Stadt-Land-Unterschiede Der Wohnort entscheidet, wie viel das Gehalt wert ist

Dass in München höhere Gehälter gezahlt werden als in Meuselwitz lässt sich statistisch genauso belegen wie die Tatsache, dass in München deutlich höhere Mieten zu bezahlen sind. Doch welcher Faktor wirkt sich mehr auf das aus, was am Monatsende bei jedem Einzelnen im Portemonnaie landet?

Grafik mit der Landkarte Thüringens und Daten zum regionalen Preisindex
Hohes Gehalt, hohe Ausgaben: In den Städten wird zwar mehr verdient, doch auch die Wohnkosten sind deutlich höher als auf dem Land. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Wie viel Geld verdiene ich? Was muss ich alles davon bezahlen? Und was habe ich danach dann noch übrig? Eine Frage, die Menschen in ihrem Berufsleben ständig begleitet - egal ob in München oder Meuselwitz. Und jeder hat eine andere Antwort auf die Frage. Um dennoch allgemeine Aussagen darüber treffen zu können, wie viel Geld Beschäftigte in einer Region verdienen und welche Ausgaben sie davon zu bestreiten haben, haben Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Uni Trier erstmals für alle Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands einen regionalen Preisindex entwickelt.

Vereinfacht gesagt kann mit diesem Index verglichen werden, wie Einnahmen (Gehälter) und Ausgaben (Kosten für u.a. Miete und Nahrungsmittel) je nach Region das verfügbare Einkommen der Einwohner beeinflussen. Dafür haben die Forscher rund 365.000 Preis- und Mietangaben analysiert.

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Aus den jüngsten Forschungsergebnissen werden dabei vor allem Unterschiede zwischen den Städten und den ländlichen Gebieten deutlich. So verdienen Vollzeitbeschäftigte in Ostdeutschlands Großstädten pro Tag (Tagesentgelt) laut IAB durchschnittlich 97 Euro, auf dem Land sind es dagegen nur 79 Euro.

Dabei handelt es sich um sogenannte Nominallöhne - also das Gehalt, was vom Arbeitgeber ausgezahlt wird. Diese Werte haben die Forscher "preisbereinigt", also mit den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort - unter anderem den Wohn- und Lebensmittelpreisen - abgeglichen. Daraus ergeben sich dann die Reallöhne, also das Verhältnis zwischen dem Nominallohn und den Preisen, die vor Ort für Wohnen und Leben bezahlt werden müssen.

In Ostdeutschland fällt dabei auf, dass die preisbereinigten Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land etwas geringer ausfallen, als der Vergleich der Nominallöhne:

Vergleich der Tagesentgelte in Ostdeutschland
  Nominallohn Reallohn
Städte über 100.000 Einwohner 97 € 97 €
Städte unter 100.000 Einwohner 79 € 83 €
ländliche Gebiete 79 € 82 €

Das bedeutet: Auf dem Land verdient man weniger, aber von diesem Gehalt bleibt nach Abzug der Lebenshaltungskosten anteilig mehr übrig als in der Stadt. Für die Landbevölkerung ist das allerdings nur ein kleiner Trost, denn unterm Strich haben sie dennoch weniger Einkommen zur Verfügung.

Ost-West-Gefälle bleibt

Ein weiteres Forschungsergebnis: Die Lohnunterschiede zwischen Ost und West bleiben auch dann klar sichtbar, wenn der jeweils errechnete regionale Preisindex miteingerechnet wurde. Zwar sind in den alten Bundesländern - gerade in den Städten und Großstädten - die Wohnkosten deutlich höher als hierzulande, die Gehälter aber auch. Und auch wenn insbesondere die Wohnkosten die Reallöhne maßgeblich beeinflussen, liegen diese in Westdeutschland immer noch durchschnittlich 20 Prozent über denen von Ostdeutschland.

Aus Sicht der Forscher ist der regionale Preisindex eine wichtige Kenngröße, um innerhalb Deutschlands verschiedene Regionen hinsichtlich des Einkommens der dort lebenden Menschen besser zu vergleichen. Denn nur zu wissen, was die Arbeitgeber bezahlen (Nominallohn), reiche ihrer Meinung nach nicht aus. Wichtig sei es, wie viel dieses Gehalt aufgrund der vor Ort herrschenden Preise für Wohnen und Leben wirklich wert ist.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 15:39 Uhr

1 Kommentar

kleinerfrontkaempfer vor 4 Wochen

Unterm Strich hat man auch weniger Rente, Krankengeld, ALO-Geld. Unterm Strich hat man einen Mehraufwand für Logistik und Transport,.........
Alles in allem taugt so eine Studie für das Archiv oder eine Promotion eines IAB Mitarbeiters.

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