Bundesmittel 100 Millionen Euro für Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten

Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten erhält 100 Millionen Euro Bundesmittel. Das hat der Haushaltsausschuss des Bundestages am Donnerstag beschlossen. Das Geld soll bis 2027 nach Thüringen fließen. Thüringens Kulturminister Benjamin Hoff hat den Beschluss des Bundes begrüßt. Mit der Entscheidung sei nun der Weg frei für Investitionen in die Thüringer Residenzkultur.

Schloss mit Baugerüst
Seit Jahren wird über die Schlösserstiftung verhandelt, jetzt scheint der Knoten geplatzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als einmalige Chance für das kulturelles Erbe Thüringens hat Thüringens Kulturminister Benjamin Hoff den Beschluss bezeichnet. 100 Millionen Euro Bundesmittel soll die Schlösserstiftung bekommen. Wie der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, mitteilte, hat das der Haushaltsausschuss des Bundestages am Donnerstag beschlossen.

Das Geld soll bis 2027 nach Thüringen fließen - vorausgesetzt das Land bringt den gleichen Betrag als Kofinanzierung auf. Laut Beschlussfassung sollen von den Investitionsmitteln in Thüringen bis zu 50 Millionen Euro für die Sanierung und weitere Entwicklung der Liegenschaften von Schloss Friedenstein eingesetzt werden.

Eingerüstetes Gebäude 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 27.11.2020 19:00Uhr 02:06 min

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Zusätzliche Projektmittel werden aufgeteilt

Darüber hinaus erhält Thüringen laut Schneider für die Jahre 2020 und 2021 jeweils 15 Millionen Euro Projektmittel, um damit besondere Vorhaben etwa in den Bereichen Digitalisierung, Konzeption, Forschung oder kulturelle Bildung zu unterstützen. Von 2022 bis 2027 sollen diese Projektmittel jährlich in Höhe von 7, 5 Millionen Euro aus Berlin nach Thüringen fließen. Allerdings sollen die Projektmittel in Thüringen auf verschiedene Kulturstiftungen aufgeteilt werden: 2 Millionen Euro pro Jahr sollen jeweils dem Lindenau-Museum in Altenburg und der Klassik Stiftung Weimar zugutekommen und jährlich 3, 5 Millionen Euro der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha.

Jahrelanges Hin und Her

Seit etwa zwei Jahren hatte die Landespolitik über die Zukunft der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten diskutiert. Ursprünglich hatte der Bund Thüringen und Sachsen-Anhalt Geld zur Sanierung von Burgen und Schlössern in Aussicht gestellt. Vorausgesetzt, die beiden Bundesländer gründen eine gemeinsame Schlösserstiftung und stemmen eine Gegenfinanzierung. In dieser Variante wäre auch ein jährlicher Zuschuss zu Betriebskosten beinhaltet gewesen.

Vor allem auf der Thüringer Seite ließen Politiker und Kulturschaffende an diesem Modell wenig Gutes, Kritiker wie die Thüringer CDU sahen dadurch den Freistaat gegenüber Sachsen-Anhalt benachteiligt. Die gemeinsame Stiftung ist mit der heutigen Entscheidung des Bundestages vom Tisch.

Thüringens Kulturminister Benjamin Hoff hat den Beschluss des Bundes für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten begrüßt. Mit der Entscheidung sei nun der Weg frei für Investitionen in die Thüringer Residenzkultur. Als Nächstes werde die Thüringer Landesregierung das Bundesministerin für Kultur und Medien kontaktieren, damit die Mittel im kommenden Jahr zur Verfügung stehen.

Investitionsplan bereits vorbereitet

Laut Hoff hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bereits einen Investitionsplan für die Bundesmittel in Höhe von 100 Millionen Euro vorbereitet. Dieser sehe vor, die Bauarbeiten am Schloss Friedenstein gut abzuschließen. Außerdem sollen neu hinzukommende Liegenschaften wie Schloss Reinhardsbrunn und Schloss Friedrichswerth berücksichtigt werden. Postiv bewertete Hoff auch das Engagement des Bundes für die Klassik Stiftung Weimar, das Lindenau Museum in Altenburg und die Stiftung Schloss Friedenstein, die von 2022 bis 2027 zusammen jährlich 7,5 Millionen Euro Projektmittel bekommen.

Auch Altenburg profitiert vom Beschluss

Erleichtert über die Einigung zeigt sich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser: "Nachdem das Projekt mehrmals auf der Kippe stand, die große Lösung längst beerdigt wurde und nicht klar war, ob es überhaupt noch eine Beteiligung des Bundes geben würde, ist heute der gordische Knoten zumindest auf Bundesebene zerschlagen."

Nun kommt es darauf an, die Bund-Länder-Vereinbarung unter Beteiligung der betroffenen Einrichtungen zügig auf den Weg zu bringen, damit die Mittel auch zeitnah dort ankommen, wo sie so dringend gebraucht werden.

Elisabeth Kaiser

Das Lindenau Museum (Aufnahme mit einer Drohne)
Das Lindenau Museum in Altenburg. Bildrechte: dpa

In Kaisers Wahlkreis liegt das Lindenau-Museum, das im Zeitraum von 2022 bis 2027 nach Angaben der Abgeordneten jetzt bis zu zwei Millionen Euro jährlich an Projektmitteln erhält. Positiv sei ebenfalls, dass Rudolstadt als Sitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten vollumfänglich erhalten bleibt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. November 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 8 Wochen

Mit Schreiben der Thüringer Staatskanzlei vom 13. Juli 2020 der zuständigen Abteilungsleiterin für Kunst und Kultur wurde „mehr Bürgerbeteiligung“
in dieser Sache versprochen und den vom Bürger gestellten sachrelevanten
Fragen eine hohe Wichtigkeit „in der Abwägung weiterer Schritte“ attestiert . . .

Bis heute sind wir - die Bürgerinnen und Bürger des Freistaats Thüringen - jedoch (öffentlich) erneut nicht an den Entscheidungen über die Errichtung der Schlösserstiftung beteiligt worden, nachdem es bereits im Thüringer Landtag zum Eklat gekommen war über die Ausgestaltung einer gemeinsamen Stiftung mit Sachsen-Anhalt und den Umfang der in die Stiftung aufzunehmenden Thüringer Gärten, Schlösser und Burgen mit ihren Kapellen und Schlosskirchen...

Auch die Petition E - 492 / 20 beim Thüringer Landtag, die sich auf mehr Bürgerbeteiligung in den offenen Schlösserfragen bezieht, bleibt durch
die Thüringer Landesregierung (nach September 2020) noch immer
unbeantwortet...

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