Feuerwehr und Rettungsdienst Land einig mit Kommunen: Aus 13 Leitstellen werden neun

Nach jahrelanger Diskussion steht die neue Struktur der regionalen Rettungsleitstellen in Thüringen: Statt 13 soll es in Zukunft nur noch neun 112-Notrufzentralen geben. Drei Kreise machen die Zentralisierung nicht mit.

Rettungsleitstelle Nordhausen
Blick in die Rettungsleitstelle in Nordhausen Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

In Thüringen sollen in Zukunft weniger regionale Leitstellen Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst koordinieren. Das Innenministerium und Vertreter von 20 der 23 Kreise und kreisfreien Städte haben dazu am Montag eine Vereinbarung unterschrieben, die sechs "Regionalleitstellen" vorsieht. Die beteiligten Kommunen sichern sich damit für anstehende Modernisierungen Fördermittel des Landes, das mit Zuschüssen in Höhe von 50 Millionen Euro kalkuliert. Außerdem soll die neue, schlankere Struktur helfen, Fachpersonal für die Leitstellen zu finden.

Drei Thüringer Kreise - das Weimarer Land, der Unstrut-Hainich- und der Eichsfeldkreis - behalten ihre eigene Leitstelle bei. Die Modernisierung müssen diese Kreise dann ohne Landesförderung stemmen. Trotzdem lohne sich der Anschluss an eine große Leitstelle für den Kreis Weimarer Land nicht, sagt dessen Landrätin Christiane Schmidt-Rose. Es sei günstiger, die eigene Leitstelle im Kreis zu modernisieren. Außerdem könne eine kleine Leitstelle besser für die Sicherheit der Bürger sorgen. Laut Schmidt-Rose muss auch noch abgewartet werden, ob die neue Leitstellen-Struktur tatsächlich im Jahr 2027 funktioniert. Bisher gibt es in Thüringen 13 Leitstellen, in denen 112-Notrufe auflaufen.

Ziel der Vereinbarung ist der Neu- bzw. Ausbau von Regionalleitstellen an den Standorten Erfurt, Gera, Jena, Nordhausen und Zella-Mehlis sowie ein noch im Gebiet des zu gründenden Rettungsdienstzweckverbands Westthüringen zu bestimmender Standort.

aus der Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Innenministerium und den Landräten und Oberbürgermeistern von 20 der 23 Kreise und kreisfreien Städte in Thüringen

Land will Technik zentral ausschreiben

Die Vereinbarung sieht vor, dass das Land neue Technik für die geförderten "Regionalleitstellen" zentral ausschreibt. Sie sollen zudem so miteinander vernetzt werden, dass bei Technik-Ausfällen eine Leitstelle die Aufgaben einer anderen mit übernehmen kann.

Welche Leitstellen in Thüringen wegfallen sollen

Wird die Vereinbarung umgesetzt, würden zwei Leitstellen in Westthüringen sowie jeweils eine in Ost- und in Südthüringen geschlossen. In Westthüringen haben sich der Wartburgkreis, der Kreis Gotha, der Ilm-Kreis und die Stadt Eisenach zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Leitstelle zu betreiben. Eine Sprecherin des Kreises Gotha sagte am Montag, der beste Standort dafür werde noch gesucht, zumal voraussichtlich neu gebaut werden müsse. Bisher gibt es in den Kreisen Leitstellen in Gotha, Eisenach und Arnstadt.

In Südthüringen steht damit die Leitstelle Meiningen des Kreises Schmalkalden-Meiningen zur Disposition. Ein Sprecher sagte am Montag, der Kreis sei offen dafür, die Notruf-Aufgabe von der Leitstelle Zella-Mehlis mit erledigen zu lassen. In Ostthüringen geht zum Jahresende die Leitstelle Saalfeld außer Betrieb; die Notrufe gehen dann in Jena ein. Der Saale-Orla-Kreis, für den Saalfeld bisher mit zuständig war, war zum 1. Juli nach Gera gewechselt.

Erfurts OB Bausewein: Müssen voraussichtlich neu bauen

Auch Weimar lässt sich künftig von einer anderen Leitstelle betreuen als bisher: Statt in Jena sollen 112-Notrufe aus der Stadt künftig in Erfurt bearbeitet werden, wo die Disponenten bisher die Stadt Erfurt und den Kreis Sömmerda betreuen. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) sagte am Montag, er gehe davon aus, dass eine neue Leitstelle errichtet werden müsse. Trotz Förderung müsse Erfurt dafür eine zweistellige Millionensumme aufbringen.

Der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) unterzeichnet ein Dokument.
Der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) bei der Vertragsunterzeichnung. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Damit können die Thüringer Kommunen voraussichtlich eine deutlich kleinteiligere Leitstellen-Struktur durchsetzen als es das Land angestrebt hat: Im Sommer 2018 hatte das Innenministerium ein Gutachten vorgelegt, wonach die Zahl der Leitstellen von 13 auf vier reduziert werden soll. Zwischenzeitlich war dann von thüringenweit sechs Leitstellen die Rede. Bereits zum Jahreswechsel 2019/2020 hatte Innenstaatssekretär Udo Götze jedoch davon gesprochen, dass möglicherweise neun Leitstellen erhalten bleiben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Juli 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Elke vor 5 Wochen

Geld regiert die Welt, leider auch in dieser für die Feuerwehren und das Rettungswesen wichtigen Angelegenheit.

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