Polizei Thüringen SoKo zu ungeklärten Kindstötungen nimmt Arbeit auf

Ein DNA-Fund des mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt nahe der sterblichen Überreste von Peggy schreckt auf. Gab es Parallelen zu Kindstötungen in Thüringen? Die Polizei will nun ungeklärte Fälle mit einer Sonderkommission erneut untersuchen. Unterdessen sorgt im Fall Peggy ein angeblicher Hassbrief für neues Aufsehen.

In Thüringen hat am Montag eine neue Sonderkommission der Polizei die Arbeit aufgenommen. Die in Jena angesiedelte Soko soll in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Gera die Fälle ungeklärter Kindstötungen in Thüringen seit 1990 neu untersuchen. Geleitet wird sie von Polizeidirektor Lutz Schnelle. Der 50-Jährige war zuletzt im Thüringer Innenministerium als Referent für Organisationsfragen zuständig. Zuvor leitete Schnelle sieben Jahre lang die Saalfelder Kriminalpolizeiinspektion.

Reaktion auf Böhnhardt-DNA am Peggy-Fundort

Die Thüringer Polizei reagiert damit auf die am Fundort der sterblichen Überreste der getöteten Peggy sichergestellten DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Die Ermittler im Fall der 2001 verschwundenen Neunjährigen aus dem oberfränkischen Lichtenberg hatten in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass in der Nähe der in Südostthüringen gefundenen Skelettteile des Mädchens Böhnhardts DNA nachgewiesen wurde.

Parallelen zu Fällen in Jena untersucht

Der DNA-Fund könnte nach Überlegungen der Ermittler möglicherweise auf Parallelen zum Fall eines getöteten Neunjährigen 1993 in Jena hinweisen. Der Junge wurde erst zwölf Tage nach seinem Verschwinden tot am Saale-Ufer in einem Gebüsch gefunden. Damals war der aus Jena stammende Böhnhardt bereits als Tatverdächtiger in das Visier der Ermittler geraten. Ihm konnte jedoch nichts nachgewiesen werden.

Auch der Mörder der damals zehnjährigen Ramona K. aus Jena-Winzerla wurde nie gefasst. Sie verschwand im Sommer 1996, ihre Leiche wurde im Januar 1997 in einem Waldstück entdeckt. Der dritte Fall betrifft das Mädchen Stephanie D. aus Weimar. Sie war 1991 tot unter der Teufelstalbrücke der Autobahn 4, rund 20 Kilometer östlich von Jena entdeckt worden. Der Täter hatte das Kind offensichtlich von der Brücke geworfen.

Ermittler wollen Weg von Böhnhardt-DNA nachvollziehen

Unterdessen schließt die Staatsanwaltschaft Bayreuth nach dem Fund der DNA-Spur Böhnhardts am Fundort von Peggy eine Verunreinigung der Probe auch weiterhin nicht aus. Die Ermittler wollen daher den Weg der Spur genau nachvollziehen. "Wie ist sie an den Fundort gekommen und wie zur Untersuchung?", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Montag. Es müsse zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass die DNA-Spur durch einen Zufall oder aus Versehen mit dem Fall Peggy in Verbindung gebracht wurde.

Angeblich rechter Hass-Brief an Peggys Mutter

Im Zusammenhang mit dem Mordfall der neunjährigen Peggy aus Oberfranken soll nach Medienberichten ein rechter Hass-Brief an die Mutter des Mädchens aufgetaucht sein. Wie die "Bild"-Zeitung am Montag berichtete, hatte die Mutter wenige Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter im Mai 2001 ein anonymes Schreiben erhalten, das laut einem Aktenvermerk der damaligen Soko "Peggy" beleidigend und "offensichtlich von einem äußerst rechts orientierten Menschen" verfasst worden war. Offenbar habe der Absender auf den Übertritt von Peggys Mutter zum Islam angespielt, hieß es weiter in dem Bericht. Das Schreiben sei Teil der Ermittlungsakten.

Ob es tatsächlich einen solchen Brief gibt, wollte Die Anwältin der Mutter, Hoyer, weder dementieren noch bestätigen. Es sei wahr, dass der damalige Lebensgefährte der Mutter Türke war und ihre Mandantin sich dem Islam zugewandt habe. Sie habe auch ein Kopftuch getragen, sagte Hoyer. Offen ließ sie, ob die Mutter tatsächlich auch konvertiert sei. Auch die Staatsanwaltschaft Bayreuth wollte die Existenz eines solchen Briefes nicht bestätigen und verwies laufende Ermittlungen.

Mutmaßliches NSU-Terror-Trio

Der aus Thüringen stammende Rechtsextremist Böhnhardt soll mit seinem mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos jahrelang unerkannt gemordet haben - hauptsächlich aus fremdenfeindlichen Motiven. Mundlos und Böhnhardt töteten sich laut Ermittlern im Herbst 2011 nach einem Banküberfall selbst, um einer Festnahme zu entgehen. Zschäpe stellte sich kurze Zeit der Polizei. Sie steht seit fast dreieinhalb Jahren als Hauptangeklagte im Münchener NSU-Prozess vor Gericht.

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2016, 19:42 Uhr