Der Redakteur | 16.09.2020 Linie 300 im Ilm-Kreis: Überfüllte Schulbusse trotz Corona?

Mich beschäftigt oder wundert es, dass die Kinder im Ilmkreis auf der Strecke Stützerbach/Manebach nach Ilmenau in überfüllten Schulbussen fahren müssen, wo jegliche momentane Hygienevorschriften definitiv nicht greifen können. Vielleicht gibt es ja eine einfache Erklärung dafür?

Schülerin trägt einen Mund-Nasen-Schutz im Schulbus.
Die Linie 300 im Ilm-Kreis ist morgens stark ausgelastet. Bildrechte: imago images/Becker&Bredel

Es geht um die Buslinie 300 im Ilm-Kreis, die zwischen Suhl beziehungsweise Frauenwald und Ilmenau verkehrt. Das bedeutet: Wir sind im "normalen" Linienbetrieb unterwegs. Die vermeintlichen Schulbusse zwischen Stützerbach/Manebach und Ilmenau können von jedermann benutzt werden. In den Ferien ist das Netz etwas ausgedünnt. Wenn Schule ist, dann fahren mitunter drei Busse fast im Konvoi.

Der erste Bus, der 7:06 Uhr ab Manebach/Bahnhofsstraße fährt, ist im Regelfall recht voll und die zwei anderen, die 7:13 Uhr beziehungsweise 7:26 Uhr fahren, sind weniger gefüllt.

Sarah Höring, Prokuristin und Betriebsleiterin Fahrdienst IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau

Schüler sollen sich besser verteilen

Dass Schüler verstärkt den ersten Bus nutzen, klingt löblich, ist aber nicht so gedacht gewesen. Der Verkehrsgesellschaft ist das Problem auch schon aufgefallen - und man hat auch diesbezüglich bereits Kontakt zu den Schulen aufgenommen.

Man will erreichen, dass sich die Schüler besser verteilen. Zum Beispiel könnten die Grundschüler den Bus um 7:26 Uhr nehmen und kommen immer noch rechtzeitig zum Unterricht.

280 Plätze stehen in den drei Bussen zur Verfügung, davon - in Abhängigkeit vom Bustyp - bis zu 150 Sitzplätze, bei 187 gemeldeten Schülern entsteht eine auf den ersten Blick nicht allzu schwer lösbare Sachaufgabe: "Wie viele Schüler müssen stehen?"

Ein Mikrofon mit Plastikschutz vor Coronaviren auf einer Pressekonferenz. 12 min
Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Nun ist es aber so, dass durchaus Busse im Einsatz sind, die nur 38 Sitzplätze haben, da müssten wir neu rechnen, dann sind noch - wenn auch wenige - andere Fahrgäste im Bus und schon haben wir eine Rechnung mit vielen Unbekannten.

Jetzt könnten wir wieder in die Schulbusdiskussion einsteigen mit der Fragestellung, warum schaffen wir es nicht, "richtige" Schulbusse anzuschaffen, in denen wie in Amerika jeder Schüler "seinen" Sitzplatz hat, nebst Anschnallgurt. Diese Diskussion hilft aber im aktuellen Fall auf der Strecke Manebach-Ilmenau nicht wirklich.

Was helfen könnte - neben einer besseren Verteilung der Schüler auf die drei morgendlichen Busse - ist die Zeit.

Wir haben die Beobachtung gemacht, dass es sich zum Schuljahresbeginn in der dritten und vieren Schulwoche abschwächt.

Sarah Höring, Prokuristin und Betriebsleiterin Fahrdienst IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau

Geringe Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen?

Bedeutet: Ausfallstunden, Moped-Führerschein, Wandertage, Exkursionen, Nase voll vom Busfahren - niemand kennt die genauen Gründe dafür, dass sich die Lage erfahrungsgemäß zumindest etwas entspannt.

Nach den Oktoberferien steht dann kaum noch jemand, so Sarah Höring vom IOV. Somit sieht sie keine Notwendigkeit, sich für einen weiteren Bus stark zu machen. Das wäre letztlich ohnehin nicht die Entscheidung des Busunternehmens, sondern des Landkreises.

Nun bezieht sich die Frage von Marco Koch auch auf die engen Platzverhältnisse im vollen Bus zu Corona-Zeiten. Hier ist der Hinweis auf die Regel - Abstand oder Mundnasenbedeckung - sicher nur ein schwacher Trost. Denn die beste Prävention wäre es, wenn im Bus beides umgesetzt werden könnte.

Ein Bus und Autos fahren aus Apolda kommend in Richtung Jena.
Der Omnibusverkehr GmbH Ilmenau sieht keine Notwendigkeit, sich für einen weiteren Bus stark zu machen (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Corona: Die Frage nach der Infektionsgefahr

Tröstend ist, dass der ÖPNV bisher nicht als Verbreitungsort auffällig geworden ist, wie Wissenschaftler festgestellt haben. Der Virologe Hendrik Streeck sieht diesen auch nicht als die größte Gefahrenquelle an, es sei denn, die Luft steht.

Die Gründe für den fehlenden Virenaustausch mögen vielfältig sein, zum Beispiel neigen wir zum Schweigen im ÖPNV, stehen oft Rücken an Rücken. Trotzdem ist natürlich die Frage erlaubt, warum man nicht wenigstens versucht, durch den Einsatz von mehr Bussen einen größeren oder gar den empfohlenen Abstand von 1,50 Meter hinzubekommen.

Doch hier stoßen wir sehr schnell an die Grenzen der Möglichkeiten, die Busunternehmen oder der ÖPNV haben.

Beim Schülerverkehr haben wir morgens und nachmittags die Spitzen, wo die Auslastung am höchsten ist. Für unser Unternehmen bedeutet das, es sind alle Busse im Umlauf.

Sarah Höring, Prokuristin und Betriebsleiterin Fahrdienst IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau

Abstandsregel: Maximal zwölf Fahrgäste pro Bus

Man müsste also zusätzliche Busse anschaffen (nebst Fahrern), die so lange gebraucht werden, bis es einen Impfstoff gibt.

Das ist keine nachhaltige Idee und auch das Einhalten der Abstände in Schulbussen ist eine gut gemeinte, aber nicht umsetzbare Anregung. Die Kollegen von IOV haben das einmal ausgerechnet.

Zwölf Fahrgäste hätten dann Platz in einem solchen Bus. Man bräuchte also - das ist die Hochrechnung - drei bis vier Mal so viele Fahrzeuge. Und das auch wieder nur, um die kurzen Spitzenzeiten abzufangen. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 16. September 2020 | 16:40 Uhr

1 Kommentar

Matthi vor 3 Tagen

Ich kenne den Schüler Transport aus eigener Erfahrung zu DDR Zeiten da war es auch immer wie Ölsardine zum Glück mussten das die Grundschüler nicht mitmachen da es in vielen Gemeinden Grundschulen gab. Ich finde es beschämend das für Schüler in diesem ach so reichen Land kein Geld da ist für einen sicheren Transport. Wenn ich in meinem Auto mein Kind mitnehmen möchte gibt mir der Gesetzgeber klare Vorgaben die bei Nichteinhaltung Sanktioniert werden und im Bus Zählt das nicht, in Jedem Reisebus müssen Sicherheitsgurte sein und benutzt werden Stehplätze sind nicht zulässig. Die Landkreise die sowas zulassen argumentieren zu hohe kosten und das Sie kein Geld haben aber gerade jetzt diskutieren diese Landkreise zusätzlich Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen da ist dann Geld da oder kosten diese Menschen nichts das soll der normal Bürger verstehen.