Sommerinterview Mario Voigt von der CDU im Portrait

Auch in diesem Sommer führt Moderator Lars Sänger wieder Interviews mit den Thüringer Spitzenpolitikern. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Voigt stand ihm Rede und Antwort. Hier stellen wir den CDU-Politiker vor.

Mario Voigt
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Voigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mario Voigt ist erst 43 Jahre und dennoch schon ein alter Hase im Thüringer Politikgeschäft: Der gebürtige Jenaer sitzt seit 2009 im Landtag. In den Jahren zuvor und seitdem hat er eine beispielhafte Karriere in der Thüringer CDU hingelegt: Landesvorsitzender der Jungen Union, Kreisvorsitzender der CDU im Saale-Holzland-Kreis, stellvertretender Landesvorsitzender, Generalssekretär und jetzt, seit März 2020, Fraktionsvorsitzender der CDU. Voigt hat Alle und Alles politisch er- und überlebt in dieser Zeit - obwohl, oder vielleicht gerade weil er Landespolitik viele Jahre quasi nur nebenberuflich betrieben hat. Mario Voigt ist promovierter Politikwissenschaftler, hat einst für eine international angesehene Werbeagentur als Strategieberater den Wahlkampf von Angela Merkel betreut, ist in ähnlicher Position immer noch aktiv und lehrt seit 2017 als Professor für Digitale Transformation und Politik an der privaten Fachhochschule Quadriga in Berlin.

Mario Voigt (CDU) 33 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 18.08.2020 11:00Uhr 33:24 min

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Der Seriensieger in einer abgestürzten Partei

Voigt ist ein Seriensieger - zumindest wenn es um das Direktmandat in seinem Wahlkreis geht. Seit Voigt 2009 das erste Mal im Saale-Holzland-Kreis antrat, konnte ihn kein Herausforderer schlagen. 2019 sicherte er sich zum dritten Mal in Folge den direkten Einzug in den Landtag. Und dennoch: Der jüngste Wiedereinzug dürfte für Mario Voigt, einem CDUler durch und durch, mit einem extrem faden Beigeschmack verbunden gewesen sein. Seine CDU, die einst so stolz das Land allein regiert hat, ist abgerutscht auf 21,7 Prozent. Das schlechteste Ergebnis aller Zeiten in Thüringen. Nur noch drittstärkste Kraft im Landtag. Am rechten Rand überholt von der Höcke-AfD.

Voigt als Chef des CDU-Scherbenhaufens

Die Thüringer CDU steht vor einem Scherbenhaufen und Mario Voigt soll ihn aufkehren. Als nach Landtagswahl und Regierungskrise der bis dato allmächtige Mike Mohring erst das Vertrauen und dann seine Ämter verliert, ist es der 43-jährige Hochschul-Professor mit Affinität zum Fußball, dem als einer der Wenigen zugetraut wird, die Partei zurück zu alter Stärke zu führen. Voigt lässt sich auf den Fraktionsvorsitz ein; nicht aber ohne diesen Schritt lange durchdacht zu haben. Denn der Zeitpunkt, mehr Verantwortung in der Thüringer CDU zu übernehmen, ist alles andere als optimal. Die Christdemokraten sind in der Oppositionsrolle gefangen und haben gleichzeitig ihre Bereitschaft erklärt, in begrenztem Umfang mit der rot-rot-grünen Minderheitsregierung zusammenzuarbeiten. Voigt ist also ausgerechnet in einer Zeit für die Neu-Profilierung der Thüringer CDU verantwortlich, in der Erfolge zwar messbar, aber nur schwer zuordenbar sind.

Voigt will Thüringen zum digitalen Spitzenland machen

Voigt blickt nach vorne und glaubt, die Themen zu kennen, die das Land und seine Partei voranbringen. Als wichtigstes Ziel nennt er, den ländlichen Raum stärken zu wollen. "Das bedeutet, dass Thüringen digitales Spitzenland werden muss", so Voigt. Die Stichworte: Schnelles Internet überall, digitale Verwaltung und digitale Bildungsangebote. Der neue, starke Mann an der Spitze der Thüringer CDU erklärt: "In fünf Jahren sollte es in Thüringen keinen Unterschied mehr bei Kindergartenplätzen, Schulen, Mobilität und der Finanzierung der Gemeinden machen, ob ich auf dem Land oder in der Stadt lebe."

Fazit:

Das Mohring-Erbe ist kein leichtes. Und noch ist völlig offen, ob halbes Leid - denn den Landesvorsitz von Mohring wird nicht Voigt, sondern vermutlich der ehemalige Ostbeauftrage Christian Hirte übernehmen - auch wirklich geteiltes Leid bedeutet. Nur wenn es Voigt gelingt, die Partei über die Arbeit der Fraktion wieder mehr zu profilieren, kann bei der vermutlich 2021 anstehenden Neuwahl der Weg aus der Krise geschafft werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. August 2020 | 19:00 Uhr

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