Bodo Ramelow
Bodo Ramelow ist oft auf Reisen, diesmal geht es nach Brüssel, Den Haag, Delft und Rotterdam (Archivbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Motto lautet: Ingenieurskunst, Bach und Bauhaus Ministerpräsident Ramelow besucht Brüssel und die Niederlande

Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE) und mehrere Landtagsabgeordnete besuchen ab Dienstag zwei der Beneluxstaaten. Im belgischen Brüssel werden sie mit Vertretern der EU-Kommission zusammentreffen und in den Niederlanden Unternehmen aus den Bereichen Optik und Halbleiterindustrie besuchen. Weitere Schwerpunkte der Reise werden die kulturellen Beziehungen zwischen Thüringen und Holland sowie dem Bauhaus und dessen niederländischen Wurzeln sein.

Bodo Ramelow
Bodo Ramelow ist oft auf Reisen, diesmal geht es nach Brüssel, Den Haag, Delft und Rotterdam (Archivbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Begleitet wird Ramelow von einer mehr als 20-köpfigen Kultur-, Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation. Sie vertritt die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF), die Klassik-Stiftung Weimar und die Thüringer Tourismus GmbH.

Themen in Brüssel werden Digitales, die Landwirtschaft und der Brexit sein

Haus der EU Kommission in Brüssel mit Europafahnen davor
Das Gebäude der EU-Kommission in Brüssel. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Zunächst sind am Dienstag politische Gespräche mit der EU-Kommission in Brüssel geplant.
Empfangen werden der Thüringer Regierungschef und sein Kabinett zuerst von der Kommission für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, danach sprechen sie mit dem EU-Kommissar für Landwirtschaft, Phil Hogan, und anschließend mit Sabine Weyand, der Stellvertreterin des Verhandlungsführers für die Brexit-Verhandlungen, Michel Barnier.
Wie Ramelow MDR THÜRINGEN sagte, werden die auch für Thüringer Bauern geplanten Kürzungen der EU-Direkthilfen bei den Gesprächen eine große Rolle spielen. Wenn ein großer Beitragszahler wie Großbritannien die Gemeinschaft durch den Brexit verlasse, werde das für den EU-Haushalt und nachfolgend die ostdeutschen Landwirtschaftsbetriebe schwere Folgen haben. Er und das gesamte Kabinett würden sich dafür einsetzen, das Schlimmste zu verhindern. Am Abend ist eine Begegnung mit dem deutschen EU-Kommissar für Haushalt und Personal, Günther Oettinger, geplant.

In den Niederlanden geht es um Kontakte zur Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft...

Der Mittwoch beginnt mit einem Treffen mit der holländischen Wirtschaftsstaatssekretärin Mona Keijser. Hier dürfte die negative Thüringer Außenhandelsbilanz eine Rolle spielen. Die Niederlande rangieren nach letzten Angaben der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) aktuell auf Rang 4 der Thüringer Importnationen (2017: 808,5 Mio. Euro). Was den Export in die Niederlande angeht rangiert Thüringen aktuell dagegen nur auf Platz 11 (2017: 700,6 Mio. Euro). Weitere Wirtschaftsdaten sehen Sie im unten stehenden Kasten.

... und um Werbung für das Bauhausjubiläum 2019

Lattenstuhl von Marcel Breuer mit blauer Bespannung aus dem Weimarer Bauhaus Katalog im Lager der Klassik Stiftung Weimar
Dieser 1922 entworfene Original Lattenstuhl von Marcel Breuer wird ab Anfang September im Haus Sonneveld in Rotterdam ausgestellt. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Neben politischen Gesprächen bei Regierung und Senat in Den Haag steht dann der Mittwochabend in Rotterdam im Zeichen der Werbung für das Bauhausjubiläum 2019. Die Klassik Stiftung Weimar wird unter dem Motto „Bauhaus zu Gast“  zu einer Vernissage einladen, in der der Original Lattenstuhl von Marc Breuer zu sehen sein wird.

Im Anschluss daran findet ein Konzert der Thüringer Bachwochen im Konzerthaus De Doelen statt. Der Komponist und Pianist John Kameel Farah wird Bach und Bauhaus mit barocken Strukturen, dem Bauhaus und der Elektronik des 21. Jahrhunderts verbinden.

