Sommerinterview Thomas Kemmerich von der FDP im Portrait

Auch in diesem Sommer führt Moderator Lars Sänger wieder Interviews mit den Thüringer Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern. Am 11. August stand ihm der FDP-Landesvorsitzende Thomas Kemmerich Rede und Antwort.

Thomas Kemmerich
FDP-Landeschef Thomas Kemmerich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kemmerich: Landes- und Fraktionsvorsitzender der FDP

Es sind die vier Tage im Februar 2020, die das Leben von Thomas Kemmerich rapide verändert haben. Der Mann aus Nordrhein-Westfalen ist in dieser Zeit als sechster, aber auch als umstrittenster und am schnellsten zurückgetretener Ministerpräsident in die Thüringer Landesgeschichte eingegangen. Kemmerich ist seit 2006, als er in die FDP eintrat, politisch aktiv. "Es war einfach Zeit, selbst etwas zu tun", erinnert er sich. Viel zu viele Menschen in Deutschland meckerten immer nur, statt selbst zu handeln. Auch die Worte seines einstigen Geschichtslehrers klangen ihm in den Ohren: "Dass in Deutschland so schlimme Dinge wie unter den Nationalsozialisten passieren konnten, lag daran, dass sich zu wenige engagierten." Für die FDP saß beziehungsweise sitzt er im Erfurter Stadtrat, im Thüringer Landtag und im Bundestag. Derzeit ist Kemmerich Landes- und Fraktionsvorsitzender der FDP.

Kurzzeit-Ministerpräsident im Februar

Bis zu den Tagen im Februar war Thomas Kemmerich eine im Wesentlichen nur regional wahrgenommene Polit-Figur. Über Nacht hat es der siebenfache Vater dann aber zu zweifelhafter, bundesweiter Bekanntheit gebracht. Seine zumindest auf den ersten Blick überraschende Wahl zum Thüringer Ministerpräsidenten am 5. Februar war unter anderen durch die Stimmen der AfD-Fraktion zustande gekommen. Ein Vorgang, der in weiten Teilen der Öffentlichkeit als politischer Tabubruch und als erste Kooperation bürgerlicher Parteien mit Rechtsextremen seit der Weimarer Republik eingeschätzt worden war. Drei Tage nach seiner Wahl im Landtag war Kemmerich unter großem Druck aus Politik, Kultur und Gesellschaft zurückgetreten. Seither befindet sich die Thüringer FDP in der Wählergunst im Sinkflug: Zuletzt sahen Umfragen die Liberalen bei nur noch drei beziehungsweise vier Prozent.

Frisörketten-Betreiber wird Ministerpräsident

Vom Frisörketten-Betreiber zum Ministerpräsidenten: Die Vita von Thomas Kemmerich liest sich durchaus unterhaltsam. Neben seinen privatwirtschaftlichen und politischen Bestrebungen hat der 55-Jährige weitere, markante Steckenpferde: Den Karneval und den Hang zu extravaganter Kleidung - Kemmerich zeigt sich gern in Cowboy-Stiefeln. Kemmerich, 1965 in Aachen geboren, ist gelernter Groß- und Einzelhandelskaufmann, hat außerdem Jura studiert und seit 1991 seinen Lebensmittelpunkt in Weimar. Von der Klassikerstadt aus übernahm er damals bis dahin staatseigene Friseurbetriebe in Weimar, Rudolstadt und Sömmerda, und wandelte diese zur Kette "Friseur Masson" um. Bis heute ist Kemmerich Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

FDP setzt thematisch auf Digitalisierung, Breitbandausbau und Bildung

Was die politischen Inhalte und Ziele angeht, setzt die Thüringer FDP unter Vorsitz von Kemmerich auf sogenannte Zukunftsthemen: Digitalisierung, Breitbandausbau und Bildung. Schon vor der Corona-Krise hatte sich Kemmerich dafür ausgesprochen, dem Lehrermangel in Thüringen unter anderem durch den Ausbau von Online-Unterricht zu begegnen. Mit Blick auf die Versorgung im Land mit schnellem Internet erhebt der FDP-Chef schwere Vorwürfe: "Den Breitbandausbau hat die Landesregierung regelrecht verschlafen."

Fazit:

Thomas Kemmerich ist zur tragischen Figur der Thüringer Landespolitik geworden. Ein Schicksal, das er in den Augen vieler Beobachter selbst zu verantworten hat. Wie es mit seinen politischen Ambitionen weitergeht, ist derzeit noch ungewiss. Bleibt Kemmerich Landesvorsitzender der FDP? Und: Wird er wieder Spitzenkandidat 2021? Noch fehlen darauf die Antworten und noch fehlen den Liberalen die personellen Alternativen zu Kemmerich.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. August 2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Thüringen