Mangel an Grundschullehrern in Thüringen? Bildungsministerium widerspricht Bertelsmann-Studie zu Lehrermangel

In Thüringen ist nach Regierungsangaben kein verschärfter Mangel an Grundschullehrern zu befürchten. Das teilte das Bildungsministerium am Montag auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit. Dagegen sieht der Thüringer Lehrerverband (tlv) sehr wohl einen Mangel. Und die Gewerkschaft GEW verlangt, die Ausbildung von Grundschullehrern weiter zu optimieren.

Schüler waehrend einer Unterrichtsstunde.
Unterricht in einer Grundschule Bildrechte: imago/photothek

Hintergrund all dieser Reaktionen ist eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Dieser Untersuchung zufolge werden an Grundschulen in Deutschland bis zum Jahr 2025 über 26.000 Pädagoginnen und Pädagogen fehlen. Das sind gut 11.000 mehr, als noch im Herbst vergangenen Jahres von der Bund/Länder-Kultusministerkonferenz angenommen. Basis für diese Studien-Aussagen ist eine im Juni dieses Jahres veröffentlichte Schätzung des Statistischen Bundesamtes zur Bevölkerungsentwicklung. Danach wird die Zahl junger Schülerinnen und Schüler in Deutschland kräftiger wachsen als bisher angenommen.

Ministerium: Weniger Schüler als angenommen

In Thüringen jedoch wird das laut Landes-Bildungsministerium nicht so sein. Es verwies auf kleinere Zahlen als bislang angenommen und erklärte: "Hierzulande gibt es entgegen der Studienergebnisse weniger Schülerinnen und Schüler in Grundschulen als ursprünglich angenommen und nicht mehr." Gleichwohl räumte das Ministerium ein, die Situation in den Schulen bleibe angespannt. "Es gibt zu wenig Bewerbungen für Grund- und Regelschulen, insbesondere im ländlichen Raum."

Lehrerverband: teilweise gravierende Lücken

Alarmiert von der Untersuchung zeigte sich der Thüringer Lehrerverband (tlv). Der Vorsitzende Rolf Busch bezeichnete die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie als "erschreckend, aber realistisch". Ihm zufolge verschärft sich der Mangel an Grundschul-Lehrern auch in Thüringen. In der Unterrichts-Versorgung gebe es schon jetzt "teilweise gravierende Lücken."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte, die Ausbildung von Grundschullehrern im Freistaat weiter zu optimieren. Auf MDR-THÜRINGEN-Anfrage sagte ein Sprecher des GEW-Landesverbandes, "es gibt erste zarte Pflänzchen der Verbesserung". Ausreichend sei das aber noch nicht. Die Gewerkschaft verlangt unter anderem, den Numerus clausus für das Lehramt an Grundschulen abzuschaffen. Zudem seien für Interessenten im Referendariat, im Vorbereitungsdienst, noch deutlich mehr Plätze nötig.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 19:00 Uhr

5 Kommentare

Ichich vor 5 Tagen

Erstens: Es gibt keinen Nachweis, daß "Seitensteiger" in irgendeiner Form "schlechtere Lehrer" sind. Zweitens: Der Gewerkschaft es um ihre Pfründe. Warum werden eigentlich unsere Lehrerzimmer nicht bunt ? Warum werden nicht arabische, osteuropäische und afrikanische LehrerInnen angeworben ?
Kleiner Hinweis: U.a. bei TIMSS liegen die Schulergebnisse von Portugal, Litauen, Buarien vor denen von Deutschland.

martin vor 6 Tagen

Unabhängig von dem Aspekt, ob die Zahlen der (politisch durchaus nicht immer neutralen) Bertelsmann-Stiftung für Thüringen stimmen oder nicht: Bei einem deutschlandweiten Mangel an entsprechend ausgebildeten Lehrern wird die Konkurrenz weiter ansteigen und das wird sich auch auf die Situation in Thüringen niederschlagen.

Ich denke, dass es innerhalb von Thüringen Regionen mit sinkenden Schülerzahlen geben wird und Regionen mit steigenden. Ein Blick auf die Bedarfsplanungen bzgl. der Kita-Plätze ist da durchaus hilfreich.

Das RRG bei den langfristigen Planungen schlechter ist, als die Vorgängerregierungen kann ich nicht erkennen. Unter welchen politischen Farben wurde denn die Schulsituation im ländlichen Raum durch Zusammenlegung von Schulen "optimiert"? Aber eine deutliche Verbesserung vermag ich auch nicht zu erkennen - solange frisch ausgebildete Lehrer aus Thüringen abwandern, schlicht weil sie in anderen Bundesländern sehr viel schneller eine Zusage erhalten.

Dynamo vor 7 Tagen

Hier kann ich mich nur "Gerald" anschließen. "Wie kann nur die Bertelsmann-Stiftung solch hohe Zahlen über die fehlenden Grundschullehrer herausgeben."
Man kann auch nicht sagen, ignorieren wir einfach die Aussagen und halten an unseren Zahlen fest. Leidtragende werden dann unsere Kinder sein. "Kinder sind das Beste , was wir haben". Wie lange dauert eine Ausbildung mit Abschluss Grundschullehrer ? Fünf oder sechs Jahre. Was alle wissen, in welchem Alter erfolgt die Einschulung ? Mit sechs oder sieben Jahren. Man braucht also nur die Geburtenzahlen / Jahr / Gebiet erfassen. Alle wissen, das wird akribisch gemacht. Und wieso sind die Verantwortlichen Jahr für Jahr so erstaunt, was, soviel Schulanfänger haben wir ? Aber da reichen doch die Anzahl der vorhandenen Grundschulen und die ausgebildeten Lehrer doch gar nicht. Wer es nicht glaubt, einfach mal in die Dörfer und Städte gehen, und sich anhören, was die Eltern sagen.

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