Das Gebäude des Justizzentrums in Gera.
Ein Amtsrichter in Gera hat die Haftbefehle gegen zwei mutmaßliche Mafiamitglieder aufgehoben, denen Drogenhandel vorgeworfen wird. Bildrechte: dpa

Staatsanwaltschaft gegen Amtsgericht Ermittler beharren auf Haftbefehl zu Mafia-Verdacht

Die Haftbefehle gegen zwei mutmaßliche armenische Mafia-Mitglieder sind aufgehoben worden. Die beiden Männer wurden auf Anordnung des Amtsgerichts Gera bereits vor Weihnachten aus der Untersuchungshaft entlassen. Ihnen wird Drogenhandel vorgeworfen. Dagegen geht die Staatsanwaltschaft nun vor.

von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Das Gebäude des Justizzentrums in Gera.
Ein Amtsrichter in Gera hat die Haftbefehle gegen zwei mutmaßliche Mafiamitglieder aufgehoben, denen Drogenhandel vorgeworfen wird. Bildrechte: dpa

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) zeigte sich nach der Festnahme damals begeistert: "Das ist ein wichtiger Schlag im Kampf gegen kriminelle Clans in Thüringen", ließ er Mitte November vergangenen Jahres die Öffentlichkeit wissen. Zuvor hatte das Landeskriminalamt einen Ermittlungserfolg bekannt gegeben. Bei einer Razzia in Erfurt waren knapp 40 Kilogramm Marihuana und ein Kilogramm Crystal gefunden worden. Was die Ermittler als besonders wichtig einstuften, waren die beiden Tatverdächtigen, bei denen die Handschellen klickten. Denn die 31 und 26 Jahre alten Männer werden vom LKA der armenischen Mafia in Thüringen zugeordnet. Beide kamen noch am Tag der Polizeiaktion in Haft.

Staatsanwaltschaft legt Beschwerde ein

Doch nach Informationen von MDR THÜRINGEN durften die beiden kurz vor Weihnachten das Gefängnis unter Auflagen wieder verlassen. Das Amtsgericht Gera hatte die Haftbefehle gegen die Männer außer Vollzug gesetzt. Offiziell begründet wird dies damit, dass weder eine Fluchtgefahr noch eine Wiederholungsgefahr bestehe. Dabei sei entscheidend, dass die Beiden Familien in Erfurt hätten. Zudem müssten sie sich ja regelmäßig bei der Polizei melden. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Gera herrscht über diese Entscheidung keine große Begeisterung. Der für Organisierte Kriminalität zuständige Oberstaatsanwalt Thomas Riebel sagte MDR THÜRINGEN: "Gegen diese Entscheidung haben wir Beschwerde eingelegt." In Fahnder-Kreisen gibt es großes Unverständnis über das amtsrichterliche Vorgehen. Es sei ein falsches Signal in die kriminelle Szene, wenn bei diesen Drogenmengen die beiden mutmaßlichen Hauptverdächtigen aus der Untersuchungshaft entlassen würden, heißt es.

Frühe kriminelle Karriere

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr, wenn man den kriminellen Hintergrund der beiden Armenier beleuchtet. Die beiden nun entlassenen mutmaßlichen armenischen Drogenhändler sollen bereits eine kriminelle Karriere hinter sich haben. Die nahm ihren Anfang vor knapp zehn Jahren in einer Streetgang in Erfurt. Mehr als ein Dutzend junge Männer aus Armenien und Aserbaidschan hatten sich unter dem Namen "Joker" zusammengeschlossen. Ihr mutmaßliches Geschäft: Schutzgeld-Erpressung, Raub und Drogenhandel.

Verdächtige bei Mafia-Schießerei

Einige Jahre später löste "Joker" sich auf, doch die beiden Männer blieben in ihren kriminellen Strukturen scheinbar weiter aktiv. Bis zur der Juli-Nacht 2014, als in einer Erfurter Spielothek die Mafia-Schießerei ausbrach, deren Ursachen bis heute immer noch nicht genau geklärt sind. Damals wurden mehr als 20 Schüsse abgefeuert. Zwei Männer wurden schwer verletzt. Die beiden nun entlassenen mutmaßlichen Drogenhändler kamen mit neun anderen mutmaßlichen armenischen Mafia-Mitgliedern vor Gericht. Für die Beiden endete es glimpflich, das Verfahren gegen sie wurde eingestellt. Auf den Überwachungsvideos vor und in der Spielothek sind sie beide deutlich zu erkennen. Einer von ihnen soll sogar eine Waffe in der Hand gehabt haben. Letztendlich konnte aber eine Schussabgabe bei beiden nicht eindeutig geklärt werden. Doch noch während des Mafia-Verfahren am Landgericht Erfurt lief, kam es im Juni 2016 in Erfurt erneut zu einer Auseinandersetzung. Vor einem Nachtclub gingen mutmaßliche armenische Mafia-Mitglieder auf moldawischen Clanmitglieder los. Laut internen Polizeiakten, die MDR THÜRINGEN vorliegen, war auch einer der beiden Tatverdächtigen aus dem laufenden Drogenfall dabei.

Nun muss über die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Haftentlassung entschieden werden. So lange bleiben die beiden mutmaßlichen Mafiamitglieder auf freiem Fuß.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 10:55 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

16 Kommentare

16.01.2019 20:11 Halligalli 16

Irgend wie habe ich immer das Gefühl, die Gesetze sind von Profis für Kriminelle gemacht, die Gerichte entscheiden für die Kriminellen und der brave steuerzahlende Bürger, wird bei jedem Parkverbot Gnaden los abgezockt, nennt sich dann „Rechtsstaat“!

16.01.2019 15:19 Carola 15

[MDR Thüringen: Ihr Kommentar wird nicht veröffentlicht. Bitte geben Sie ein gültige Email-Adresse für evtl. Rückfragen der Redaktion an.]

Mehr aus Thüringen

Nachrichten

 Bodo Ramelow und Mike Mohring beim Thüringen-Duell des MDR zur Landtagswahl 2019 2 min
Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder