Thüringentrend Bestätigt, optimistisch, sprachlos - so reagieren die Parteien auf die Blitzumfrage

Die Linke ist in der aktuellen Umfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN nach der Regierungskrise im Allzeithoch. Die Partei zeigte sich nach dem Ergebnis "sprachlos", SPD und AfD fühlen sich in ihrer Haltung und in ihrer Politik bestätigt. Die CDU räumt Fehler ein. Die Reaktionen der Thüringer Parteien auf die Umfrage nach der Ministerpräsidentenwahl.

Abgeordnete im Plenarsaal des Thüringer Landtags
Der Tag der Ministerpräsidentenwahl hat in Thüringen für Verwerfungen gesorgt. Bildrechte: MDR/Michael Frömmert

Hennig-Wellsow "sprachlos" angesichts guter Umfragewerte für die Linke

Die Thüringer Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow hat sich von den Ergebnissen der jüngsten Umfrage in Thüringen überrascht gezeigt. Sie sei "sprachlos", sagte Hennig-Wellsow MDR THÜRINGEN. 39 Prozent für die Linke würden dafür sprechen, dass Bodo Ramelow als Landesvater zeige, dass er es ernst meine mit den Menschen in Thüringen. Zum anderen sei die Linke eine Partei, die tatsächlich für stabile Verhältnisse in Thüringen kämpfe und sich nicht an Taktieren und Spielerei beteilige. Dass die CDU ihren Stimmenanteil faktisch halbiert habe, sei auch ein deutliches Zeichen.

Susanne Hennig-Wellsow
Die Thüringer Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow Bildrechte: dpa

Der Ansehensverlust für Thüringen kann nach Ansicht von Hennig-Wellsow ausgeglichen werden, "wenn es die Demokraten im Thüringer Parlament jetzt schaffen, Bodo Ramelow als Ministerpräsidenten zu wählen". Deshalb gebe es Gespräche mit der CDU. Eine demokratische Wahl des Ministerpräsidenten könne "einiges korrigieren".

AfD in Thüringen sieht sich bestätigt und nicht überrascht

Die Thüringer AfD sieht sich durch die Thüringentrend-Blitzumfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN bestätigt. Der Sprecher des Landesvorstandes und parlamentarische Geschäftsführer Torben Braga sagte, er sei vom "stabilen" Ergebnis seiner Partei nicht überrascht. Die AfD habe nur das Selbstverständliche getan und für ein Ende von Rot-Rot-Grün gestimmt.

Torben Braga (AfD)
Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD, Torben Braga Bildrechte: MDR/Torben Braga

Unerwartet sei für ihn deshalb der starke Verlust für die CDU, die wie die AfD nichts verkehrt gemacht habe. Dass der Wähler der CDU ihr Verhalten bei der Ministerpräsidentenwahl übel nehme, sei "nach menschlichem Ermessen nicht ohne weiteres nachvollziehbar", so Braga. Auch mit dem starken Anstieg der Wählerstimmen für die Linke habe er nicht gerechnet.

FDP-Generalsekretär: Kemmerich genießt weiterhin großes Vertrauen

Die Thüringer Liberalen nahmen die Umfrage-Ergebnisse zurückhaltend auf. FDP-Generalsekretär Robert-Martin Montag sagte, die mediale Situation und auch die Polarisierung habe das Ergebnis so erwarten lassen. Laut infratest-dimap liegt die FDP derzeit nur noch bei vier Prozent der Wählerstimmen. Bei einer Neuwahl würde sie damit den Wiedereinzug in den Landtag verpassen. Mit einem schlechteren Ergebnis habe er nicht gerechnet, so Montag. Die Wählerinnen und Wähler könnten sehr gut unterscheiden, ob jemand etwas nur für sich tue oder für das Land. Der Anspruch der FDP sei gewesen, mit Thomas Kemmerich ein Angebot aus der Mitte zu machen. Es sei letztendlich aber nicht möglich gewesen, dies umzusetzen.

Robert-Martin Montag
FDP-Generalsekretär Robert-Martin Montag Bildrechte: dpa

Die FDP setze jetzt darauf, dass Thüringen schnell wieder politisch handlungsfähig werde. Ministerpräsident Thomas Kemmerich genieße innerhalb der FDP in Thüringen weiterhin großes Vertrauen. Geschätzt werde vor allem seine demokratische Überzeugung und sein Einstehen für den Liberalismus.

Grüne in Thüringen nicht zufrieden, aber optimistisch

Thüringens Grünen-Landessprecher Bernhard Stengele äußerte sich trotz des schwachen Abschneidens seiner Partei optimistisch. Mit derzeit fünf Prozent seien die Grünen natürlich nicht zufrieden, sagte Stengele. Er sei aber überzeugt, dass es in den nächsten Wochen besser aussehen werde. Die Grünen stünden derzeit nicht im Fokus der Aufmerksamkeit.

Bernhard Stengele
Grünen-Landessprecher Bernhard Stengele Bildrechte: MDR/Bernhard Stengele

Stengele sprach sich zudem gegen schnelle Neuwahlen aus. Stattdessen brauche es eine stabile Regierung. Für Neuwahlen werde im Landtag zudem eine Zweidrittelmehrheit benötigt. Dafür werde auch die CDU gebraucht. Angesichts der aktuellen Umfragewerte könne die CDU daran kein Interesse haben. Stengele erklärte weiter, unter den CDU-Wählern gebe es offenbar noch so viele christliche Demokraten, die keine Nähe zur AfD haben wollten, und nun auf Bodo Ramelow von der Linken setzten.

