Sommerinterview Bodo Ramelow von der Linken im Portrait

Auch in diesem Sommer führt Moderator Lars Sänger wieder Interviews mit den Thüringer Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern. Am 28. August (11 Uhr) steht ihm Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) Rede und Antwort.

Bodo Ramelow
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"West-Import" und "Seiteneinsteiger": Bodo Ramelow, der gebürtige Niedersachse, steht inzwischen spürbar über diesen Vorurteilen, die ihn lange Jahre begleitet haben. Seit mittlerweile 30 Jahren ist der heute 64-Jährige in Thüringen zuhause. Eine Zeit, in der er tiefe Spuren hinterlassen hat: Zunächst als Gewerkschafter, dann als Oppositioneller und nicht zuletzt als Ministerpräsident. Dabei galt Ramelows erste Wahl 2014 noch als Sensation und gleichzeitig als Experiment: Der ersten Linke-Ministerpräsident Deutschlands und eine rot-rot-grüne Landesregierung. Was für Kritiker zum Scheitern verurteilt war, hielt eine komplette Legislaturperiode. Es folgten: Die Landtagswahl 2019, die gescheitere Regierungsbildung samt anschließender Krise mit Kurzzeit-Nachfolger Thomas Kemmerich und Ramelows zweite Wahl zum Landesvater.

Zwischen Staatsmann und Choleriker

Bodo Ramelow ist ein Mann der Extreme. Auf der einen Seite der Staatsmann, der verbal die Welt umarmt und dabei derart versöhnlich auftritt, dass Beobachter ihn - den Linken-Vorzeige-Politiker - gern scherzhaft als besten Sozialdemokraten des Landes bezeichnen. Unvergessen sind beispielsweise Ramelows Reden im Rahmen des Buchenwald-Gedenkens und im Zuge der Aufarbeitung der NSU-Morde. Ramelow, der Mahner, Büßer und Einfühlsame. Auf der andere Seite: Ramelow, der Choleriker, Egozentriker und Aggressive. Denn auch das ist der Ministerpräsident: Ein Mann, der sich Entgleisungen und Provokationen leistet, die dem Amt nicht gerecht werden. Jüngst der "Stinkefinger" im Landtag, ein abgebrochenes Interview und einsam getroffene Entscheidungen, die so manchen Weggefährten, Kollegen und Mitarbeiter ratlos zurückgelassen haben sollen.

Exot in der Linkspartei

Ratlos auch, weil unbestritten gilt: Ramelow ist nicht die Linke und die Linke ist nicht immer Ramelow. Er sagt dazu: "Ich bin gerne der Kieselstein im Schuh meiner Partei" und ergänzt: "Ich habe gesagt, ich will ein neues politisches Modell etablieren, nämlich drei Parteien auf gleicher Augenhöhe. Ich sage: Mehr Demokratie und weniger Parteibuch wagen. Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als uns Parteibücher oder Parteiprogramme aufschreiben." Ramelow weiß um seine Bedeutung in den eigenen Reihen, in denen er durchaus als Exot gelten darf. Nicht nur, weil es außer ihm bislang kein anderer Linker an die Spitze einer deutschen Landesregierung geschafft  hat. Auch, weil Ramelow als praktizierender Christ in seiner ansonsten atheistisch geprägten Partei eine Ausnahme darstellt.

31 Prozent der Stimmen - der Erfolg gibt ihm Recht

Eine Ausnahme, die offenbar als Erfolgsrezept gelten darf. Die 31 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl 2019 haben die Thüringer Linken erstmals zur stärksten Kraft im Landtag gemacht. Auch - und vermutlich sogar vor allem - dank Bodo Ramelow als Zugpferd. Doch damit noch nicht genug. Er und die Linken sind,  was die Zustimmungswerte angeht, sogar gestärkt durch Regierungs- und Corona-Krise gekommen. Ausnahmslos alle Umfragen seit der Wahl im vergangenen Herbst weisen für die Linken noch bessere Werte aus, als das Wahlergebnis.

Fazit:

Für die Thüringer Linken ist Ramelow ganz viel Segen, aber auch ein wenig Fluch zugleich. Die Partei ist in Thüringen vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie mit Bodo Ramelow den beliebtesten Politiker des Landes ins Rennen um Wählerstimmen schicken kann. Das belegen die höchst unterschiedlichen Ergebnisse der Partei bei Wahlen auf Landes-, Bundes- oder Europa-Ebene in Thüringen. Gleichzeitig zwingt Ramelow mit seinem persönlichen Erfolg seine Partei aber auch zu Kompromissen, die die Sozialisten unter anderen Umständen möglicherweise nicht eingehen würden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. August 2020 | 19:00 Uhr

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