In einem Büroraum wird eine Faust vor eine Kaputze gehalten
Die Bande soll äußerst brutal vorgegangen sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringer vor Gericht Prozess gegen "Saat des Bösen"-Mitglieder in Coburg

Die Tat, um die es seit Freitag vor dem Landgericht Coburg geht, liegt schon sieben Jahre zurück. Und das hat Folgen. Für den Prozess - und für die Angeklagten.

von Cornelia Hartmann

In einem Büroraum wird eine Faust vor eine Kaputze gehalten
Die Bande soll äußerst brutal vorgegangen sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schweren Raub und gefährliche Körperverletzung wirft der Staatsanwalt den beiden Thüringern, 37 und 32 Jahre alt, vor. Im Jahr 2012 sollen sie einen Bekannten in Coburg ins Gesicht geschlagen und ihm mit einem Hammer einen Finger zertrümmert haben. Danach nahmen sie ihm noch den Fernseher weg. Das alles, so steht es in der Anklageschrift, sei eine Strafkation gewesen. Die Angeklagten wollten einen Drogendealer ausrauben - und diesen Plan hätte ihr Opfer verraten.

Ob das so war - dazu sagten die Angeklagten nichts. Aber es gab ein so genanntes Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten, in dem die Verteidiger Geständnisse ankündigten. Aber nur für den Fall, dass die Strafe für den Älteren nicht mehr als dreieinhalb Jahre betrage, und die für den Jüngern nicht mehr als sieben. Der 32-Jährige bringt allerdings eine Vorverurteilung von vier Jahren mit.

Justiz überlastet - Prozess verschoben

2014 waren beide schon einmal vom Erfurter Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Im Prozess gegen zehn Mitlglieder der Straßengang "Saat des Bösen" ging es unter anderem um einen geplanten Überfall auf einen Suhler Antiquitätenhändler und den Plan, einem Weimarer die Ohren abzuschneiden. Die Telefone der Verdächtigen wurden damals abgehört, sie auf frischer Tat festgenommen. Ihre Verurteilung wurde allerdings 2016 vom Bundesgerichtshof aufgehoben und zur erneuten Verhandlung nach Erfurt zurückgeschickt. Die Akten waren viel zu lange unterwegs, die zuständige Kammer überlastet - die Angeklagten mussten aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

Für das Verfahren in Erfurt gibt es noch immer keinen neuen Verhandlungstermin, dafür verhandelt nun Coburg den anderen Fall. Im Mai war der Prozess, in dem es auch um Sicherungsverwahrung geht, schon einmal gestartet. Weil die Anklage aus dem Jahr 2013 stammt, war auch das psychiatrische Gutachten, demzufolge die Männer gefährlich sind, schon etwas älter. Das Gericht ordnete deshalb die erneute Begutachtung der Angeklagten an.

Neues psychiatrisches Gutachten

Jetzt hat der Prozess erneut begonnen. Die vorläufige Einschätzung der neuen Gutachterin war einen Tag vor Verhandlungsbeginn bei Gericht eingegangen. In dieses Gutachten, so war zu hören, floss auch die positive Entwicklung ein, die die Angeklagten inzwischen genommen hätten. Möglicherweise beurteilt die Sachverständige die Gefährlichkeit der beiden Männer anders als vor vielen Jahren der erste Gutachter.

Staatsanwalt und Gericht haben sich noch nicht zur Strafvorstellung der Verteidigung geäußert. Der Staatsanwalt will erst das vollständige Gutachten der Psychiaterin abwarten. Die lange Verfahrensdauer wird sich auf jeden Fall strafmindernd auswirken. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Am nächsten Freitag wird weiterverhandelt, ein Urteil könnte am 13. September fallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 20:07 Uhr

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