Lieferkonkurrenz der Bundesländer Polizei kämpft um Uniform-Nachschub

von Ludwig Kendzia, Matthias Thüsing und Axel Hemmerling

Heinz Müller (Name geändert) ist seit 20 Jahren als Polizeibeamter in einer Thüringer Kreisstadt auf Streife. Wenn der Beamte Müller sich bei einem Einsatz die Hose kaputt gemacht hatte, dann bekam er einen Ersatz. Die neue Hose holte er sich im Bekleidungslager in der Hohenwindenstraße in Erfurt. Das war bis 2009 so. Doch dann kam der Wechsel von Grün auf Blau und damit wurde auch für den Polizeibeamten Müller die Sache mit der Uniform schwieriger.

Die ersten Jahre, so erzählt er, habe das mit der Ersatzbeschaffung für eine kaputte Hose oder einem zerschlissenen Hemd noch ganz gut geklappt. Doch seit knapp drei Jahren wird es eng. Denn wenn Müller nun in den Onlineshop der Beschaffungsstelle geht und sich etwas Neues bestellen will, heißt es: Ausverkauft. Inzwischen kauft sich Müller, wie viele andere Thüringer Beamte, für teuer Geld Uniformteile auf eigene Kosten am freien Markt.

Privatkäufe bei sächsischen Kollegen

Das kennt auch Mario Schneider (Name geändert). Der ist bei der Bereitschaftspolizei. Dort passiert es noch viel häufiger, das an den Einsatzanzügen etwas kaputt geht. Schneider stößt bei der Ersatzbeschaffung auf das gleiche Problem, wie der Streifenbeamte Müller. Es gibt zunächst nichts und wenn, dann müssen Schneider und seine Kollegen Monate darauf warten. Das wurde zeitweise so schlimm, dass einige Thüringer Bereitschaftspolizisten den Kollegen aus Sachsen Einsatzanzüge auf private Kosten abkauften.

Die neuen Polizei-Uniformen in Thüringen
Mit dem Blau schlich sich ein Problem in die Uniformkammer ein. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Diese Probleme sind der Thüringer Polizeiführung nicht verborgen geblieben. Deshalb will sie nun Abhilfe schaffen und plant einen Befreiungsschlag aus einem Dilemma, dass sie selber vor knapp zehn Jahren mitverursacht hat. Als Thüringen 2008/2009 von Grün auf Blau wechselte, wurde eine eigene freistaatliche Kollektion für die Beamten entworfen. Diese lehnte sich an die Länder-Uniformen in Hessen oder Baden-Württemberg an. Die neue Uniform wurde eingeführt und die Belieferung klappte.

Dann wurde 2013 die neue Landespolizeidirektion als angeblich "schlanke" Führungsebene der sieben Polizeiinspektionen aufgebaut. Im Zuge neuer Rationalisierungen wurden auch die Bestände im Uniformlager in der Hohenwindenstraße drastisch reduziert. Maximal 15 Prozent vom gesamten Uniformbestand durften nur noch vorgehalten werden. Im Klartext: Für jedes Uniformteil pro Beamter gab es höchstens zwei Mal Ersatz im Lager. Was damals kein Problem darstellte. Wenn etwas fehlte, wurde es beim Hersteller geordert.

Hinter den "großen" Ländern anstellen

Die neuen Polizei-Uniformen in Thüringen
Nicht immer die Realität im Vorratslager Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Das ging bis vor etwa drei Jahren gut. Doch dann begannen weitaus größere Länderpolizeien wie Bayern (33.000 Beamte) oder eben Hessen (15.000 Beamte) und Baden-Württemberg (23.000 Beamte) ihr Personal drastisch aufzustocken. Das bedeutete, die Uniformhersteller, die auch Thüringen belieferten, hatten plötzlich Großaufträge erhalten. Für die vergleichsweise kleine Thüringer Landespolizei (6.300 Beamte) hieß das: Hinten anstellen in der Schlange. Doch die Thüringer Beamten brauchten weiterhin Ersatz für kaputte Hosen, Jacken, Hemden oder Mützen. Und die Lagerbestände, die Jahre zuvor drastisch eingedampft worden waren, schwanden zusehends.

