Eine kostbare Porzellankanne mit Goldrändern und ihr Spiegelbild.
Kostbare Porzellankanne mit Goldrändern und ihr Spiegelbild bei der Ausstellung "Porzellanwelten" auf der Leuchtenburg. Bildrechte: Stiftung Leuchtenburg

Wirtschaft Thüringer Porzellan: Eine Industrie kämpft ums Überleben

Das Porzellan-Handwerk hat in Thüringen eine lange Geschichte. Doch die Industrie ist angeschlagen. Fast alle haben die gleichen Probleme: Ihnen fehlen die Kunden, der Nachwuchs und sie kämpfen ums Überleben.

von Sandra Voigtmann

Eine kostbare Porzellankanne mit Goldrändern und ihr Spiegelbild.
Kostbare Porzellankanne mit Goldrändern und ihr Spiegelbild bei der Ausstellung "Porzellanwelten" auf der Leuchtenburg. Bildrechte: Stiftung Leuchtenburg

Kaolin, Feldspat und Quarz - drei einfache Zutaten sind die Bestandteile des weißen Goldes - Porzellan. Weiß und strahlend kann es sein, bunt bemalt oder mit Goldkante, filigran und zart oder robust und alltagstauglich. Porzellan ist nicht nur Kunstobjekt, sondern auch Essgeschirr. Es kann zurückhaltend sein, aber auch unglaublich sexy. Es steht auf dem Tisch oder ist Teil von Hightech-Technologie. In Thüringen hat Porzellan eine bereits 250-jährige Tradition. Viele kleine Manufakturen bestehen noch immer neben Marktriesen. Aber Porzellan ist ein empfindlicher Werkstoff. Thüringens Porzellan-Industrie ist angeschlagen. Fast alle haben die gleichen Probleme - ihnen fehlen die Kunden, der Nachwuchs und sie kämpfen ums Überleben.

Hersteller stehen vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen

Den meisten Herstellern im Freistaat geht es nicht gut, sagte Ulrike Kaiser, Direktorin Stiftung Leuchtenburg und Vorsitzende Thüringer Porzellan Straße e.V. Die Schließung von "Weimar Porzellan" in Blankenhain deute darauf hin, dass sich der Markt derzeit bereinige. Ausnahmen seien große Firmen wie Kahla Porzellan oder die Porzellanmanufaktur Reichenbach, die Eschenbach Porzellan Group Triptis oder Wagner & Apel Porzellanfiguren Lippelsdorf. Besonders in den kleinen Manufakturen wird durch den Einsatz von Topdesignern oder einzelnen innovativen Ideen wie dem Porzellankochtopf versucht, am Markt wieder mehr Fuß zu fassen. Andere setzen auf Tourismus und bieten neben Führungen in ihrer Manufaktur auch angeschlossene Cafés an ihren Unternehmen. Auch der Online-Handel gewinne immer mehr an Bedeutung.

Tourismusförderung wie die Porzellanstraße reichen nicht aus

Ein Tisch mit einer Vase steht vor dem Fenster des Besucherzentrums auf der Leuchtenburg bei Kahla, durch das Fenster sieht man ein Tal mit mehreren Orten
Mit der Ausstellung auf der Leuchtenburg soll das Bewusstsein für Porzellan aus Thüringen wieder gestärkt werden. Bildrechte: Stiftung Leuchtenburg

Seit geraumer Zeit gibt es auf der Leuchtenburg bei Kahla eine Art Kompetenzzentrum Thüringer Porzellan. Gemeinsam mit dem Tag des Thüringer Porzellans und der Ausstellung auf der Leuchtenburg soll das Bewusstsein für Porzellan aus Thüringen wieder gestärkt werden. Ziel sei das Etablieren einer gemeinsamen Marke. Ulrike Kaiser, Direktorin Stiftung Leuchtenburg, strebt ein Miteinander von kleinen und großen Firmen an.

Nicht die Konkurrenz solle im Vordergrund stehen, sondern die gemeinsame Tradition. Auf alte Geschichte und Traditionen zu blicken, könnte auch ein Kraftspender für die Branche sein, so Kaiser. Der Tag des Thüringer Porzellans wurde 2018 mit dem Thüringer Tourismuspreis ausgezeichnet. Diese Art Tag der offenen Tür in den Thüringer Porzellanbetrieben habe den Unternehmern auch merkliche Umsätze generiert, so Kaiser. Doch das reiche nicht aus.

Der Branche fehlen die großen Märkte

Porzellan sei zwar nicht direkt von den Wirtschaftssanktionen gegen Russland betroffen, so Kaiser. Doch der Ost-West-Konflikt habe den Markt, besonders bei hochpreisigen Luxusprodukten, einbrechen lassen. Auch wenn Thüringer Porzellan in 60 Länder exportiert wird - besonders kleinen Unternehmen fehle der Zugang zu großen Märkten, so Ulrike Kaiser. Grund sei häufig das fehlende Eigenkapital für Marketingstrategien. Der Verein Thüringer Porzellanstraße, dem thüringenweit 100 Unternehmen angehören, bemängelt, die Politik habe zu wenig Vertrauen in die Thüringer Porzellanbranche. Die Unternehmen wünschen sich oft eine bessere Wirtschaftsförderung für den Porzellanbereich.

Produktion von Porzellan aus Kahla
Einige "Große" wie Kahla-Porzellan stehen gut da. Das Unternehmen feierte jüngst seinen 25-jährigen Geburtstag. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Dem entgegnet ein Sprecher aus dem Thüringer Wirtschaftsministerium, dass zur Unterstützung der Branche das gesamte Instrumentarium der Wirtschaftsförderung zur Verfügung stehe. Die Porzellanbranche könne von der Investitions- über die Personal- bis zur Forschungsförderung, vom Beteiligungs- bis zum Bürgschaftsinstrumentarium auf alle Fördertöpfe des Landes zugreifen. Die Thüringer Porzellanindustrie sei eine kleine, traditionelle Branche der Thüringer Wirtschaft, die allerdings von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung her deutlich hinter großen Branchen wie dem Automobilsektor, der Ernährungsindustrie, der Metallverarbeitung, Optik oder Medizintechnik liegt, teilte ein Sprecher des Thüringer Wirtschaftsministeriums MDR Thüringen mit.

Wenige junge Leute wollen ins Porzellangeschäft

Was den Unternehmen ebenso fehlt wie große Märkte ist der Nachwuchs. Nur noch wenige junge Leute interessieren sich für eine Ausbildung in der Porzellanindustrie oder einer Porzellanmanufaktur. In Volkstedt in der ältesten Thüringer Porzellanmanufaktur gibt es beispielsweise derzeit einen einzigen Lehrling. Kurzarbeit am Standort macht die Ausbildung außerdem schwierig, weil eine kontinuierliche Betreuung nicht gewährleistet werden kann.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Februar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 10:07 Uhr

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12 Kommentare

11.02.2019 10:09 Rita 12

Ich hab diesen Betrieb noch nicht Mal vom hören sagen gekannt. Vielleicht liegt es auch an der Werbung. Um jede Manufaktur ist es schade. Vielleicht findet sich ja noch eine Lösung

10.02.2019 20:08 Klartexter 11

Jetzt wo das Plaste-Geschirr in der EU bald tot ist, müsste sich doch etwas machen lassen. Drink und Eat to Go ist tot. Durchhalten und für die vielen Imbissbuden billiges Porzellangeschirr herstellen. Das müsste der Renner werden!

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