Radfahrer fahren über einen Radschnellweg
Ein Radschnellweg ist so eine Art Autobahn für Radfahrer. Bildrechte: dpa

Radschnellweg Vorerst keine Fahrrad-Autobahn in Thüringen

Mit einer Art Autobahn für Radfahrer sollen Pendler aufs Fahrrad gelockt werden. Solche Rad-Schnellwege werden vom Bund bezuschusst. Für Thüringen werden die Chancen für den Bau solcher Rad-Schnellwege unterschiedlich eingeschätzt.

von Markus Wetterauer

Radfahrer fahren über einen Radschnellweg
Ein Radschnellweg ist so eine Art Autobahn für Radfahrer. Bildrechte: dpa

Was sind Rad-Schnellwege?

Radfahren ist gesund und umweltfreundlich. Für Pendler ist es auf längeren Strecken aber nicht sonderlich attraktiv: sie wären auf dem Weg zum Arbeitsplatz schlicht zu lange unterwegs. Hier sollen sogenannte Rad-Schnellwege Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um eine Art "Autobahnen" für Radler: sie sind drei bis vier Meter breit, haben zwei Spuren für Gegenverkehr und zum Überholen, sind gut ausgebaut und möglichst kreuzungsfrei.

Förderung vom Bund eher unwahrscheinlich

Der Bund fördert den Bau solcher Rad-Schnellwege mit 25 Millionen Euro. In den meisten Bundesländern gibt es erste Projekte, so im Ruhrgebiet, rund um Stuttgart oder in Berlin. Für Thüringen sieht das Infrastrukturministerium dagegen kaum Chancen, dass auf absehbare Zeit ein solcher Rad-Schnellweg gebaut wird. Wie eine Sprecherin MDR THÜRINGEN sagte, sind die fehlenden Ballungsgebiete im Land der Grund dafür. Denn Geld vom Bund fließt nur, wenn auf den Radler-Autobahnen täglich mindestens 2.000 Pendler unterwegs sind. Und das sei für Thüringen kaum zu erreichen, so die Sprecherin.

Radfahrer-Verband plädiert für Rad-Schnellweg

Radfahrer fahren über einen Radschnellweg
In anderen Bundesländern, wie hier in Baden-Würtemberg, ist der Radschnellweg bereits Realität. Bildrechte: dpa

Dagegen kann der Radfahrer-Verband ADFC Thüringen der Idee durchaus etwas abgewinnen. Denn die schon bestehenden Fernwege für Radfahrer im Land seien zwar idyllisch, aber wegen ihrer Streckenführung für Pendler nicht sonderlich gut geeignet. Deshalb plädiert der ADFC dafür, die Thüringer Städtekette mit einem Rad-Schnellweg zu verbinden, also Eisenach, Gotha, Arnstadt, Erfurt, Weimar und Jena. Davon, so ein Sprecher, würden auch die Orte dazwischen profitieren. Für sie würden einfache Zubringer-Wege ausreichen. Auch das Argument der starken Steigungen lässt der ADFC nicht gelten: sie könnten schließlich mit einem Elektro-Rad "glattgebügelt" werden.

Größter Vorteil neben dem schnelleren Tempo ist für den Radfahrer-Verband die höhere Sicherheit. Denn die Rad-Schnellwege führen nicht an Straßen entlang. Stattdessen verlaufen sie komplett getrennt davon. Deshalb kommen sich Radler und Autofahrer nicht gegenseitig ins Gehege. Dieses größere Sicherheits-Gefühl führe auch dazu, dass mehr Menschen aufs Rad umsteigen. Denn "Drängeln, Hupen und zu knappes Überholen können auf einem Radschnellweg per se nicht passieren."

Land prüft Rad-Schnellweg am Erfurter Kreuz

Das Land verweist stattdessen auf sein Radverkehrs-Konzept. Schwerpunkt sei der Bau von normalen Radwegen entlang von Bundes- und Landesstraßen, und um Gemeinden an größere Orte anzubinden. Allein zwischen 2015 und 2018 flossen dafür laut Infrastrukturministerium 10,6 Millionen Euro an Zuschüssen an die Gemeinden.

Doch zumindest für das Industrie-Gebiet am Erfurter Kreuz soll jetzt geprüft werden, ob sich der Bau eines Rad-Schnellwegs für die Beschäftigten in den dortigen Betrieben lohnt. Dafür hat der Ilm-Kreis eine Studie in Auftrag gegeben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 29. Juli 2019 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2019, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

25.07.2019 09:51 Liermetze 9

Also das Argument von wegen Versiegelung ist in Anbetracht der CO2-Einspaarung und sparen von versiegelten Parkplätzen ja auch etwas konträr. So viel Fläche brauchen Radwege immerhin nicht und Parkplätze sind die größten versiegelten Flächen. Ich würde es begrüßen und nutzen. Immer mehr Menschen haben E-Bikes. Das wäre bei Kurzstreckenpendlern eine echte Alternative. Wichtig wäre dass man Zugänge zu Unterständen bei Regen schafft. Oder gar Fahrrad-Züge (Züge mit extra-Wagons für Räder, viele Räder), damit man ggf. nur zum nächsten Bahnhof radeln muss. Zudem Rad-Parkplätze am Bahnhof. Die Niederlande machen es doch gut vor. Und ich liebe diese Lebensart überall mit dem Rad hinzufahren. Das spart Platz (Versiegelung durch Parkplätze), hält die Luft sauber, ist gesund, reduziert CO2 und spart dem Land Geld bei der Instandhaltung von Infrastruktur. Ich kann da nur Vorteile finden.

24.07.2019 09:31 Grosser, Klaus 8

Ich bin klar gegen Rad-Schnellwege in Thüringen.
Die Bodenversiegelung in Thüringen ist schon hoch genug, da müssen nicht noch mehr Böden durch Rad-Schnellwege versiegelt werden.

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