Aktuell ist es so, dass die meisten Uniformteile nur noch nach monatelanger Warterei oder gar nicht beschafft werden können. Diesen Missstand bestätigte das Thüringer Innenministerium. Auf MDR THÜRINGEN-Nachfrage heißt es: "Die Beschaffung der Dienstkleidung stieß in der Vergangenheit wegen zu geringer Stückzahlen, extrem langer Lieferfristen, Lieferung minderer Qualität sowie hoher finanzieller und personeller Kosten für die eigene Lagerhaltung auf Kritik."

Thüringen zum Norden?

Nun soll eine Lösung her. Das "Zauberwort" heißt "Nordverbund der Polizei". Dahinter verbirgt sich der Zusammenschluss von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Hamburg. Diese Länder haben sich bei den Uniformen auf ein Grunddesign geeinigt, dass nur in wenigen Teilen abweicht. Damit sind sie ein Großauftraggeber, der bei den Herstellern immer in der ersten Reihe sitzt. Die Thüringer Polizei möchte diesem Nordverbund beitreten und damit ihr dramatisches Uniform Problem lösen.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Das Thüringer Innenministerium bestätigt MDR THÜRINGEN aber, dass es einen entsprechenden Prüfauftrag gebe. Bis November soll der Ministeriumsspitze ein Bericht vorgelegt werden. Sollte die Umstellung kommen, würde das einen kompletten Austausch der bisherigen Kleidungsstücke bedeuten. Denn Design und Farbe unterscheiden sich deutlich von der bisherigen Thüringer Garderobe. Die Thüringer Beamten tragen Uniformen in marineblau. Die des Nordverbundes sind in schwarz-blau gehalten.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hatte sich am Montag bei einer internen "Modenschau" im Uniformlager die Kollektion des Nordverbundes zeigen lassen. Wie der Wechsel organisiert werden soll und wie teuer das wird, ist bisher unklar. Die Umstellung 2009 hatte über vier Millionen Euro gekostet. Aus Polizeikreisen heißt es, dass die Nordverbundlösung rund fünf Millionen Euro kosten könnte. Das Ministerium erklärte, dass die Umstellung "kostenneutral" über die Bühne gehen soll. Dafür gibt es angeblich auch einen Finanzierungsplan. Den Beamten in Thüringen soll das jährliche Bekleidungsgeld von 246 Euro auf die kommenden zwei Jahre eingefroren werden. Wenn es dann die neuen Uniformteile gibt, soll der Löwenanteil daraus finanziert werden.

Schwarz-Blau statt Marineblau?

Doch es gibt auch interne Kritik an dem Plan. Denn angeblich soll nicht ausreichend geprüft worden sein, ob Thüringen sich nicht mit Hessen, Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz bei der Beschaffung zusammentun könnte. Da deren Uniformen den Thüringern stark ähneln hätte das Charme, dass es keine komplette Neu-Einkleidung geben müsste. Der Freistaat würde dann Teil der dortigen Großlieferverträge werden.

Diese Kritik weist das Ministerium zurück. Es seien alle Alternativen geprüft worden, dabei habe sich die Kooperation mit dem Nordverbund als die "günstigste" erwiesen. Falls Thüringen sich entscheide, heißt es, komme der Wechsel 2020. Bis dahin müssen Beamte, wie Heinz Müller oder Mario Schneider auf ihre Uniformen aufpassen. Keine Löcher mehr in den Hosen, denn aktuell ist Nachschub knapp.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 07. August 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2018, 20:06 Uhr

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9 Kommentare

08.08.2018 18:07 Dorfbewohner 9

“Warum kommt keiner darauf? 8

Daran wird doch nur mal wieder der völlig überflüssige Föderalismus deutlich.
Warum muss der eine Schupo in blau herumlaufen und der andere in schwarz und der dritte vielleicht noch in kariert?
Was soll dieser Unfug?
Kleidet die alle einheitlich, dann ist nicht nur die Logistik einfacher, sondern auch der Beschaffungspreis niedriger.”

Genau und in 16 ‘Landes-Polizei-Generalbeschaffungsstellen’ werden
16 mal 5 also 80 Beschaffer frei für richtige Polizeiarbeit!

08.08.2018 14:24 Warum kommt keiner darauf? 8

Daran wird doch nur mal wieder der völlig überflüssige Föderalismus deutlich.
Warum muss der eine Schupo in blau herumlaufen und der andere in schwarz und der dritte vielleicht noch in kariert?
Was soll dieser Unfug?
Kleidet die alle einheitlich, dann ist nicht nur die Logistik einfacher, sondern auch der Beschaffungspreis niedriger.

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