Werkshalle eines Automobilzulieferers.
Werkshalle eines Automobilzulieferers (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zukunft der Autobranche Thüringer Autozulieferer geraten unter Druck

Die Automobilbranche in Thüringen steht vor der Herausforderung, sich für die Zukunft aufzustellen. Ob das gelingt, ist unter Kennern strittig.

von Wolfgang Hentschel

Werkshalle eines Automobilzulieferers.
Werkshalle eines Automobilzulieferers (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Thüringer Autozulieferindustrie gerät unter einen immer stärkeren Preis- und Innovationsdruck, sagt Uwe Laubach von der IG Metall und nennt die Situation "sehr kritisch". Es gebe zwar einige Leuchttürme, die stabil seien wie etwa die Bosch Fahrzeugelektrik GmbH. Viele kleinere Betriebe seien aber "unterkapitalisiert".

Uwe Laubach, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Westthüringen
Uwe Laubach, IG Metall Westthüringen Bildrechte: dpa

Es fehlten die Gelder, um neue Produkte zu entwickeln. Sie hätten nicht die Kraft, den Transformationsprozess zur Elektromobilität zu überstehen. Und dieser Prozess habe bereits begonnen. "Wir stecken schon mitten drin."

In Thüringen arbeiten gut 50.000 Beschäftigte in der Automobilbranche. Die Firmen erwirtschaften rund neun Milliarden Euro Umsatz. Die Branche ist eine Schlüsselindustrie in Thüringen.

Dass in Westthüringen Arbeitsplätze nach und nach verloren gehen, scheint die Landesregierung hinzunehmen

Laubach forderte die Landesregierung auf, sich mehr um die Probleme der Autozulieferindustrie gerade in Westthüringen zu kümmern. Nach Angaben des Gewerkschafters sind in den letzten Jahren in der Region Eisenach bereits 1.500 Stellen weggefallen. Die Landesregierung schaue immer auf die Leuchttürme Erfurter Kreuz und Jena.

Skepsis beim Branchenverband

Michael Militzer
Michael Militzer, Vorsitzender des Branchenverbandes Automotive Thüringen Bildrechte: dpa

Sorgen um die Zukunft des Automobilstandortes Thüringen macht sich auch Michael Militzer, Vorsitzender des Branchenverbandes Automotive Thüringen (at). Seinen Angaben nach produziert etwa die Hälfte der Zulieferer im Land Teile für den Antriebsstrang von Autos mit einem Verbrennungsmotor. "Die Gefahr ist nicht, dass die E-Mobilität sofort kommt", sagt Militzer. Die Verbrennungsmotoren würden noch weiter nachgefragt. "Die Frage ist aber, wo werden die gebaut."

Nach Angaben des at-Chefs gibt es einen starken Trend, die Produktion von Zulieferteilen für den Verbrenner aus Kostengründen nach Asien zu verlagern. Hinzu komme, dass sich die Autohersteller nicht mehr so lange wie bisher an einen Autozulieferer vertraglich binden würden.

Für die Zulieferer gibt es keine Verlässkeiten mehr

Michael Militzer, Verband Automotiv Thüringen

Die Folgen dieses Preisdrucks seien Insolvenzen, auch in den westdeutschen Bundesländern. "Die Frage ist, wer fällt früh vom Hocker", so Militzer.

Studie zu optimistisch

Der at-Vorsitzende hält eine im letzten Jahr vorgelegte Studie zur Thüringer Zulieferindustrie für zu optimistisch. Demnach kann Thüringen künftig ein Innovationsstandort für neue Fahrzeuge und Antriebstechnologien werden. Unter anderem dank seiner Stärken in den Bereichen Sensorik und Opto-Elektronik. Erstellt wurde die Studie vom Chemnitz Automotive Institute (CATI) im Auftrag der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft.

Nach Ansicht von Militzer fehlt den Thüringer Firmen aber das Kapital und das Personal, um entsprechende Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu leisten. Große Hersteller wie VW arbeiteten hier mit ihren alten Partnern zusammen, nicht mit kleinen Firmen aus Thüringen

Fördermittel für kleinere Unternehmen

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zeigte sich dagegen optimistischer. Die Autohersteller gingen in die USA und nach China und nähmen dabei die Zulieferer mit. Parallel gebe es den Transformationsprozess hin zu neuen Antriebstechnologien. Laut Tiefensee zeigt aber die CATI-Studie sehr wohl Entwicklungschancen für die Thüringer Zulieferindustrie auf. Wenn es gelinge, mehr in Innovationen, in neue Maschinen und in die Qualifizierung der Mitarbeiter zu investieren, dann sollte es möglich sein, die Transformation Schritt für Schritt zu meistern. "Das ist ein schwerer Weg, aber er muss nicht nur in Thüringen, sondern auch in anderen Bundesländern gegangen werden", so Tiefensee.

Wolfgang Tiefensee
Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee Bildrechte: dpa

Nach Angaben des Wirtschaftsministers stehen für die Umstrukturierung gerader kleiner Unternehmen Fördergelder der Europäischen Union bereit. Außerdem müssten die Zulieferer noch stärker mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Klar ist laut Tiefensee aber auch:

Zu allererst ist hier die Industrie selbst gefragt, sie muss sich darauf einstellen.

Wolfgang Tiefensee, Wirtschaftsminister

Tiefensee wies zudem die Vorwürfe der IG Metall zurück, er kümmere sich nicht um die westthüringer Autozulieferer. Er habe die Branche in ganz Thüringen im Blick. Er wisse auch um die Bedeutung des westthüringer Automobilclusters mit dem Hersteller Opel und vielen Zulieferern.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Februar 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2019, 14:54 Uhr

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17 Kommentare

11.02.2019 07:36 Möwe 17

@Max W. Nr.15 Zitat:"Sie haben keine Ahnung von Betriebswirtsschaft und das reichlich. Dafür aber offenbar AfD-"Thesenpapiere" gelesen."
Totschlagargumente, wenn man sonst keine hat!
typisches Gewerkschaftsgeschwafel. Immer schön den Mitgliedern einreden, dass alles ungerecht ist. Man muss sich nur mal den Tarifvertrag der IG Metall anschauen und dann die unterste Lohngruppe für Ungelernte. Aber weiter so und vor allen in schlechten Zeiten darauf bestehen, was in guten Zeiten dazugekommen ist.

10.02.2019 18:35 Frührentner 16

dem hohlen Frasendrescher wie das Max W. - Quatsch! sei mitgeteilt die Ostrenten sind von 2010 bis 2019 um mindestens 31,22 % gestiegen - auch wenn dich seitenweise gerne selber liest sollte MDR nicht jede Unwahrheit verbreiten!

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