Erschwerte Bedingungen Thüringer Spitzensportler in der Corona-Krise

CORONA - es wird wohl DAS Wort des Jahres 2020 werden. Jeder ist in irgendeiner Art und Weise von der Corona-Krise betroffen. Sei es an der Arbeit, in der Familie oder beim Sport. Auch unsere Thüringer Spitzensportler mussten in den letzten Monaten erstmal mit der neuen Situation umgehen lernen. Wie haben sie die besondere Situation gemeistert und gab es für die Thüringer Top-Sportler überhaupt große Einschränkungen?

Die Rennsteigarena in Oberhof. Im Innenraum des Skistadions wird Schnee verteilt
Thüringer Biathleten könnten in diesem Jahr einen Weltcup in Oberhof vor leeren Rängen erleben. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Normalerweise genießen die Thüringer Wintersportler nach der langen Saison im April ihren wohl verdienten Urlaub. Eine Fernreise. Mal an den Strand. Sonst bleibt dafür oft nur wenig Zeit. In diesem Jahr ist alles anders. Der Urlaub findet zuhause statt. Fahrradtouren mit der Familie durch den Thüringer Wald. Oder einfach mal in der Heimat die Seele baumeln lassen.

Biathlon Bundestrainer Mark Kirchner findet das eigentlich gar nicht so schlecht. "Manchen Athleten hat man beim Trainingsstart im Mai angesehen, dass sie nicht am Strand in der Ferne gelegen haben, sondern schon früh fleißig zum Beispiel auf dem Rad gesessen haben."

Mark Kirchner
Mark Kirchner, Biathlon Bundestrainer. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So normal wie möglich

Auf jeden Fall ist der Bundestrainer um Normalität bemüht. Das Training trotz Corona-Krise so normal wie möglich gestalten ist die Devise.

"Ich denke man ist gut beraten, dass wir uns auf unser Tagesgeschäft konzentrieren. Das werde ich so handhaben und das werde ich auch meinen Athleten so mitgeben. Wir wollen uns möglichst gut vorbereiten auf den Winter, so wie sonst auch. Wir hoffen, dass unsere Lehrgänge stattfinden können oder wir ansonsten hier in der Heimat gut trainieren können. Was letztlich entschieden wird, wie die Wettkämpfe stattfinden, ob sie stattfinden, wo sie stattfinden, das liegt sowieso nicht in unserer Hand. Wir wollen bestmöglich vorbereitet sein und stellen uns auf die Sachen ein, die da kommen mögen", sagt Mark Kirchner. 

Schießen mit Abstand

Für seine Athleten hat der Trainingsalltag längst wieder begonnen. Für viele sogar fast so normal wie in Vor-Corona-Zeiten. "Wir haben im Mai wieder richtig angefangen mit dem Training. Da war es dann ja schon wieder so, dass wir auch den Kraftraum nutzen konnten. Beim Training in der Natur im Thüringer Wald da musste man auch keine Maske tragen oder befürchten, dass man zu vielen Menschen begegnet. Auf der Schießbahn kann man den Abstand auch gut einhalten. Von daher lief das Training ganz normal an", sagt Thüringens bester Biathlet der letzten Jahre, Erik Lesser.

Erik Lesser
Biathlet Erik Lesser des SV Eintracht Frankenhain. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Der Lokalmatador vom SV Eintracht Frankenhain geht sogar einen Schritt weiter: "Ich habe eigentlich von den Corona-Einschränkungen im Sport nichts mitbekommen. Das ist aber auch dem geschuldet, dass glücklicherweise Olympia dieses Jahr bei uns nicht auf dem Programm stand und wir auch in der Weltcupvorbereitung noch ganz am Anfang stehen."

Im Kraftraum mit Maske

Ähnlich sieht das im Skispringen aus. Auch für Juliane Seyfarth aus Ruhla hat das Training für die neue Weltcupsaison fast normal begonnen: "Am Anfang mussten die Trainer im Kraftraum eine Maske tragen. Wir haben die Geräte jedes Mal desinfiziert. Mit dem Springen haben wir jetzt aber wie geplant beginnen können und wir sind da gut aufgestellt."

