Thüringen Regierung fehlt: Diese Menschen tragen jetzt Verantwortung

Thüringen erlebt turbulente Zeiten. Das Chaos um die Ministerpräsidentenwahl und der angekündigte Rückzug von Thomas Kemmerich lähmen die Landespolitik, die Ministerien haben ihre Führung verloren. Nun liegt die Verantwortung bei zwölf Frauen und Männern.

von Michael Frömmert

Ein Polizeiwagen steht vor der Erfurter Staatskanzlei.
Die Staatskanzlei in Erfurt: In Thüringen besteht die Regierung derzeit nur aus Thomas Kemmerich. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Nach der umstrittenen Wahl Thomas Kemmerichs (FDP) zum Ministerpräsidenten ist Thüringen de facto regierungslos. Mit der Ablösung Bodo Ramelows (Linke) endete auch die Amtszeit aller Minister. Kemmerich ist damit das einzige Regierungsmitglied. Neue Projekte werden angesichts der unklaren politischen Lage in den Ministerien zwar nicht angestoßen, dennoch müssen weiterhin grundsätzliche Aufgaben erfüllt werden. Die Verantwortung dafür übernehmen die Staatssekretäre.

Die höchsten Beamten im Freistaat sind die Amtschefs der Ministerien oder erfüllen Sonderaufgaben in der Regierung. Sie koordinieren beispielsweise die Arbeit der verschiedenen Referate, sind für die Umsetzung von Themen und für das Personal zuständig. In Thüringen gibt es derzeit vier Staatssekretärinnen und acht Staatssekretäre. Hier stellen wir sie vor.

Babette Winter (Staatskanzlei)

Babette Winter
Babette Winter, Staatssekretärin für Kultur und Europa in der Staatskanzlei Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Babette Winter ist seit Ende 2014 Staatssekretärin in der Staatskanzlei und dort für die Themen Kultur und Europa zuständig. Winter wurde 1964 in Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen) geboren, promovierte 1991 als Chemikerin in Münster. Nach Stationen in Essen und Brüssel kam die SPD-Politikerin 2012 nach Thüringen, wo sie Referatsleiterin im Umweltministerium wurde.

Malte Krückels (Staatskanzlei)

Malte Krückels
Malte Krückels, Staatssekretär in der Staatskanzlei Bildrechte: dpa

Malte Krückels ist ein weiterer Staatssekretär in der Erfurter Staatskanzlei, er kümmert sich um den Bereich Medien und ist außerem Bevollmächtigter des Freistaats beim Bund. Geboren wurde Krückels 1968 in Berlin. Vor seiner Zeit in Thüringen war er Referent der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus der Bundeshauptstadt.

Gabi Ohler (Bildungsministerium)

Helmut Holter, Gabi Ohler, Bodo Ramelow und Dieter Eckert
Gabi Ohler, Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Sport, hier mit Dieter Eckert, Bodo Ramelow und Helmut Holter (von links nach rechts). Bildrechte: dpa

Gabi Ohler - geboren 1962 - stammt aus Mainz. 1999 wurde sie Referentin der PDS im Bundestag, 2004 kam sie nach Thüringen und wurde wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linksfraktion im Landtag. Seit Dezember 2014 ist sie Staatssekretärin im Thüringer Bildungsministerium.

Udo Götze (Innenministerium)

Udo Götze (SPD), Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales
Udo Götze, Staatssekretär im Innenministerium Bildrechte: dpa

Der gebürtige Dresdner - Jahrgang 1969 - Udo Götze ist studierter Jurist. Zwischen 2002 und 2007 arbeitete er bereits im Thüringer Innenministerium. Später leitete er das Ordnungs- und das Bürgeramt in Erfurt, in der Landeshauptstadt wurde er schließlich auch Beigeordneter für Bürgerservice und Sicherheit. Danach wechselte er als Staatssekretär ins Innenministerium.

Uwe Höhn (Innenministerium)

Uwe Höhn
Uwe Höhn, Staatssekretär "Modernes Thüringen" im Ministerium für Inneres und Kommunales Bildrechte: MDR/ Holger John

Reformen auf kommunaler Ebene soll Uwe Höhn vorantreiben: Er wurde 2017 zum Staatssekretär "Modernes Thüringen" ernannt, die Gemeindereform stand beispielsweise auf seiner Agenda. Zuvor stand er unter anderem der SPD-Landtagsfraktion vor, war Wirtschaftsminister und Landtagsvizepräsident. Höhn wurde 1958 in Schwarzbach (Kreis Hildburghausen) geboren und war in der Gemeinde in den 1990er-Jahren auch Bürgermeister.

