Bodo Ramelow Linke Ministerpräsident Thüringen
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bezeichnete die Idee einer Olympiabewerbung Thüringens bei Twitter als Scherz. Bildrechte: dpa

Von Verärgerung bis Zustimmung Reaktionen auf Olympia-Initiative aus Thüringen

Diese Idee spaltet Wintersport-Freunde: Die private Thüringer Initative für eine Olympia-Berwerbung, gemeinsam mit Sachsen und Bayern, hat für zahlreiche Reaktionen gesorgt.

Bodo Ramelow Linke Ministerpräsident Thüringen
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bezeichnete die Idee einer Olympiabewerbung Thüringens bei Twitter als Scherz. Bildrechte: dpa

Schnapsidee oder genialer Schachzug? Mit ihrer Vision von Olympischen Winterspielen 2030 in Thüringen, Sachsen und Bayern haben zwei Privatpersonen Verbände und Politik in Aufregung versetzt und ihnen Arbeit aufgehalst. Immerhin: Man redet darüber.

Ramelow spricht von Scherz

Thüringens Ministerpräsident hält den Vorstoß offenbar für einen Scherz. "Heute ist unstreitig der 19.11.2019 oder doch der 1. April? Es bleiben einfach Fragen über Fragen, aber mir geht Bob Dylan‘s Song durch den Kopf: "The answer, my friend, is blowin' in the wind The answer is blowin' in the wind!", schrieb Bodo Ramelow auf Twitter.

Gedämpfte Reaktion von Thüringer Sportminister

Thüringens Sportminister Helmut Holter (Linke) äußerte sich zurückhaltend zu einer möglichen Olympia-Bewerbung Thüringens. "Bei aller Euphorie sollten wir den zweiten Schritt nicht vor dem ersten gehen", hieß es in einer Presseerklärung am Dienstagmorgen. Aktuell konzentriere Thüringen sich auf die erfolgreiche Austragung der Doppel-WM in Biathlon und Rennrodeln im Jahr 2023.

Landessportbund Thüringen: Nicht allein Thüringer Angelegenheit

Der Landessportbund Thüringen hat die Pläne als falschen Vorstoß bezeichnet. "Die Bewertung der Chancen einer möglichen erfolgreichen Olympia-Bewerbung ist eine gesamtdeutsche und nicht allein eine Thüringer Angelegenheit", teilte LSB-Präsident Stefan Hügel am Dienstag mit. "Insofern stimmen wir mit dem DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann überein, der eine solche Initiative begrüßt hat, aber die Erfolgschancen einer möglichen Olympia-Bewerbung von Bayern, Sachsen und Thüringen zu gegebener Zeit prüfen möchte."

Hügel sieht den Freistaat bei winterlichen Großereignissen bereits gut aufgestellt und verweist auf die Doppel-Weltmeisterschaften 2023 im Biathlon und Rennrodeln in Oberhof.

Sachsens Sportminister reagiert zurückhaltend

Roland Wöller (CDU), Innenminister von Sachsen
Begeisterung sieht anders aus: Sachsens Sportminister Roland Wöller reagiert zurückhaltend. Bildrechte: dpa

Sachsens Sportminister Roland Wöller hat zurückhaltend auf die Vision von Olympischen Spielen 2030 in Thüringen, Sachsen und Bayern reagiert. Sachsen sei ein Sportland und habe mehrfach beweisen, herausragende Großsportveranstaltungen organisieren und durchführen zu können, sagte der CDU-Politiker.

"Ob daraus in absehbarer Zeit tatsächlich eine Olympiabewerbung Deutschlands entsteht, muss allerdings mit allen Partnern gemeinsam erörtert und geplant werden", betonte er.

Skepsis beim Olympischen Sportbund

Auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, äußerte sich eher skeptisch. Der Weg zu einer erfolgreichen Olympiabewerbung führe "in eine völlig andere Dimension der Anforderungen". Man werde das Konzept aber zu gegebener Zeit gerne sachgerecht prüfen.

Scharfe Kritik vom Bob- und Schlittenverband

Der Vorsitzende des Bob- und Schlittenverbands Deutschland, Thomas Schwab, kommentierte den Vorstoß der privaten Initiatoren mit folgenden Worten: "Es kann nicht sein, dass sich jeder, wie er will, für Olympia bewirbt". Der Vorstoß sei nicht mit den Wintersportverbänden und dem DOSB abgestimmt gewesen.

Überraschung in Bayern

Auch potentielle Partner in bayrischen Wintersportorten zeigten sich von den Vorschlägen überrascht. "Das ist doch lächerlich", sagte Vorstand Peter Fischer vom SC Garmisch, der für die Weltcupstrecken im Olympia-Ort von 1936 zuständig ist.

Auch die Verantwortlichen der Nürnberger Mehrzweckarena, in der laut Plan neben Berlin, Leipzig, Köln, Mannheim, Hannover und Düsseldorf Eishockey-Partien stattfinden sollen, wurden von den zwei Initiatoren nicht kontaktiert, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte.

Jens Weißflog spricht von traumhafter Idee

Neben der Kritik von den überrumpelten Verbänden gibt es positive Stimmen. "Die Idee ist traumhaft. Sie ist zu schön, um wahr zu werden. Doch wer keine großen Ziele hat, kann nicht gewinnen", sagte Skisprung-Idol Jens Weißflog.

Positive Reaktionen aus Wintersport-Orten

Die Bürgermeister von Schmalkalden, Oberhof und Altenberg begrüßten den Vorstoß ausdrücklich.

Ex-Bundestrainer betont Wintersport-Tradition

Der frühere Biathlon- und Langlauf-Bundestrainer Frank Ullrich meinte: "Der Wintersport hat in Thüringen und Sachsen eine lange Tradition und ich bin sicher, dass wir uns hier, an jenen Orten, die auf der Welt großes Ansehen genießen und die zurecht als Wiege großer sportlicher Erfolge gelten, als perfekte, faire und freundliche Gastgeber präsentieren werden."

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. November 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 15:47 Uhr

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