Juliane Seyfarth (TSG Ruhla) springt zum Deutschen Meistertitel bei Skisprung DM Einzel Hinterzarten, 2018.
Juliane Seyfarth (TSG Ruhla) springt zum Deutschen Meistertitel in Hinterzarten, 2018. Bildrechte: IMAGO

Eine Olympiasiegerin allein im Wald

Auch Bob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka fühlt sich in ihrer Vorbereitung auf die neue Saison nicht grob eingeschränkt. Viel mehr war in der Anfangsphase Kreativität bei der Trainingsgestaltung gefragt. "Man hat dann halt im Wald seine Sprints gemacht und hat sich dort eine halbwegs gerade Fläche gesucht, wo man die ersten Einheiten machen konnte. Es war alles etwas improvisiert, aber es ging. Wir hatten da mehr Glück als andere Sportarten, die zum Beispiel eine Halle brauchen oder ein Schwimmbad. Es war ok", sagt Jamanka.

Annika Drazek und Mariama Jamanka
Mariama Jamanka (vorne) mit Annika Drazek. (Archivbild) Bildrechte: imago images/Ed Gar

Olympia-Traum vorerst geplatzt

Ganz anders sieht es bei den Athleten aus, die ihren Höhepunkt eigentlich bei den Olympischen Sommerspielen in diesem Jahr in Tokio feiern wollten. Für Turner Nils Dunkel war Tokio der große Traum, der nun vorerst geplatzt ist. "Die Trainingsbedingungen mussten sehr eingeschränkt werden. Und das noch vor der Olympia-Absage. Das war sehr schwierig. Wir konnten dann nur noch in einer kleinen Gruppe in der Halle stehen und da fehlte dann schon etwas die Motivation. Aber wir mussten weitertrainieren, für den Fall der Fälle, dass Olympia doch noch stattfindet. Als es dann abgesagt wurde ist mir dann auch ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich mich nicht unter diesen schweren Bedingungen auf so ein großes Event vorbereiten muss", sagt Dunkel erleichtert.

Turner Nils Dunkel am Barren
Turner Nils Dunkel am Barren. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Nun kann er nochmal neu den großen Anlauf auf Olympia in Tokio 2021 nehmen. Wie die Vorbereitung auf das Großevent aussieht ist allerdings noch nicht in Stein gemeißelt. "Das ist leider alles noch etwas unsicher. Wir haben ein paar Termine bekommen. Zum Beispiel sollen die Deutschen Meisterschaften noch nachgeholt werden. Die Europameisterschaften sollen im Dezember stattfinden. Aber es ist immer ein "Eventuell", denn wer weiß, was noch auf uns zukommt. Aber das große Ziel Olympia nächstes Jahr, das steht", sagt Turner Nils Dunkel.

Biathlon ohne Zuschauer?

Für die Wintersportler ist Olympia noch ein Stück weiter weg. Trotzdem wollen sie noch in diesem Jahr wieder Weltcups bestreiten. Die Biathleten haben schon Ende der letzten Saison ihre Erfahrungen mit "Geisterweltcups" ohne Zuschauer gemacht. Philipp Horn hat daran keine guten Erinnerungen. "Es fehlt einfach was", sagt die Thüringer Biathlon-Hoffnung aus Frankenhain. "Gerade in Oberhof vor dem Heimpublikum ist es immer etwas ganz besonderes und es wäre wirklich sehr schade, wenn das ohne Zuschauer stattfinden müsste", sagt Horn und drückt die Daumen, dass dieses Szenario möglichst nicht Wirklichkeit wird.

Philipp Horn, SV Eintracht Frankenhain
Philipp Horn vom SV Eintracht Frankenhain. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Vereinskollege Erik Lesser würde ein "Geisterweltcup" in Oberhof sicher nicht gefallen. Trotzdem sieht er die Sache aber realistisch: "Ich habe im Februar noch gedacht, so schlimm wird es nicht werden. Und dann ist es weltweit zum Lockdown gekommen. Ich kann es nicht einschätzen. Ich bin kein Arzt und kein Virologe. Wenn die Fachleute sagen, dass es so ist, dann müssen wir da in diesem Jahr irgendwie durch."

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Juli 2020 | 12:00 Uhr

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