Stephanie Erben
Stephanie Erben ist Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Thüringen. Bildrechte: dpa

Nach der Landtagswahl Thüringer Grünen-Chefin weist Kritikpapier nach Wahlschlappe zurück

Die Thüringer Grünen wollen den Konflikt beilegen, der sich nach dem schwachen Ergebnis bei der Landtagswahl aufgetan hat. Einig sind sich alle in einem: Es sollen mehr Wähler im ländlichen Raum gewonnen werden.

Stephanie Erben
Stephanie Erben ist Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Thüringen. Bildrechte: dpa

Die Thüringer Grünen-Chefin Stephanie Erben hat das Kritikpapier prominenter Parteimitglieder nach der Wahlschlappe zurückgewiesen.

In dem Papier fordern unter anderem die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Thüringer Landtag, Astrid Rothe-Beinlich, und ihre Stellvertreterin, Madeleine Henfling, eine neue Landesspitze. An diesem Wochenende wollen die Thüringer Grünen bei einem Treffen in Erfurt den Konflikt beilegen.

"Wir wollen uns an einen Tisch setzen und in die Augen schauen", sagte Landeschefin Erben. Sie könne zwar verstehen, dass einzelne Mitglieder enttäuscht seien nach der Landtagswahl. Allerdings sei es falsch, einen Sündenbock zu benennen. Bei der Landtagswahl hatten die Grünen mit 5,2 Prozent schlechter abgeschnitten als 2014 (5,7 Prozent).

Sich an einen Tisch setzen, das wollen auch die Unterzeichner des Papiers. Und sie wollen mehr basisdemokratische Strukturen, sagte Henfling. Dann würde auch alles andere wieder besser laufen. Nach dem Ergebnis bei der Landtagswahl soll der Wahlkampf an diesem Wochenende gründlich analysiert werden. Bei einem sind sich alle einig: Es müssen Wähler im ländlichen Raum gewonnen werden.

Rothe-Beinlich: Mögliche Ministerposten zur Diskussion stellen

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Astrid Rothe-Beinlich, hat eine Abstimmung in der Partei über mögliches Regierungspersonal gefordert. "Wir sind 2014 in eine Regierung gestartet, ohne über das Personal überhaupt zu entscheiden in der Partei", sagte Rothe-Beinlich vor dem Treffen mit Kreisvorständen, Spitzenpolitikern und Vertretern der Parteibasis in Erfurt.

Nur eine kleine Gruppe habe bei den Grünen über das Regierungspersonal verhandelt. Sie wolle aber dafür werben, dass bei einer erneuten Regierungsbeteiligung die Partei darüber abstimmt, wer etwa Ministerposten übernehmen soll.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) sagte: "Ich denke, insgesamt kann es in der Regierung kein 'Weiter so' geben." Bei dem Treffen in Erfurt geht es laut Siegesmund auch darum, ob die Grünen in eine Minderheitsregierung eintreten wollen. Eine Entscheidung solle dazu aber erst beim Landesparteitag im Januar fallen.

Dann soll auch ein neuer Parteivorstand gewählt werden. Bereits kurz nach der Wahl im Oktober hatte es Rücktrittsforderungen in Richtung des Parteivorstandes gegeben. Landessprecherin Stephanie Erben will nach Weihnachten entscheiden, ob sie im Januar erneut kandidiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN, dpa

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 19:20 Uhr

7 Kommentare

martin vor 1 Wochen

@merseburger: Ich glaube nicht, dass ich von zwei unterschiedlichen Ausrichtungen geschrieben habe. Ich schrieb von unterschiedlichem Vertrauen der Wähler in die Konzepte.

Ich bin kein Missionar - jeder möge das wählen, was er für richtig hält. Aber ich finde, man sollte die Dinge so benennen wie sie sind. Und die Thüringer AfD vertritt nun einmal keine bürgerlich-konservativen Positionen - auch wenn das "interessierte Kreise" noch so oft behaupten.

W.Merseburger vor 1 Wochen

martin,
ihre Diskussion würde ja bedeuten, dass es ein der BRD zwei unterschiedliche Grüne Parteien gibt. Die West-Grünen sind in der Lage, anstehende Probleme zu lösen; die Ostgrünen generieren falsche oder unglaubwürdige Konzepte. Ich denke eher, die großstädischen westdeuteschen Bessergestellten ticken politisch anders als die ostdeutsche Durchschnittsgesellschaft. Weiterhin glaube ich nicht , dass die politischen Gegner der AfD durch klassenkampfähnliche Slogans wie "völkisch-nationale Truppe" mit dem "Faschisten" an der Spitze den Trend des gegenwärtigen Wählervehaltens verändern werden. Das beste Beispiel ist doch das Ramelow-Ergebnis. Auch hier haben Verunglimpfungen und Diffamierungen (z.B. hier im Forum) den Bürger nicht abgehalten, links zu wählen.

martin vor 1 Wochen

@merseburger: Ich würde nicht behaupten, dass die Begründung für den Zuspruch "im Westen" daran liegt, dass sich die Wähler von den (ehemaligen) Volksparteien vernachlässig fühlen, sondern daran, dass den Grünen eher die Lösungen für die relevanten Probleme zugetraut werden.

Darüber hinaus ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar, weshalb in Thüringen "nur aus Protest" eine völkisch-nationalistische Truppe gewählt werden soll, deren Spitzenkamerad offiziell "Faschist" genannt werden darf.

Das die Grünen mit ihren Konzepten in Thüringen kaum Wähler erreichen, wundert mich nicht. Eher schon, dass sie landesweit doch noch über 5 % gekommen sind ....

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