Walk: CDU hat Fehler bei der Kommunikation gemacht

CDU-Generalsekretär Raymond Walk räumte angesichts der Umfrageergebnisse Fehler bei der Kommunikation ein. Dass die CDU in der Umfrage ihr Ergebnis auf 13 Prozent halbiert habe, sei unerfreulich. Klar sei aber auch, dass die CDU in der Öffentlichkeit als gesamtdeutsche Partei wahrgenommen werde. Und da sei die Performance nicht gut gewesen, sagte Walk. Als Beispiele nannte er eine fehlende Geschlossenheit der Fraktion und den Unvereinbarkeitsbeschluss, der die Zusammenarbeit mit Linken und AfD ausschließt. Die Außenwirkung sei derzeit offensichtlich nicht so, dass die Menschen sagen, wir können der CDU vertrauen.

Thüringer CDU-Landtagsabgeordneter Raymond Walk.
CDU-Generalsekretär Raymond Walk Bildrechte: Raymond Walk

Neuwahlen lehnte Walk weiter ab. Die Umfrageergebnisse zeigten, dass nicht mal ein Drittel die demokratische Mitte wählen würde. Außerdem müsse die Demokratie mit schwierigen Lagen umgehen können.

Tiefensee: Umfrage honoriert SPD-Position

Der Thüringer SPD-Chef Wolfgang Tiefensee sieht den Absturz der CDU in den neusten Umfrage-Ergebnissen nicht als Momentaufnahme. Das Vertrauen in die Partei sei schwer zerstört, sagte Tiefensee. Die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten sei kein Unfall gewesen, sondern ein geplanter Akt, der Folgen für ganz Deutschland hätte. 76 Prozent der Befragten in der Umfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN hatten angegeben, Thüringen hätte an Ansehen verloren. Dieser Ansehensverlust sei nicht leicht zu reparieren.

Wolfgang Tiefensee während eines Interviews.
Thüringer SPD-Chef Wolfgang Tiefensee Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass die SPD von Anfang an von einem "Dammbruch" gesprochen und er sich klar gegen Kemmerich positioniert habe, würde in der Umfrage honoriert. Seine Partei hätte souverän die eigene Politik verfolgt. Das sei auch ein Grund dafür, dass es die SPD geschafft habe, in der aktuellen Umfrage mit zehn Prozent wieder einen zweistelligen Wert zu erhalten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mis,mam

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 10. Februar 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2020, 10:26 Uhr

12 Kommentare

aus Elbflorenz vor 7 Wochen

Zitat 1: Wortgeklingel => darum ist Höcke weitgehend isoliert in der AfD
Zitat 2: Da hat Höcke recht. Die Erfahrungen aus Italien oder Österreich zeigen das Risiko und die Fragilität einer Koalition von Konservativen mit Mainstream-Parteien. Insofern wird eine Art geistig-moralische Wende oder Neujustierung in möglichst großen Teils des westlichen Mainstreams von Teilen der AfD und deren sog. Schwesteparteien erstrebt. Das ist kein AfD & Co-Spezifikum, sondern wird von allen politischen Richtungen (Thatcher, Reagan, Kohl: "geistig-moralische Wende" oder heutzutage "1968er", "Haltung") und anderen Interessengruppen so betrieben. Aber die Konservativen sagten in den frühen 1980ern und sagen heute klar, was sie wollen und wie sie dies erreichen wollen. Das ist transparent und fair.

JanoschausLE vor 8 Wochen

Ich habe das Buch auch nicht im Bücherregal, weil mir das volle Geld für "Schund-und Schmutzliteratur" zu schade ist, den sozial kleinen Betrag in der Bibliothek habe ich ausgegeben...
Aber mal ein Zitat :
"„Ein paar Korrekturen und Reförmchen werden nicht ausreichen, aber die deutsche Unbedingtheit wird der Garant dafür sein, dass wir die Sache gründlich und grundsätzlich anpacken werden. Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen, dann werden die Schutthalden der Moderne beseitigt.“(ewig gestrig)
"„Überlegung über ein Zusammengehen oder Koalieren mit Teilen des politischen Establishments setzt deren Läuterung und prinzipielle Neujustierung voraus. Das ist erst zu erwarten, wenn das Altparteienkartell unter der steigenden Krisenlast zerbrochen ist.“... Andere Parteien werden NUR akzeptiert, wenn sie so ticken, wie es die AfD will, also "BLOCKFLÖTEN" sind.Und, offenbar will die AfD solche "Krisenlasten" verursachen, ohne Rücksicht. Thuringen!!

JanoschausLE vor 8 Wochen

Vrenifossi, so ziemlich genau auf den Punkt gebracht... Putzig finde ich, wenn sich die AfD-Lemminge auf "gute" Umfragewerte berufen, die sich ja leider bei Wahlen auch soo bestätigen, sagen Umfragewerte aber was aus, was denen nicht gefällt, dann ist das plötzlich alles falsch... Und DER Braga kann den Absturz von CDU und FDP nicht verstehen? Das war doch nach dem missglückten AfD-Coup so sicher, wie das Amen in der Kirche. Ist der soweit weg von der Realität, von Realpolitik, hat der keinen Plan, wie das Volk denkt? Ok, das demokratische Volk. Ist der als Politiker, Voljsvetteternüberhaupt geeignet? Ich denke :NEIN

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