Ein Hauptziel ist eine stärkere Zusammenarbeit in den Bereichen Optik und Photonik

Der Campus der Technischen Universität Delft
Mit der Technischen Universität Delft will die Friedrich-Schiller-Uiniversität Jena künftig enger zusammenarbeiten. Bildrechte: TU Delft

Am Donnerstag und Freitag widmet sich das Besuchsprogramm ganz dem Ausbau der Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen. Geplant ist ein Besuch der Technischen Universität Delft, die seit dem Besuch des niederländischen Königspaares in Thüringen die Beziehungen zur Friedrich-Schiller-Universität Jena und zum Fraunhofer Institut stark intensiviert hat. Hier soll eine Vereinbarung über die weitere wissenschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet werden, die den Aufbau eines Masterstudiengangs und den Austausch von Doktoranden vorsieht.

Anschließend besucht die Thüringer Delegation ein Existenzgründerzentrum, das unter der Schirmherrschaft des Bruders des holländischen Königs, Prinz Konstantin, steht.

Höhepunkt des Tages wird aber der Besuch von Airbus Defence and Space in Leiden sein. Wie die Thüringer Jena-Optronik gehört Airbus DS zum Airbus-Konzern. Am Standort Leiden produziert die Firma Solarpaneele, Instrumente für Erdbeobachtungssatelliten und Teile für die Ariane-Rakete. Der Tag endet hinter verschlossenen Türen mit einem Dinner für an Thüringen interessierten holländischen Investoren.

Antrittsbesuch beim Weltmarktführer

Ein Mann in blauen Schutzanzug und Mundschutz in einer Produktionsanlage.
Bild in die Produktionsanlage von ASML, dem weltgrößten Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Bildrechte: MDR/ASML N.V.

Der letzte Reisetag beginnt mit dem Besuch bei einem technologischen Schwergewicht: ASML ist der weltweit größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Mit ihren Maschinen machte die Aktiengesellschaft im vergangenen Jahr über neun Milliarden Dollar Umsatz, 80 % aller Chiphersteller weltweit sind Kunden von ASML. Seit Jahren kooperiert man in Veldhoven mit Carl Zeiss in Jena, ein gemeinsames Kennenlernen mit der Thüringer Delegation soll nun auch anderen Unternehmen Türen öffnen.

Den Ausklang der Hollandreise bietet schließlich ein Besuch der Region Brabant. In Nuenen besucht die Delegation das Museum Vincentre, das Vincent van Gogh gewidmet ist. Der Maler schuf hier 1885 seine berühmten "Kartoffelesser" und produzierte in dem Ort insgesamt 195 Gemälde, 313 Zeichnungen, 25 Aquarelle und 19 Skizzen in seinen Briefen. Der Aufenthalt endet mit Gesprächen mit regionalen Politikern und Unternehmern.

Aktuelle Wirtschaftskontakte Thüringen-Niederlande in Zahlen

Was die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Thüringen und den Niederlanden angeht ist noch Luft nach oben. Das Küstenland ist fünftgrößter Exporteur der Welt und verkauft 75 Prozent des Exports in die EU. Ein Viertel davon geht nach Deutschland.

Nach den USA ist das Königreich der zweitgrößte Agrarexporteur der Welt und verkaufte nach Thüringen zuletzt Nahrungs- und Futtermittel für 151 Mio. Euro. Aus Thüringen importiert wurden dagegen nur Nahrungs- und Futtermittel im Wert von 66 Mio. Euro.

Bei den Niederländern punkten konnten die Thüringen zuletzt mit Datenverarbeitungs-, elektronischen und optischen Erzeugnissen (rund 105 Mio. Euro) sowie Gummi- und Kunststoffwaren (rund 99 Mio. Euro). Konsumenten und Betriebe aus Thüringen wiederum bestellten in den Niederlanden neben Nahrungs- und Futtermitteln vor allem chemische Erzeugnisse (127 Mio. Euro) sowie Erzeugnisse der Landwirtschaft und Jagd (94 Mio. Euro).

Thüringer Unternehmen sind in neun niederländischen Firmen engagiert, holländische Betriebe sind an 38 Thüringer Firmen beteiligt. (Alle Angaben LEG Thüringen)

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2018, 20:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr aus Thüringen