Corona-Auflagen Lockerungen für Schulen und Kitas in Thüringen - Lob und Kritik

Schüler der Klassen 1 bis 4 sollen ab 15. Juni wieder täglich in die Schule dürfen. Das will die Thüringer Landesregierung diesen Dienstag beschließen. Das Vorhaben stößt auf Zustimmung und Zweifel.

Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
Die Pläne der Thüringer Landesregerierung für täglichen Unterricht aller Grundschüler sind umstritten. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Viola Simank

Keine Abstandsregeln mehr in Kindergärten und Grundschulen ab dem 15. Juni. Stattdessen soll es feste Gruppen, Klassen und Bezugspersonen geben. So steht es in der Beschlussvorlage für die Kabinettsitzung. Die Schulträger - also die Landkreise zum Beispiel - reagieren überwiegend positiv auf die Pläne.

Zuständige Vertreter in den Landratsämtern in Schleiz, Gotha und Nordhausen etwa sprechen von einer sinnvollen Entscheidung für Kinder und Eltern. "Das war längst überfällig", sagt Jürgen Seiring, Leiter des Amts für Bildung, Schulen, Sport und Kultur im Gothaer Landratsamt. Die Schulen seien dafür auch gut gerüstet. Nur was das Personal angeht, ob es genügend Lehrer und Erzieher in Schulen und Kindergärten gibt, da hat nicht nur er seine Zweifel.

Forderung an Gesundheitsämter

Recht entspannt bleibt der Leiter des Schulamts Mittelthüringen. "Hygienekonzepte werden schon erarbeitet. Und bestimmte Regeln bleiben auch für die Grundschüler und deren Lehrerinnen und Lehrer", sagt Ralph Leipold. Das grundsätzliche Abstandsgebot gelte natürlich weiter, aber eben nicht in den Lerngruppen. Die Kinder und ihre Eltern bräuchten jetzt etwas Verlässliches. Da seien sich die Vertreter der Schulämter und des Bildungsministeriums einig.

Und wenn die Infektionsrate wieder steigt, müsse man lokal reagieren. Wünschen würde sich der Schulamtsleiter allerdings ein einheitliches Vorgehen der Gesundheitsämter. Sollte es zu Infektionen an Schulen kommen, sollten die Ämter in Jena nicht anders entscheiden als in Hildburghausen.

Die Arbeit mit einem Schöpfrahmen zum Papierschöpfen wird Schulkindern während einer Klassenfahrt im Schullandheim Heideheim in Burgwedel (Region Hannover) erklärt.
Unterricht im Freien kann ein wirksames Mittel zur Eindämmung von Viren sein. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Viel frische Luft

Schulen und Kindergärten können auch ohne Abstand einiges tun, um den Coronaviren keine Chance zu geben. Mit viel frischer Luft könne das Ansteckungsrisiko verringert werden, sagt der Jenaer Infektionsmediziner, Prof. Mathias Pletz. Draußen zu lernen und draußen zu spielen sollte seiner Meinung nach zur Regel werden. Denn draußen fänden es die Viren eher ungemütlich. Sie könnten auch nicht in so großen Mengen eigeatmet werden, wie in geschlossenen Räumen. Ist der Gang ins Freie etwa bei schlechterem Wetter nicht möglich, dann gelte die Devise: lüften, lüften und nochmals lüften.

Lehrerverband ist gegen das Vorhaben

Trotz aller Fürsprecher bleibt Rolf Busch, Chef des Thüringer Lehrerverbands, bei seiner Kritik: Er spricht von einem Flächenversuch mit Schülern und Lehrern. "Es kann nicht sein, dass in Grundschulen auf einmal alles geht, was woanders nicht geht.", sagt Busch. Da könne man ja auch Fußball mit Zuschauern erlauben. Der Verbandschef weiß, dass er da nicht einer Meinung mit vielen Lehrern ist. Denn auch viele Pädagogen der Risikogruppen arbeiten lieber, als dass sie zu Hause bleiben. 30 Prozent der in Thüringen beschäftigten Lehrer fallen altersmäßig in die Risikogruppe. Sie müssten nicht vor Klassen stehen. Nach Angaben der Landesregierung seien aber 70 Prozent von ihnen bereit, zu unterrichten.

Bedenken auch bei Eltern

Thüringens Landeselternsprecherin Bernadette Ziegenhagen sagt, das Virus sei doch immer noch ansteckend. Den Abstand abzuschaffen hält sie für unvernünftig, weil die geringen Infektionszahlen durch Abstandhalten erreicht worden seien. Eher sollten die Klassen weiter getrennt und in kleineren Gruppen betreut werden. Eine Gruppe könnte unterrichtet werden, die andere könnte in dieser Zeit spielen. Dazu sollten auch Sozialassistenten, Studenten oder Kinderpfleger eingesetzt werden. Ziegenhagen hat mit den bisher bekannten Pläne "einfach Bauchschmerzen".

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Juni 2020 | 10:00 Uhr