Spargel- und Erdbeerernte in der Coronakrise Rumänische Erntehelfer kommen nach Thüringen

Ein Grund zur Freude, aber deutliche Mehrkosten für die Spargel- und Erdbeerbauer in Thüringen: Am Montagabend sollen Erntehelfer aus Rumänien landen. 180 davon werden in Thüringen erwartet. Dennoch könnten damit nicht alle Flächen beackert werden.

Erntehelfer arbeiten auf einem Feld
Erntehelfer stechen auf einem Feld Spargel. 180 rumänische Erntehelfer werden in Thüringen erwartet. Bildrechte: dpa

Wenn alles nach Plan läuft, ist der erste große Schritt getan: Am Montagabend um 23.30 Uhr soll der Charterflug aus Rumänien am Leipziger Flughafen landen. Für Jan-Niclas Imholze, Geschäftsführer des Spargelhofes in Kutzleben im Unstrut-Hainich-Kreis erstmal ein Grund zur Freude. Ohne die 100 Saisonarbeiter, die allein bei ihm Spargel ernten werden, stünde der Spargelhof wegen der Corona-Krise wahrscheinlich vor dem Aus.

Betriebliche Ablauf komplett umorganisiert

Aber in die Freude mischt sich auch Wehmut - Imholze kostet allein die Anreise und der medizinische Check seiner 100 Saisonarbeiter 24.000 Euro. Zudem muss der ganze betriebliche Ablauf so organisiert werden, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können. Das fängt in den Bussen an, die die Gastarbeiter in Leipzig abholen: Wo sonst jeder Platz gefüllt war, kann jetzt nur eine Person pro Reihe sitzen, hintereinander versetzt. Eine aufgesetzte Mundschutzmaske versteht sich von selbst. Und hört in der Unterkunft auf: Mehr Schlafräume sind nötig. Imholze nutzt dafür zum Beispiel das momentan leerstehende Schullandheim in Lützensömmern bei Kutzleben.

Trotz aller Anstrengung: Der Geschäftsführer kann nicht in der gewohnte Menge Spargel ernten. Von normalerweise etwa 140 Hektar können derzeit nur 80 Hektar buchstäblich beackert werden. Imholze hatte die Fläche im Vorfeld wegen der Unsicherheiten durch Corona reduziert: "Wir sind vorsichtiger zu Werke gegangen und gehen nun davon aus, dass nun das Verhältnis Fläche und Saisonkräfte funktioniert", sagte Imholze MDR THÜRINGEN.

Spargel wird teurer

Weniger Fläche macht weniger Erträge, addiert mit den Zusatzkosten – da ist es nur logisch, dass letztendlich auch der Verbraucher mehr für sein Gemüse zahlen wird. Laut Imholze werden die Preise für ein Kilo um etwa 20 Prozent steigen. Das entspricht etwa zwei Euro mehr pro Kilo. Für Imholze ist dabei aber wichtig: "Wir haben derzeit eine ganz andere Kostenstruktur. Wir planen keine großen Gewinnmargen ein, sondern versuchen das Kostenkonstrukt einigermaßen zu deckeln. Wenn uns das gelingt, dann haben wir viel gekonnt." Es gehe auch für ihn ums Überleben.

Das Wetter muss auch mitspielen

Ein Mann steht hinter einem Erdbeer-Hochbeet und hält zwei Körbe mit Erdbeeren
Carsten Gloria ist optimistisch: Man habe grundsätzlich keine Schwierigkeiten. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Wesentlich optimistischer betrachtet Carsten Gloria von der Gärtnerei Gloria in Erfurt-Hochheim die Situation. Er ist Chef über mehrere Hektar Erdbeer-Fläche und er begrüßt am Montagabend 14 Erntehelfer. „Wir können uns im Vergleich zu anderen Branchen nicht beklagen", sagte Gloria MDR THÜRINGEN. "Wir haben insgesamt einen höheren organisatorischen Aufwand, aber keine grundsätzlichen Schwierigkeiten. Die Saison wird durch Corona-Situation nicht grundlegend in Frage gestellt. Es gibt ja auch noch die ganz allgemeinen Unwegbarkeiten vor allem bei der Witterung, die aber immer bestehen." Bereits ab Mai werden weitere Saisonarbeiter aus Rumänien in Thüringen erwartet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 20. April 2020 | 18:37 Uhr

3 Kommentare

Dorfmensch vor 32 Wochen

@Critica
freundlicher Hinweis zu 2.
Kartoffeln werden zurzeit aus Ägypten importiert. Das hat einen ganz einfachen natürlichen Grund: aus klimatischen Gründen ist eine so frühe Ernte in D gar nicht möglich. Versuchen Sie es doch mal, selbst im eigenem Garten oder auf dem eigenem Feld früheste Kartoffeln anzubauen und zeitgleich wie die ägytischen Bauern Knollen in ausreicher Größe und Qualität zu ernten! Viel Erfolg. Die Praxis macht klug.
Ich für meinen Teil esse gern Spargel und gute Kartoffeln.

Critica vor 32 Wochen

Beim Lesen dieses Textes melden sich bei mir zwei Gedanken:
1. Die Deutschen wollen genießen ohne Ende (Geld ist ja genug vorhanden), sind aber nicht imstande, eine Spargelstange auszustechen oder zwei Erdbeeren zu ernten. Da bekommt man ja schmutzige Hände.....
2. Spargel lässt sich gut vermarkten und die Deutschen lieben ihn (siehe 1.) Man könnte aber auf Feldern auch etwas anderes anbauen, das nicht so viel Gewinn bringt, zum Beispiel Kartoffeln, dann müssten diese nicht aus Ägypten importiert werden...
Da beißt sich die Katze in den Schwanz :)

fritz deutsch vor 32 Wochen

Solange sich Hartz 4 Empfänger und Erntehelfer finanziell etwa gleichgestellt sehen,wird sich wohl kaum ein Deutscher aufs Feld verlaufen.

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