Sommerinterview Matthias Hey von der SPD im Portrait

Auch in diesem Sommer führt Moderator Lars Sänger wieder Interviews mit den Thüringer Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern. Am 14. August stand ihm der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Hey Rede und Antwort.

Matthias Hey 32 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 14.08.2020 11:00Uhr 32:23 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Matthias Hey passt so gar nicht zum großen Rest der SPD: Er ist dauerhaft erfolgreich und gewinnt Wahlen. 2019 hat der 50-Jährige das einzige Direktmandat für die Sozialdemokraten errungen. Sein Wahlkreis - Gotha II - wirkt daher fast wie ein gallisches Dorf auf der ansonsten um Sozialdemokraten ausgedünnten politischen Thüringenkarte. Hey brennt für seine Region. Kein Wunder: Er ist dort aufgewachsen und nie weggegangen.

Nah an der SPD-Basis

Die SPD hat die Basis verloren. Eine Analyse, die zur Floskel geworden ist. Sie wird nach verloren gegangenen Wahlen bundesweit inzwischen fast reflexartig hervorgeholt, wenn einmal mehr das Schrumpfen der ehemaligen Volkspartei erklärt werden muss. Dass das im Speziellen nicht für Matthias Hey gilt, liegt möglicherweise daran, dass der Mann mit Hang zum Lesen und zum Nougatnaschen selbst lange Zeit an der Basis gearbeitet und das Ohr immer noch dort hat. Sein Abgeordnetenbüro ist das einzige in Gotha, das wochentags zwischen 10 und 18 Uhr durchgängig geöffnet ist.

Hey hat Drucker gelernt, bis zur Wende als solcher gearbeitet und danach umgeschult. Eine Vita, wie sie beispielhaft für viele Ostdeutsche steht. Hey versteht vielleicht auch deshalb besser als andere Politiker die Lebensläufe der Menschen vor Ort. "Wenn ich ein Patent hätte, wie man sowas macht und ein Direktmandat erringt, dann würde ich es in Dosen abfüllen und würde es ans Willy-Brandt-Haus schicken", sagt Matthias Hey leicht verschmitzt.

Hey ist ein SPD-Politiker, der das Siegen nicht verlernt hat

Politiker ist Matthias Hey erst seit 2006. Bis dahin hatte der mittlerweile zum Steuerfachwirt Umgeschulte beim Finanzamt in Gotha seinen Dienst verrichtet. Was dann beginnt, ist eine klassische Parteikarriere - aber auf der Überholspur. 2009 Ortsvereinsvorsitzender und Direktkandidat für den Landtag, 2013 stellvertretender Fraktionschef und schließlich, seit 2014, alleiniger Fraktionschef. Heys schlagende Argumente für diesen Aufstieg sind seine extrem positiven, persönlichen Wahlergebnisse. Bei der Landtagswahl 2019 beispielsweise sicherte er sich beachtliche 38,2 Prozent der Erstimmen. Im selben Wahlkreis gaben nur 16,2 Prozent der SPD ihre Zweitstimme. Heißt im Umkehrschluss: Nicht Gotha ist eine SPD-Hochburg, sondern Matthias Hey ist die SPD in Gotha.

Bodenständig und bescheiden

Persönliches ist über Matthias Hey wenig bekannt. Privatsphäre ist ihm wichtig. Er hält seine Familie aus der Öffentlichkeit fern. Und die Familie ist es wohl auch, für die der gelernte Drucker auf eine noch steilere Karriere in der Thüringer SPD bisweilen verzichtet hat. Zu gern hätten ihm - der sozialdemokratische Politik noch erfolgreich verkaufen kann - die Genossen längst den Landesvorsitz angetragen. Oder ein Ministeramt. Aber Hey hat stets abgelehnt. Selbst den Fraktionsvorsitz soll er nicht mit offenen Armen empfangen haben. Die Bescheidenheit bei der Ämtervergabe ist eine Seltenheit im Politikgeschäft. Matthias Hey pflegt diese Bescheidenheit, selbst wenn ihm mancher Genosse dies als Schwäche und Flucht vor der Verantwortung auslegen mag.

Fazit:

Quo vadis, SPD Thüringen!? Landeschef Wolfgang Tiefensee hat seinen Rückzug angekündigt. Matthias Hey wäre ein logischer Thronfolger gewesen. Und er wäre in den Augen vieler Beobachter und Kollegen - nicht nur aus den eigenen Reihen, was für die hohe Akzeptanz des Gothaers über Parteigrenzen hinaus spricht - auch ein geeigneter SPD-Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl gewesen. Doch in die wird aller Wahrscheinlichkeit nach Georg Maier die Thüringer SPD als Spitzenkandidat führen. Und Maier gilt auch als Favorit auf das Amt als neuer Landesvorsitzender. Der designierte neue, starke Mann der Thüringer Sozialdemokraten kommt aus Baden-Württemberg und macht - das hat er mit Hey gemeinsam - erst seit einigen Jahren aktiv Politik. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden ist: Maier nimmt die Stufen auf der Karriereleiter - der Thüringer lässt sie aus.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14. August 2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Thüringen