Mehrere Wohnblöcke, davor eine Baumgruppe.
In Thüringen gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Soziales Immer weniger Sozialwohnungen in Thüringen

Die Zahl der Sozialwohnungen ist seit Jahren rückläufig. Während jahrelang kaum neue gebaut wurden, verlieren ältere Sozialwohnungen oft nach drei Jahrzehnten ihren Status und werden regulär auf dem Markt vermietet.

Mehrere Wohnblöcke, davor eine Baumgruppe.
In Thüringen gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Zahl der Sozialwohnungen in Thüringen ist erneut gesunken. Ende 2018 gab es rund 15.800 und damit 1.400 weniger als ein Jahr zuvor. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf Anfrage der Linksfraktion hervor.

Damit setzt sich ein anhaltender Trend fort. Fast 62.600 solcher staatlich geförderten Wohnungen gab es im Jahr 2005. Nach einer bestimmten Zeit - meist nach 30 Jahren - fallen sie aus dem Programm und können regulär am Markt vermietet werden. Da jahrelang keine neuen Wohnungen gebaut wurden, sinkt die Gesamtzahl der Sozialwohnungen.

Haushaltseinkommen zentrales Kriterium

Bei Sozialwohnungen sind die Mieten staatlich reguliert. Anspruch haben Menschen, bei denen die Behörden einen besonderen Bedarf sehen. Zentrales Kriterium ist das Haushaltseinkommen. In der Regel dürfen die Mieter auch dann in der Sozialwohnung bleiben, wenn sie nach einiger Zeit mehr verdienen. 

Zuletzt wurden in Thüringen wieder mehr Wohnungen gebaut. Nach Angaben des Bauministeriums entstanden im Jahr 2018 230 neue Sozialwohnungen - und damit doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Das Thüringer Infrastrukturministerium nennt dafür Landesfördermittel von 50 Millionen Euro jährlich. Das reicht aber nicht, um die Gesamtzahl konstant zu halten. Auch bundesweit sank die Zahl der Sozialmietwohnungen um rund 42.500. Insgesamt gab es zum Jahresende 2018 fast 1,18 Millionen.

Bedarf an Wohnungen steigt

Gleichzeitig wächst aber nach Angaben des Thüringer Infastrukturministeriums der Bedarf an Sozialwohnungen. Ministerin Birgit Keller (Linke) verwies darauf, dass sich der Wohnungsmarkt im Land sehr unterschiedlich entwickle, aber vor allem die Lage in Weimar, Jena und Erfurt zunehmend angespannter werde.

Auch nach Angaben des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft ist die Nachfrage regional sehr unterschiedlich. Es gebe auch Städte und Gebiete mit so schwacher Nachfrage und niedrigen Mieten, dass sie das Niveau von Sozialwohnungen erreichten. Die Folge: Bei mehreren tausend Wohnungen, die eigentlich als Sozialwohnungen gebaut worden sind, ruht zurzeit die so genannte Belegungsbindung. Das heißt, der Eigentümer darf mit Genehmigung der Behörden diese Wohnungen frei vermieten.

Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde mit den Angaben von Ministerium und Verband aktualisiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. August 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 18:24 Uhr

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2 Kommentare

14.08.2019 16:48 martin 2

@1 critica: Wo wird mit Tausend-Euro-Scheinen geworfen? Da würde ich mich glatt blicken lassen ....

14.08.2019 09:40 Critica 1

Ist schlimm. Aber Sozialwohnungen bauen zu lassen bedarf guter Vorbereitungen durch Kommunen und Politik. Doch wer will das schon? Dann wirft man sozial Bedürftigen lieber Tausendeuroscheine hinterher. Geht einfacher.

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