Sebastian von Ammon (Justizministerium)

Sebastian Erhard von Ammon Staatssekretär Justizministerium
Sebastian von Ammon, Staatssekretär im Justizministerium Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Sebastian von Ammon stammt vom Tegernsee (*1968). Nach seinem Jura-Studium in München kam er 1996 nach Thüringen, wo er an verschiedenen Gerichten tätig war. Über die Stationen Regierungsdirektor und Ministerialrat wurde er 2017 Staatssekretär im Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz.

Hartmut Schubert (Finanzministerium)

Porträt Staatssekretär Dr. Hartmut Schubert
Finanzstaatssekretär Hartmut Schubert Bildrechte: Hartmut Schubert

Hartmut Schubert (*1960) stammt aus Altenburg. Nach seinem Chemie-Studium in Leipzig kehrte er als Umweltdezernent in Schmölln nach Thüringen zurück. 2004 wurde er Landtagsabgeordneter der SPD, 2009 Staatssekretär im Sozialministerium und 2014 im Finanzministerium. Seit 2018 ist er zudem WM- und Oberhofbeauftragter der Landesregierung.

Markus Hoppe (Wissenschaftsministerium)

Markus Hoppe, Staatssekretär im Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft
Markus Hoppe, Staatssekretär für Wissenschaft und Hochschulen Bildrechte: imago/Jacob Schröter

Markus Hoppe (SPD) hat Regierungserfahrung seit Ende der 1990er-Jahre. Unter anderem war er persönlicher Referent des damaligen Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzlers Gerhard Schröder in Niedersachsen. Von 2004 bis 2014 war Hoppe Vizepräsident der Georg-August-Universität Göttingen. Danach wechselte er als Staatssekretär ins Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, seine Schwerpunkte liegen auf den Themen Wissenschaft und Hochschule. Der Diplom-Kaufmann wurde 1966 in Göttingen geboren.

Valentina Kerst (Wirtschaftsministerium)

Valentina Kerst, Staatssekretärin im Thüringer Wirtschaftsministerium
Valentina Kerst, Staatssekretärin für Wirtschaft und Digitale Gesellschaft Bildrechte: Valentina Kerst/Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft

Neben Hoppe ist auch Valentina Kerst Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. Sie bearbeitet die Bereiche Wirtschaft und Digitale Gesellschaft. 1979 in Köln geboren, erhielt sie in der Stadt am Rhein auch ihr Diplom als Betriebswirtin. Später arbeitete sie als Dozentin und Referentin, außerdem beriet sie Unternehmen und politische Akteure - darunter die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Ines Feierabend (Sozialministerium)

Ines Feierabend, Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
Ines Feierabend, Staatssekretärin im Arbeits- und Sozialministerium Bildrechte: imago/pictureteam

Ines Feierabend wurde 1965 in Erfurt geboren und studierte in den 1980er-Jahren Pädagogik in Meiningen. 1988 ging sie nach Berlin und wurde dort später Mitarbeiterin im Bezirksamt Marzahn. Weitere Stationen in Berlin waren die Sozialamtsleitung sowie Referentin einer Stadträtin und einer Staatssekretärin. Diese Position hat sie selbst in Thüringen seit 2014 inne - im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie.

Olaf Möller (Umweltministerium)

Olaf Möller
Olaf Möller, Staatssekretär im Umweltministerium Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der gebürtige Mühlhäuser Olaf Möller (*1962) hat in den 1980er-Jahren Mathematik, theoretischen Physik und Anthropologie in Jena studiert. Politisch tritt er 1990 als Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen in Erscheinung, später wurde er Landessprecher der Partei. Zwischen 2000 und 2014 war er Geschäftsführer des Vereins Waldorfpädagogik Ostthüringen, parallel dazu auch Bio-Landwirt. Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz ist er seit Dezember 2014.

Klaus Sühl (Landwirtschaftsministerium)

Klaus Sühl
Klaus Sühl, Staatssekretär für Infrastruktur und Landwirtschaft Bildrechte: dpa

Klaus Sühl stammt aus Eddelstorf in Niedersachsen. Dort wurde er 1951 geboren. In Berlin studierte er später Politische Wissenschaften. 2001 wurde er zum Staatssekretär im Arbeitsministerium in Mecklenburg-Vorpommern, sechs Jahre später zum Geschäftsführer der Linksfraktion im Sächsischen Landtag. Über eine Referatsleiterstelle in Brandenburg und die Büroleitung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Brüssel führte sein Weg schließlich nach Thüringen - als Staatssekretär ins Infrastruktur- und Landwirtschaftsministerium.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Februar 2020 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2020, 17:47 Uhr

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