Corona Schule und Kita: Ramelow knüpft Regelbetrieb an Bedingung

Ohne Corona-Tests kein normaler Unterricht und keine uneingeschränkte Betreuung: Diese Perspektive hat Thüringens Ministerpräsident jetzt für die Schulen und Kindergärten im Freistaat genannt. Doch fließt das nötige Geld, sei der Regelbetrieb in den Einrichtungen nach den Sommerferien wieder denkbar, sagt Bodo Ramelow. Beschlossen ist allerdings noch nichts.

Eine Lehrerin mit Maske erklärt Schülern etwas.
In Thüringer Schulen gelten wegen der Corona-Pandemie weiterhin Einschränkungen. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images/Belga

Nach Ansicht von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) könnte ein Regelbetrieb in Schulen und Kindergärten in Thüringen nach den Sommerferien möglich sein. Er hoffe zwar auf eine Impfung gegen das Coronavirus, sagte der Regierungschef am Dienstag. "Aber können wir wirklich mit dem Regelbetrieb warten, bis ein Impfstoff gefunden ist? Das halte ich nicht mehr für vertretbar."

Ramelow: Normaler Unterricht nur mit Corona-Tests

Den regulären Unterricht knüpfte er allerdings an eine Bedingung: Alle Menschen, die in Schulen oder Kindergärten arbeiten, sollten seiner Meinung nach ein Recht auf Corona-Tests haben. Dies gelte insbesondere für all jene, die Angst hätten, sich mit dem Virus zu infizieren. Wie der Regierungschef nach einer Beratung des Kabinetts in Erfurt sagte, müsse dafür allerdings die Finanzierung gesichert sein. Der Thüringer Landtag, in dem Rot-Rot-Grün keine eigene Mehrheit hat, solle dafür Gelder aus dem Sondervermögen freigeben, forderte er.

Eingeschränkter Regelbetrieb in Kitas und Schulen

Derzeit gilt in Thüringer Bildungseinrichtungen vielfach der sogenannte eingeschränkte Regelbetrieb. In Schulen wechseln sich Präsenz- und Heimunterricht ab. In Kindergärten läuft zum Teil noch die Notbetreuung, bis Mitte Juni sollen aber alle Kinder wieder in den Einrichtungen betreut werden - dann allerdings unter Einhaltung von Hygienekonzepten, die unter Umständen ebenfalls Wechselmodelle nötig machen. Die Umsetzung liegt in Verantwortung der Kommunen und Träger.

Nach dem Willen Ramelows soll es Corona-Tests in Schulen und Kitas auch geben, um mehr über die Verbreitung des Virus in Erfahrung zu bringen. Auch ohne einen konkreten Verdacht sollen über sogenannte Pool-Testungen Fälle ausfindig und so eine Dunkelziffer erkannt werden. Als beispielgebend nannte er die Studie in Neustadt am Rennsteig, über die Infektionsketten besser verstanden werden sollen.

Entscheidung in Thüringen steht noch aus

Thüringens Ministerpräsident hatte am Wochenende einen Strategiewechsel im Umgang mit dem Coronavirus angeregt und dabei eine kontroverse Debatte ausgelöst. Am Dienstag äußerte er sich erneut dazu und stellte einen groben Fahrplan als Weg aus dem Krisenmodus für das Bundesland vor. Konkrete Beschlüsse der Regierung werden allerdings erst in der kommenden Woche erwartet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Mai 2020 | 16:00 Uhr

17 Kommentare

Rolf Busch-tlv vor 26 Wochen

Fakt bleibt dabei aber, dass Lehrer/Erzieher erst einmal infiziert werden, bevor ein Test dies nachweisen kann. Wer sich einmal in diese hineinversetzt, sollte schnell merken, dass sie sich dadurch wie Versuchskaninchen fühlen und eben auch Angst haben. Denn sie sollen ja ungeschützt mit der ganzen Klasse/Gruppe über Stunden in einem zu kleinen Raum ohne Abstandsgebot dicht zusammen sein. Toller Plan!

Monazit vor 26 Wochen

Ramelow ist vorgeprescht, was sicher mutig von ihm war. Egal, ob man das jetzt gut oder schlecht findet; er ist damit jetzt erst recht der Hauptverantwortliche für die weitere Situation in Thüringen und wird sich daran messen müssen.

Ich wünsche mir natürlich, dass er dieser Verantwortung gerecht wird, aber denke, dass ein roter Faden schwer zu finden sein wird und die im Text beschriebenen Maßnahmen eher noch keinem ausgefeilten Masterplan folgen. Die aktuelle Kuddel-Muddel-Landesregierung inkl. CDU ist hoffentlich auch im Zusammenhang des bevorstehenden Walkampfs unideologisch und pragmatisch genug, die Exit-Strategie stets zu hinterfragen und anzupassen.

Wer (welches Land / Bundesland) wirklich die richtige Strategie hat, werden wir wohl erst in ein paar Jahren erfahren. Mit der Ungewissheit müssen sowohl wir als Bevölkerung als auch Politiker leben und zumindest versuchen, den Weg der Vernunft zu finden. In allen gesundheits-, gesellschafts- und wirtschaftsrelevanten Aspekten.

HansiT vor 26 Wochen

Ich hatte auch mehr erwartet. Musste dann bestimmt wegen Hr. Söder und Mama Merkel zurück rudern. Einfach lächerlich das ganze Theater. Diente scheinbar doch nur der Selbstdarstellung wegen der bevorstehenden Neuwahlen.
Gerade für die Kitas und Grundschulen hätte man sich schnelle Lösungen gewünscht. Test sind sicherlich auch da sehr hilfreich. Wenn die Streiterei ums Geld aber da schon wieder los geht.

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