Schüler malen im Unterricht
Kinder beim Malen in einer Geraer Grundschule. Mit dem Schulbudget soll der Unterrichtsausfall etwas verringert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bildung Thüringen will beim Schulbudget nachbessern

Die Idee klang vielversprechend: Mittels Schulbudget können Thüringer Schulen Geld für Arbeitsgemeinschaften beantragen - geleitet von Honorarkräften. Das Problem in der Praxis: die Bürokratie.

von Corinna Ritter-Kallwitz

Schüler malen im Unterricht
Kinder beim Malen in einer Geraer Grundschule. Mit dem Schulbudget soll der Unterrichtsausfall etwas verringert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lehrer, Schüler und Eltern stöhnen seit Jahren über den Unterrichtsausfall an Thüringer Schulen. Als eine Lösung des Problems präsentierte das Bildungsministerium im August 2018 zum Schuljahresbeginn ein neues Förderprogramm - das Schulbudget. Doch nur in Einzelfällen konnten Lehrer ihre Arbeitsgemeinschaften an Honorarkräfte übergeben, um mehr Unterricht geben zu können. Das Geld können die Schulen statt für den Unterricht lediglich für Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenbetreuung oder Gesundheitskurse für Lehrer verwenden. Die Anträge dafür - zusätzliche Bürokratie für die Schulleiter. 

Mitarbeiter im Dauerstress

Die Hotline beim Schulamt in Westthüringen ist von Beginn an im Dauerbetrieb gewesen - die Mitarbeiter im Dauerstress. Viele Schulleiter riefen an, weil sie Hilfe brauchten, die Anträge so zu formulieren, dass die Vorhaben auch bewilligt werden. Sie mussten Schulkonferenzen einberufen, künftige Leiter für die gewünschten Arbeitsgemeinschaften finden, mit ihnen Honorarverträge vorbereiten und Führungszeugnisse einholen.

Schulleiter ärgert, dass Vorhaben mehrmals abgelehnt und spät bewilligt wurden. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Thüringer Lehrerverband hatten gefordert, das Budget für Unterrichtsstunden nutzen zu können. Mit dem Geld hätten Schulen beispielsweise Studenten, Musiker oder Trainer beschäftigen können. Das ist jedoch aus rechtlichen Gründen nach Angaben des Ministeriums nicht möglich. 

Bildungsministerium will Schulleiter entlasten 

Nun will das Bildungsministerium beim Schulbudget nachbessern. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, dass der Abschluss von Honorarverträgen mit Vereinen ermöglicht werden soll. Schulleiter mussten bisher mit jedem Vereinsmitglied, das eine Arbeitsgemeinschaft leitet, einzeln Verträge abschließen. Außerdem werde geprüft, ob Angebote zur Digitalisierung finanziert werden können. Seit August 2018 konnten die Schulen für Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenbetreuung und Gesundheitskurse für Schüler und Lehrer 15 Euro je Schüler ausgeben - in diesem Jahr sind es 30 Euro je Schüler.

Jede zweite Schule nutzt Schulbudget

Etwa die Hälfte (411) der 819 staatlichen Schulen in Thüringen hat bis Februar Gelder für etwa 2.300 Vorhaben aus dem Schulbudget beantragt. Davon wurden rund 1.500 bewilligt und 100 Vorhaben abgelehnt. Nach Angaben des Schulamts Mittelthüringen wünschten sich Schüler und Lehrer am meisten Geld für Arbeitsgemeinschaften in den Bereichen Sport, Naturwissenschaften, Technik, Computer, Kunst, Musik, Hauswirtschaft und Sprachen. Im Landeshaushalt sind für das Schulbudget in diesem Jahr 6,5 Millionen Euro eingestellt. Im vergangenen Jahr zahlte das Land rund 336.000 Euro von geplanten 2,7 Millionen Euro an die Schulen.

Einer Umfrage von MDR THÜRINGEN zufolge rufen Schulleiter von Grundschulen das Geld vom Land nicht ab, weil sich der Aufwand nicht lohnt. Beim neuen Schulbudget fördert das Land Arbeitsgemeinschaften und eine Hausaufgabenbetreuung für Kinder, die nicht im Hort betreut werden. Das sind nach Angaben des Bildungsministeriums lediglich rund zehn Prozent der Schüler. In den anderen Schularten können von dem Schulförderprogramm mehr Schüler profitieren. Vor allem im ländlichen Raum fährt nach Angaben der Schulleiter ein Großteil dieser Kinder kurz nach dem Unterricht mit dem Bus nach Hause. Die Schulleiter gaben außerdem an, dass sie für Arbeitsgemeinschaften kaum Honorarkräfte fänden.  

Der Umfrage zufolge nutzen die Schulleiter dagegen wie bisher das Hortbudget. Hier sei es einfacher, die Gelder zu beantragen und auch schnell zu erhalten. 

Gewerkschaft fordert Verwaltungsleiter für Schulen

Kritik am Schulförderprogramm übt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Das Verfahren müsste einfacher werden und die Schulleiter entlasten, sagte ein Sprecher. Aus Sicht der GEW brauchen alle Schulen zusätzlich einen Verwaltungsleiter. 

Im Entwurf des Thüringer Schulgesetzes ist das nur für Modellschulen, die kooperieren, angedacht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. März 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 05:00 Uhr

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