Thüringen Land stellt über 800 neue Lehrerinnen und Lehrer ein

Die Thüringer Landesregierung hat in diesem Jahr nach eigenen Angaben 851 neue Lehrer eingestellt. Damit seien über 70 Prozent der 2019 geplanten Einstellungen geschafft, sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstagmittag nach einer Kabinettssitzung. Insgesamt sollten in diesem Jahr 1.200 Lehrkräfte in den Schuldienst geholt werden. Der größte Teil davon sind sogenannte Nachrücker, nur 300 sind "echte" Neueinstellungen.

Lehrer werden zeitweise versetzt

Schüler während einer Unterrichtsstunde.
Schüler während einer Unterrichtsstunde mit ihrer Lehrerin. Bildrechte: imago/photothek

Die restlichen Stellen zu besetzen sei schwer, räumte Holter ein. Seinen Angaben nach sind vor allem für Grund- und Regelschulen kaum Lehrer zu finden. Der Bewerbermarkt sei leergefegt. Es werde nicht an jeder Schule gelingen, den Unterricht zu 100 Prozent abzusichern. Holter schloss nicht aus, dass es zu zeitweiligen Abordnungen von Lehrern, die an personell besser aufgestellten Schulen unterrichten, kommen könne. Er hoffe dabei auf Solidarität und Verständnis, sagte Holter. "Wir machen das natürlich möglichst im Einverständnis." Außerdem solle unter anderem die familiäre Situation des betroffenen Lehrers berücksichtigt werden. In Thüringen fehlen seit Jahren Lehrer - vor allem auf dem Land. Der Thüringer Lehrerverband hatte am Montag bereits von einem "Unterrichtsnotstand" in manchen Thüringer Regionen gesprochen.

Opposition bemängelt Ausbildungspraxis

Laut Holter arbeiten zu Beginn des neuen Schuljahres insgesamt 17.000 Lehrer in staatlichen Schulen in Thüringen. Die wachsende Zahl der Schüler verschärft das Problem. Ihre Zahl steigt um knapp 1.000 auf 246.000 Schüler im neuen Schuljahr. Kritik kam von der Opposition. Die CDU warf dem Bildungsministerium vor, zu wenige Referendare auszubilden. Pro Jahr würden nur 500 Lehramtsanwärter eingestellt, nötig seien 1.000. Laut AfD hat sich die Landesregierung dem Problem Lehrermangel nicht in ausreichendem Maß gestellt. Rot-Rot-Grün müsse in der Bildungspolitik ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt werden. Die Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft sprach von einer dramatischen Situation an den Schulen. Viele Lehrer arbeiteten an der Belastungsgrenze.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. August 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 20:24 Uhr

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26 Kommentare

14.08.2019 17:19 Mediator an martin(25) 26

Was eine gute VErwaltung ist, die schert sich nicht unter wem sie dient und arbeitet so wie sie es gewohnt ist. Manchmal eben auch völlig an den Bedürfnissen des Landes vorbei, denn die Verwaltung braucht die Lehrer ja nicht, und wo kommen wir hin, wenn man plötzlich dinge und Verfahren ändert.

Nicht ganz ernst gemeint, aber trotzdem mit einem Fünkchen Wahrheit vermute ich.

Was bleibt ist ei Wettbewerb um die knappe Ressource Mensch und da zählt eben auch die von ihnen angesprochene schnelle Zusage, wenn man jemanden haben will.

14.08.2019 16:58 martin 25

@24 mediator: Aufgrund der aktuellen Kassenlage hat Thüringen die Bezahlung ja sogar angehoben. Ich bin mir nicht sicher, ob für alle Lehrer linear oder ob "nur" an den Eingruppierungsvorschriften für Grund- und/oder Regelschule Verbesserungen vorgenommen werden. Verbeamtung soll wohl auch wieder möglich sein - da bin ich aber nicht auf dem Laufenden, ob das nur angedacht war/ist oder auch umgesetzt.

Wie ich aber schon in #11 schrieb, gibt es Bewerbungen (trotz des von Ihnen sog. "Braunen Mehltaus") die dann in andere Bundesländer abspringen, weil die Zusagen viel zu spät kommen. Das hat nun mal weder was mit Kassenlage noch mit der Vorgängerregierung oder den eigenen Wahlversprechen zu tun.

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