Disponenten in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Jena.
Disponenten in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Jena. Bildrechte: MDR/Oliver Gussor

Sechs statt 13 Thüringen will Zahl der Rettungsleitstellen deutlich reduzieren

13 Rettungsleitstellen gibt es gegenwärtig in Thüringen. Zu viele, weil zu teuer, bemängeln vor allem Krankenkassen. Das Innenministerium legt jetzt einen Plan vor, der auch die Landkreise besänftigen soll.

Disponenten in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Jena.
Disponenten in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Jena. Bildrechte: MDR/Oliver Gussor

Die Zahl der Rettungsleitstellen im Freistaat soll deutlich reduziert werden. Das schlägt das Thüringer Innenministerium vor. Die Pläne sehen vor, dass es künftig im Freistaat nur noch sechs statt 13 Leitstellen geben soll. Das Ministerium stellte das Konzept am Freitag in Weimar den Landkreisen, Rettungsverbänden und Krankenkassen vor.

Demnach soll es in Ostthüringen zwei Leitstellen geben. Jeweils eine Leitstelle ist für den Norden, Westen, Süden und für Mittelthüringen vorgesehen. Neue Standorte soll es nicht geben, vielmehr sollen bestehende Leitstellen für mehr Menschen zuständig sein.

Näheres zu den Regionen

Rettungshubschrauber, Krankenwagen, Feuerwehr und Einsatzekräfte.
Geht in der Rettungsleitstelle ein Notruf ein, kann auch die Luftrettung angefordert werden. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

In Nordthüringen sollen alle 112-Notrufe in Nordhausen auflaufen, in der Mitte in Erfurt und im Süden in Zella-Mehlis. In Ostthüringen sollen Jena und Gera erhalten bleiben und zusätzlich für das gesamte Thüringer Rettungswesen Ausbildungs- und Testaufgaben übernehmen. Für den Westthüringer Standort gibt das Land keine Empfehlung ab. Darauf sollen sich der Wartburgkreis, der Kreis Gotha, der Ilm-Kreis und die Stadt Eisenach verständigen.

Für die Rettungsleitstellen in Thüringen sind Kreise und kreisfreie Städte zuständig. Bisher gibt es in Thüringen 13 Einrichtungen. Die seien aber zu teuer, erklärten vor allem Krankenkassen. Sie tragen einen Teil der Kosten für die Leitstellen.

Kritik der Kommunen

Das Innenministerium hatte daher vergangenen Sommer vorgeschlagen, die Zahl der Leitstellen auf vier zu reduzieren. Das hatten aber die Landkreise heftig kritisiert. Sie wollen, dass bei der Fusion von Leitstellen die Interessen und Wünsche der Kreise berücksichtigt werden.

Diese Kritik hat das Innenministerium nun offenbar im neuen Konzept berücksichtigt und einen Kompromissvorschlag erarbeitet. In Thüringen wird bereits in verschiedenen Regionen über den Zusammenschluss von Leitstellen diskutiert. Unter anderem wollen die Städte Gera und Jena zusammenarbeiten.

Karte Rettungsleitstellen Thüringen
Vorgeschlagene Standorte der Rettungsleitstellen in Thüringen Bildrechte: MDR/Mitteldeutscher Rundfunk

Bildung von Zweckverbänden nötig

Laut Innenstaatssekretär Udo Götze ist der Vorschlag des Innenministeriums von der überwiegenden Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte positiv aufgenommen worden. Nach den jetzigen Plänen sollen sich in Mittelthüringen Erfurt, Weimar und der Kreis Sömmerda zu einem Verband zusammenschließen.
Im Süden kommen dafür die Kreise Hildburghausen, Sonneberg, Schmalkalden-Meiningen und die Stadt Suhl in Frage.
Im Osten sollen dem Konzept des Innenministeriums zufolge die Städte Jena und Gera und die Kreise Saale-Orla, Greiz, Altenburger Land, Saale-Holzland und Saalfeld-Rudolstadt einen Verband bilden.
Im Westen sind Eisenach und die Kreise Wartburg, Gotha und Ilm-Kreis mögliche Kandidaten.
Im Norden haben laut Götze bisher nur die Kreise Nordhausen und Kyffhäuser signalisiert, einen Zweckverband gründen zu wollen. Die Kreise Eichsfeld und Unstrut-Hainich seien noch nicht bereit, in einer größeren Struktur mit zu arbeiten. Auch der Kreis Weimarer Land zögert noch, sich an einem Zweckverband in Mittelthüringen zu beteiligen. Nach Angaben von Landrätin Christiane Schmidt-Rose (CDU) sollen hier noch Gespräche im Kreistag geführt werden.

