Wegen Corona-Pandemie Viele Schulanfänger in Thüringen starten ohne Untersuchung in die Schule

In Thüringen müssen alle Kinder, die in die Schule kommen, vorher zum Arzt. Damit soll ein eventueller Förderbedarf frühzeitig ermittelt werden. Eigentlich ist das Voraussetzung für den Schulbesuch. Doch wegen des Coronavirus wurden diese Untersuchungen in vielen Landkreisen und Kommunen ausgesetzt und müssen nun nachgeholt werden.

Einschulungstest des Schulärztlichen Dienst.
Bei der Schuleingangsuntersuchung soll ein eventueller Förderbedarf frühzeitig ermittelt werden. Eigentlich ist das Voraussetzung für den Schulbesuch. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

In Thüringen werden viele Schulanfänger ohne Schuleingangsuntersuchung eingeschult. Wie eine Umfrage von MDR THÜRINGEN in den Landkreisen und kreisfreien Städten in Thüringen ergab, müssen die Amtsärzte in mindestens drei Landkreisen auch noch nach den Sommerferien Schulanfänger untersuchen. Betroffen sind unter anderem Erfurt, Gera und auch der Landkreis Sonneberg.

Thüringen verlängert Frist für Schuluntersuchung wegen Corona

Im Freistaat Thüringen müssen laut Schulgesetz alle Kinder, die in die erste Klasse kommen sollen, bis Mitte Mai von einem Amtsarzt des Gesundheitsamtes untersucht werden. Das Bildungsministerium hat diese Frist jedoch bis zum 9. Juli und dann nochmals bis 17. Juli verlängert, weil wegen der Corona-Pandemie ab Mitte März bis Ende Mai kaum Schuleingangsuntersuchungen gemacht werden konnten. In etwa der Hälfte der 24 Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen ziehen sich die Eignungstests bis Ende Juli oder sogar ins neue Schuljahr hin.

Personalmangel und strenge Hygieneregeln

Viele Untersuchungen konnten erst im Juni fortgesetzt werden, allerdings vorrangig für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf und solche, die im vergangenen Jahr zurückgestellt wurden. Amtsärzte und Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern waren zudem im Zuge der Corona-Pandemie in andere Aufgaben eingespannt. Als weiteren Grund für den Verzug der Untersuchungen werden neben Personalmangel in den Ämtern auch die besonderen hygienischen Regelungen genannt. Auch Eltern seien zu Beginn der Pandemie aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht mehr zu den Terminen erschienen.

Mehrere Tausend Kinder noch nicht untersucht

Im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sind etwa von 840 Kindern noch 300 nicht untersucht worden. Wie ein Sprecher mitteilte, werden dort zusätzlich Kinderärzte mit hinzugezogen, um die noch ausstehenden Untersuchungen schnellstmöglich aufzuholen. In Erfurt stehen nach Angaben der Stadt die Untersuchungen von 1.100 Kindern noch aus. Insgesamt 2.200 Kinder sollen nach den Sommerferien in der Landeshauptstadt eingeschult werden. Weil die Untersuchungen für acht Wochen pausieren mussten, werden sie für einen Teil der Schüler noch zu Beginn des Schuljahres nachgeholt. Ähnlich sieht das in Gera, Greiz, Sonneberg und im Weimarer Land aus.

Hälfte der Landkreise und Städte in Thüringen mit Untersuchungen fertig

Die Hälfte der Landkreise und kreisfreien Städte war rechtzeitig mit den Untersuchungen fertig. So etwa im Unstrut-Hainich-Kreis, wo bei einem Teil der Kinder, bei denen die Schulfähigkeit bereits klar feststand, der ärztliche Test am Telefon erfolgte. Auch in Jena, Weimar, Sömmerda, im Altenburger Land, Ilm-Kreis, Kyffhäuserkreis und im Eichsfeld konnten die Schulanfänger noch vor dem neuen Schuljahr untersucht werden.

In Thüringen kommen in diesem Jahr etwa 20.000 Erstklässler in die Grundschule. Die Schuleingangsuntersuchung gilt eigentlich als Voraussetzung, um in die Schule gehen zu können. Dabei wird unter anderem ermittelt, ob zukünftige Erstklässler einen erhöhten Förderbedarf haben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Juli 2020 | 07:00 Uhr

12 Kommentare

Der Erfurter Bub vor 4 Wochen

Dazu müssten die Ärzte in den Gesundheitsämtern das gleiche bezahlt bekommen wie die niedergelassenen Ärzte oder Ärzte in Krankenhausanstellung. So ist der Beruf für viele Mediziner einfach nicht attraktiv genug. Wollen Sie das? Auch der Zahnarzt kommt noch regelmäßig in die Schule oder Kita. Wussten Sie das nicht? Und der springende Punkt ist der, das die ärztliche Untersuchung der Schulanfänger VOR dem ersten Schultag passieren sollte. Was normalerweise auch gut funktioniert, nur in Zeiten einer Pandemie zu erheblichen Verzögerungen führt. Aber es wird jedes Kind auch dieses Jahr untersucht werden. Wenn auch manche halt erst nach dem ersten Schultag.

Ignatz Frobel vor 4 Wochen

wow echt warst auf Eliteschule oder Eltern Parteibonzen? Wenn zu uns Ärztin oder Arzt kam wurde dafür immer ein Klassenzimmer genutzt. So bekamen wir auch turnusmäßig alle notwendigen Impfungen. Arztpraxen war in keiner POS

Werner Original vor 4 Wochen

Die aktuellen Entscheidungsträger kennen dieses Modell nicht, andernfalls wäre es ihnen eingefallen. Aber man könnte es unter anderem Namen als neue Idee verkaufen und parteipolitisch mit bissel Jubel für die nächsten Wahlen instrumentalisieren. Der Kindergarten heißt ja auch jetzt "Kita", und die "Poliklinik" jetzt "Ärztehaus". Damit vermutlich ganz neuartige Modelle durch den persönlichen Einsatz mit erstaunlichem Erfindungsgeist, bürgernaher und vorausschauender Politik. Wir hatten sogar einen Schul-Zahnarzt.

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