Gotha | Erfurt Tablets und W-Lan: Noch kein Geld an Schulen in Thüringen ausgezahlt

Der Hintergedanke ist kein schlechter, die Umsetzung aber umständlich: Mit dem "Digitalpakt Schule" sollen Bildungseinrichtungen in Thüringen zusätzliches Geld für die digitale Infrastruktur in ihren Gebäuden bekommen. Doch die Anträge, um das Geld zu erhalten, sind kompliziert, die entsprechenden Fortbildungen für Lehrer zeitaufwendig. Als erster Landkreis im Freistaat hat Gotha jetzt aber Gelder beantragt.

von Corinna Ritter und Juliane Maier-Lorenz

Ein Lehrer am Gymnasium, gibt Matheunterricht an einem Bildschirm.
Unterricht mit Smart Boards und Tablets: In einigen Schulen in Thüringen bereits Gang und Gäbe, in anderen noch Zukunftsmusik. Auch für die Anschaffung von digitalen Endgeräten können Gelder aus dem Digitalpakt verwendet werden. Bildrechte: dpa

In Thüringen hat der erste Schulträger Gelder aus dem "Digitalpakt Schule" beantragt. Es handelt sich um den Landkreis Gotha. Wie das Bildungsministerium MDR THÜRINGEN mitteilte, sollen damit zunächst neun Schulgebäude in Gotha, Neudietendorf, Ohrdruf, Molschleben, Tabarz und Friedrichroda mit Lan und W-Lan ausgestattet werden. Seit Juli dieses Jahres können Kommunen und private Schulträger im Freistaat Fördermittel für den Ausbau oder die Verbesserung der digitalen Vernetzung in Schulgebäuden erhalten. Geld aus dem "Digitalpakt Schule" kann auch für interaktive Tafeln, Laptops und Tablets fließen. Insgesamt 132 Millionen Euro bekommt Thüringen dafür vom Bund. 

Verbesserung der Netze an allen Schulen in Thüringen

Die Schulträger können mit einem Budget planen, das anhand der Schülerzahlen berechnet wurde. Der Kyffhäuserkreis will beispielsweise Schulen nach dem nötigen Ausbauvolumen für Lan und W-Lan auswählen. Es werde aber versucht, in allen Schulen die Netze und Netzwerke zu verbessern, so ein Sprecher des Landratsamtes. Wenn Netze und Breitbandanbindung kein digitales Arbeiten zulassen, sei der Einsatz von mobilen Endgeräten und digitaler Technologie nur sehr begrenzt möglich.

Digitalpakt Im Rahmen des Digitalpakts stellt der Bund Thüringen von 2019 bis 2024 knapp 132 Millionen Euro zur Verfügung. Der Freistaat will selbst noch einmal etwa 15 Millionen Euro beisteuern, der Landtag muss aber noch zustimmen. Mit dem Geld sollen vor allem Schulgebäude und -gelände digital besser vernetzt sein, Router und W-Lan installiert werden. Auch Laptops, Tablets und Smart Boards für den Unterricht können damit angeschafft werden. Allerdings stehen dafür pro Schule maximal 25.000 Euro zur Verfügung.

Kritik von Schulträgern

Der Landkreis Weimarer Land befürchtet, dass große Schulen benachteiligt werden könnten. Laut Förder-Richtlinie muss die digitale Vernetzung der Schulgebäude vollumfänglich gegeben sein. Es mache einen Unterschied, ob eine Schule vier oder 50 Klassenräume hat, so die Beigeordnete Jacqueline Schwikal. Nicht gefördert werden durch den "Digitalpakt Schule" Smartphones und der Betrieb sowie die Wartung der geförderten Schulserver und des W-Lan. Auch Kosten für die Verwaltung seien nicht förderfähig. Das kritisieren Schulträger. Marco Eberl, Vorsitzender der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland, sagte MDR THÜRINGEN, dass es aufgrund der Folgekosten einen "Digitalpakt 2" geben müsse. "Schon heute ist absehbar, dass wir für die pädagogische Arbeit an Schulen, aber vor allem auch die Endgeräte der Schüler, erneut Fördermittel brauchen", sagte Eberl.

Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung Mitteldeutschland
Marco Eberl, Vorsitzender der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drei Millionen Euro zusätzlich vom Land Thüringen

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat den Kommunen dafür für 2020 zusätzliche drei Millionen Euro vom Freistaat in Aussicht gestellt. Die Schulträger müssen mit den Anträgen auf Fördermittel aus dem "Digitalpakt Schule" umfangreiche Medienkonzepte der Schulen einreichen. Nach Einschätzung des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) haben einige Schulen erst begonnen, ihr Medienkonzept zu erstellen. Das ThIlLLM unterstützt Lehrer und Erzieher bei der Entwicklung des Medienkonzepts und hilft Schulträgern bei der Antragsstellung. Dafür sollen zusätzlich Mitarbeiter eingestellt werden.

Hoher Aufwand und fehlende Zeit

Schulleiter kritisieren indes den hohen Aufwand für das Medienkonzept. Außerdem fehle Zeit für Fortbildungen im Umgang mit der digitalen Technik. Herausforderung für Schulträger sei es, die Medienkonzepte auszuwerten und dann die Anträge zu formulieren. Laut Bildungsministerium hatten Vertreter von Schulträgern in einer Arbeitsgruppe das Verfahren ausprobiert. Ein Sprecher schätzt, dass die Gelder aus dem "Digitalpakt Schule" aufgrund der nötigen Ausschreibung von Planungs- und Baumaßnahmen mehrheitlich erst in zwei Jahren fließen. Einen festen Termin für die Anträge gebe es nicht. Die Bewilligung der Gelder ist bis zum Mai 2024 möglich.

Thüringen will im kommenden Jahr mit den anderen Bundesländern in einen Vermittlungsdienst investieren. Dieser Dienst soll sicherstellen, dass Schülerdaten anonymisiert werden, wenn digitale Infrastruktur genutzt wird. Lernplattformen, Portale und Cloud-Angebote will der Freistaat fördern. So können 20 Pilotschulen ab 2020 bereits die Thüringer Schul-Cloud nutzen.

Internetkabel am Breitbandanschluss
Schnelle Glasfaserleitungen sind notwendig, um Laptops und Tablets an Schulen nutzen zu können. Bildrechte: imago/Christian Ohde

"Schulen ans Netz" für schnelle Internetverbindungen

Kommunen und freie Schulträger können auch zusätzlich zum Digitalpakt Geld beantragen. Etwa im Rahmen der Länderinitiative "Schulen ans Netz" für schnelle Internetverbindungen. Nach Angaben des Wirtschaftsministerium haben bisher zehn Schulträger für rund 70 Schulen Interesse bekundet. Die Meldefrist endet am Freitag. Im Februar 2020 soll die Thüringer Aufbaubank über eine Förderung entscheiden.   

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 20. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2019, 05:00 Uhr

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