Schüler waehrend einer Unterrichtsstunde.
Im letzten Herbst fielen laut Statistik des Bildungsministeriums 5,5 Prozent des Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen aus. Bildrechte: imago/photothek

Fakt ist! Schule in Thüringen - Lehrermangel und Stundenausfall

In Thüringen sind auch nach den Herbstferien noch Lehrerstellen unbesetzt. Schulleiter klagen, dass sie schon seit Jahren zu wenig Lehrer haben, um den Unterricht abzudecken. Im letzten Herbst fielen laut Statistik des Bildungsministeriums 5,5 Prozent des Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen aus. Aktuelle Zahlen will das Ministerium in der nächsten Woche veröffentlichen.

Schüler waehrend einer Unterrichtsstunde.
Im letzten Herbst fielen laut Statistik des Bildungsministeriums 5,5 Prozent des Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen aus. Bildrechte: imago/photothek

In Thüringen sind auch nach den Herbstferien noch Lehrerstellen unbesetzt. Wie das Bildungsministerium MDR THÜRINGEN mitteilte, sollen aktuell noch 45 Lehrer unbefristet eingestellt werden. Bisher haben die Schulämter in diesem Jahr 781 frei gewordene Stellen besetzt. Das ist mehr als in den Vorjahren, weil mehr Lehrer aus dem Schuldienst ausgeschieden sind. Unter den eingestellten Lehrern sind 42 Seiteneinsteiger.

Vor allem befristete Stellen zum Beispiel als Elternzeitvertretung sind in allen Schulämtern nur schwer zu besetzen. Insbesondere in Nord- und Ostthüringen werden Regelschullehrer und Förderschullehrer gebraucht. Das Schulamt Nordthüringen sucht beispielsweise seit Schuljahresbeginn im August Lehrer für Förderzentren in Leinefelde-Worbis, Mühlhausen und Nordhausen. Gesucht werden Lehrer für Mathematik, Naturwissenschaften aber auch verstärkt für Fremdsprachen.

Bewerbung per Ranglistenverfahren

Über die Zahl der Bewerber konnte das Ministerium keine Angaben machen. Interessenten bewerben sich in Thüringen online über ein sogenanntes Ranglistenverfahren bei den Schulämtern. Die besten Absolventen bekommen freie Stellen angeboten. Wenn die Bewerber nicht genommen werden, werden sie darüber in der Regel nicht informiert. Die Bewerbung im Ranglistenverfahren erlischt automatisch nach einem Jahr.

Lehrerin im Unterricht
Im vergangenen Schuljahr waren fast 1.100 Lehrer in Thüringen langzeitkrank. Bildrechte: dpa

Der Thüringer Lehrerverband (tlv) hat dieses Prozedere kritisiert. Er fordert, dass alle Stellen "schulscharf" ausgeschrieben werden sollten. Das heißt, die potentiellen Lehrer bewerben sich für eine Schule und nicht für einen ganzen Schulamtsbezirk. Das Ministerium will an seiner Praxis festhalten. Insbesondere im ländlichen Raum könnten demnach Stellen schneller besetzt werden, weil "sich die Attraktivität erst auf den zweiten Blick offenbart", sagte Ministeriumssprecher Frank Schenker. Bei sehr beliebten Stellen z.B. in den größeren Städten dauere die Vergabe länger durch das Auswahlverfahren und mögliche Widerspruchsfristen.

Zu wenig Lehrer, zu wenig Studienplätze

Laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) reichen sowohl die Lehrerstellen als auch die Zahl der Studienplätze und Stellen im Vorbereitungsdienst für das Lehramt nicht aus. An der Universität Erfurt zum Beispiel werden nach Angaben einer Uni-Sprecherin seit dem Studienjahr 2016/2017 über die geplanten Kapazitäten der Universität hinaus fast 400 angehende Grundschullehrer und Förderpädagogen ausgebildet.

GEW-Sprecher Michael Kummer sagte MDR THÜRINGEN, dass seit Jahren bekannt sei, dass Lehrer aufgrund der hohen Arbeitsbelastung drei bis vier Jahre früher in den Ruhestand gehen. In Thüringen würden mindestens 2.500 Lehrer gebraucht, um die in den vergangenen Jahren entstandenen Personallücken in den Schulen zu schließen. Schulleiter klagen, dass sie schon seit Jahren zu wenig Lehrer haben, um den Unterricht abzudecken.

Unterrichtsausfall unvermeidbar

Auf einer Schultafel steht: Fünfte Stunde fällt aus!
Bildrechte: IMAGO

Im vergangenen Schuljahr waren fast 1.100 Lehrer in Thüringen langzeitkrank. Die dafür vorgesehene Vertretungsreserve sei zu gering bemessen - so die Bildungsgewerkschaften GEW und tlv. Im Herbst 2017 fiel laut Statistik des Bildungsministeriums 5,5 Prozent des Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen aus.

Aktuelle Zahlen will das Ministerium in der nächsten Woche veröffentlichen. Mehr zum Thema Lehrermangel und Stundenausfall in der Sendung Fakt ist!

Quelle: MDR THÜRINGEN

--- AKTUELLES AUS THÜRINGEN ---

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 22. Oktober 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 11:19 Uhr

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13 Kommentare

23.10.2018 06:42 Fgrau 13

So richtig kann ich den Lehrermangel auch nicht glauben. Hab seit zwei Jahren mein Referendariat fertig. Weder für das Referendariat eine Stelle in Thüringen noch nach dem Referendariat bekommen. Obwohl ich mich jedes Halbjahr beworben habe, kam immer: kein Bedarf, alle Stellen besetzt. Als ich im Schulamt anrief, ging nie einer ans Telefon. Ich bin einmal persönlich vorbei. Alle Kaffeetrinkend völlig genervt, dass da einer persönlich kommt und sehr unfreundlich abserviert worden.

Bin jetzt in einem anderen Bundesland an einer Grundschule. Da auch sehr glücklich, wenn auch etwas traurig, nicht in der Heimat zu sein. Aber nun ja... Irgendwann muss man ja mal eine stabile und sichere Lebensgrundlage habe.

23.10.2018 01:03 Gabi 12

Die Schwerpunktsetzung der Sendung entspricht dem Schulalltag. Allen kritischen Stimmen zum Trotz, war Herr Holder überzeugend aussagefähig, hat Hintergründe für Entscheidungen beleuchtet und Lösungsansätze geboten. Seit langem mal ein Minister, der sich nicht scheut, an die Basis zugehen und auch kritische Stimmen aufnimmt. In den 14 Monaten seiner Amtszeit kann er nicht den Schwerbenhaufen kitten, den ihm seine Vorgänger von Göpel bis Matschie hinterlassen haben. Er ist keine Fehlbesetzung, wie so viele vor ihm. Frau Rosins Parteipolitik ist symptomatisch für dieses Land. Es geht oft nicht um die Sache, sondern nur darum, den politischen Gegner zu defarmieren. Könnten nicht alle Entscheidungsträger wenigstens dann an einem Strang ziehen, wenn es um Unsere Kinder und Jugendlichen geht?

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