Land will neue Strukturen finanziell unterstützen

Laut Staatssekretär Götze plant die Landesregierung, den Bau und die technische Ausrüstung der neuen Leitstellen mit 70 Prozent der Kosten fördern. Die noch zögerlichen Landkreise wolle man mitnehmen und mit ihnen zum Beispiel gemeinsam die neue Technik beschaffen, so Götze. "Landesfördermittel gibt es aber nur für die, die sich an der neuen Leitstellenstruktur beteiligen", machte der Staatssekretär klar. Landkreise, die sich nicht einem Verbund beteiligten, sind seiner Ansicht perspektivisch nicht in der Lage, technisch den Anschluss zu halten. Nach Angaben von Götze braucht Thüringen dringend Leitstellen, die technisch einheitlich ausgerüstet sind und sich gegenseitig ersetzen können, wenn eine Leitstelle etwa wegen technischer Probleme nicht mehr erreichbar ist. "Wir können es uns nicht leisten, dass eine Rettungsleitstelle ausfällt und dann ganze Gebiete nicht mehr versorgt werden können. Das müssen wir unbedingt vermeiden", so Götze.

Feuerwehrmänner in voller Montur bei einer Unfall-Übung auf dem Hof der Feuerwache.
Auch die Weimarer Feuerwehr, hier bei einer Übung, würde nach den Plänen des Innenministeriums von der Leitstelle Erfurt aus koordiniert (Archivbild). Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Lob vom Thüringer Feuerwehrverband

Der Thüringer Feuerwehrverband lobte das neue Landeskonzept für ein Leitstellensystem. Der stellvertretende Verbandschef Tobias Bauer sagte, in dem Vorschlag seien vernünftige Strukturen vorgesehen. Es sei gut, dass nun Dynamik in den Reformprozess komme. Laut Bauer ist vor allem wichtig, dass künftig die Feuerwehren und die Leitstellen über die gleiche Kommunikationstechnik verfügen. Gerade in den Leitstellen seien hier hohe Investitionen nötig.

Gothas Landrat Onno Eckert (SPD) sagte, wichtig seien tragfähige Strukturen. Der jetzt vom Land vorgeschlagene Westthüringer Zweckverband sei deckungsgleich mit den Wünschen der Westthüringer Kommunen. Robert Büssow von der Landesvertretung der Barmer Ersatzkasse begrüßte das Landeskonzept ebenfalls. Büssow sagte, nach Ansicht der Krankenkassen wären vier bis fünf Leitstellen in Thüringen nötig. Er hoffe, dass sich auch die bisher noch zögerlichen Landkreise an der Reform beteiligten.

Begriff Rettungsleitstelle Eine Leitstelle nimmt auf Landesebene Notrufe entgegen und wertet diese aus.

Je nach Umfang des Einsatzes und Dringlichkeit werden die notwendigen Blaulichtorganisationen alarmiert und koordiniert.

Rettungsleitstellen sind Bindeglied zwischen den Einsatzkräften und dem Anrufer, da sie Informationen beiderseitig weitergeben.

Für die Rettungsleitstellen in Thüringen sind Kreise und kreisfreie Städte zuständig. Finanziert werden sie gemeinsam von den Kommunen und den Krankenkassen. Vor allem die Krankenkassen beklagen allerdings, dass die Kosten für die Leitstellen seit Jahren ständig steigen. Sie fordern daher eine Reduzierung der Leitstellenzahl.

Ein erstes Konzept des Landes aus dem Sommer 2018 hatten die Landkreise abgelehnt, weil nur noch vier Leitstellen vorgesehen waren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Februar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 21:11 Uhr

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20 Kommentare

24.02.2019 12:24 Nemer 20

Das gleich wieder ein Gezeter der Kleinkarierten beginnt, ist logisch. Das sind doch die gleichen Leute, die jegliche Gebiets- und Verwaltungsreform verdammen.
Interessant ist doch, wie das in anderen Bundesländern funktioniert, egal was die ewigen Nörgler und Meckerer sagen.

23.02.2019 11:23 part 19

Thüringer Allgemeine- Odyssee am Notruftelefon, lautet der Artikel der jetzt schon beschreibt, wie es in Zukunft vermehrt im Freistaat aussehen könnte. Wo angeblich jede Minute fehlt darf nicht noch mit der Gesundheit und dem Leben von Hilfebedürftigen spekuliert werden.

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