finger Schreibsystem" zu verwandeln. Übung macht den Meister...Dann wird in Zukunft auch die Schreibtischarbeit schneller erledigt sein...Jeder Situation kann man auch etwas gutes abverlangen...man muss nur wollen.

martin vor 15 Wochen

Die Polizei beklagt sich doch über zunehmende Schreibtischarbeiten im Verhältnis zum "Außendienst". Da ist dann vermutlich schon einiges Potenzial für häusliche Arbeit. Ob aber die Beabeitung von Polizeiakten auf Privatrechnern eine gute Lösung ist, hängt von der verwendeten Technik ab. Das Schweigen der Verantwortlichen zu dem Thema lässt eher weniger Gutes erwarten ....

Pumukl vor 15 Wochen

Homeoffice für Polizisten? Stelle ich mir schwierig vor mit dem Streifenwagen in der eigenen Küche seine Runden zu drehen(:-

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