Stefan Gruhner
Stefan Gruhner will Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands werden. Bildrechte: imago/Stylbruch

Thüringer JU-Chef im Porträt Stefan Gruhner will Bundesvorsitzender der Jungen Union werden

Auf dem sogenannten Deutschlandtag der Jungen Union am Samstag in Berlin könnte gelingen, was es zuvor nie gab: Ein Thüringer wird Bundesvorsitzender. Stefan Gruhner will dem "schwerfälligen Tanker" CDU mit der JU "im Speedboot" ordentlich Dampf machen.

von Ulli Sondermann-Becker

Stefan Gruhner
Stefan Gruhner will Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands werden. Bildrechte: imago/Stylbruch

Stefan Gruhner ist smart, im Gespräch freundlich und immer gut angezogen. Er stammt aus dem dem kleinen ostthüringischen Städtchen Schleiz, ist im Hauptberuf Landtagsabgeordneter in Erfurt und wird von vielen in der Thüringer CDU als das größte politische Talent der hiesigen Christdemokratie bezeichnet. Anhänger von Partei- und Fraktionschef Mike Mohring halten ihn für das zweitgrößte. Aber das hat andere Gründe. Stefan Gruhner ist 34 Jahre alt und hat über die Hälfte seiner Lebensjahre in der Jungen Union verbracht, davon seit acht Jahren unangefochten an der Spitze der mit knapp 1.600 Mitgliedern größten politischen Jugendorganisation im Freistaat Thüringen.

"Mit den Linken wollte ich noch nie was zu tun haben"

Wann sein Name das erste Mal in politischen Kreisen der Landeshauptstadt genannt wurde? Es muss so 2009 gewesen sein, als der damalige CDU-Generalsekretär Mario Voigt verkündete, dass die Union im Saale-Orla-Kreis gerade einen 25-Jährigen zum neuen Kreischef gewählt hat.

Der frischbestallte Gruhner war damals der jüngste CDU-Kreisvorsitzende bundesweit, aber trotzdem schon zehn Jahre in der Politik. Seine ersten Karriereschritte hießen Klassensprecher, Schülersprecher, Landesschülersprecher - und der einzige in Schleiz aktive politische Jugendverband jenseits der Linken war nun mal die Junge Union. "Grüne Jugend oder Jusos existierten gar nicht und mit den Linken wollte ich noch nie was zu tun haben." Gleich mit 18 trat der Abiturient in die CDU ein und kämpfte sich an die Spitze der dortigen Union vor. So etwas gelingt nur dem, der die Sprache der Leute spricht, ihre Sorgen versteht und Fachbegriffe wie "Asymmetrische Demobilisierung" außen vor lässt.

Windräder: "Völlig verkorkst!"

Seit 2014 vertritt Gruhner diese Region auch im Landtag, als direkt gewählter Abgeordneter. Rhetorisch spielt er im Parlament mit Ministerpräsident Bodo Ramelow und Oppositionsführer Mike Mohring in einer Liga. Im Plenum gilt er als gewiefter Debattenredner, der blitzschnell von angenehm-im-Umgang auf scharfzüngig bis polemisch umschalten kann - vor allem wenn es um sein Lieblingsthema Energiewende und die berüchtigten Windräder im Wald geht - "Völlig verkorkst!". Den Kampf um das Landtagsmandat bezeichnet Gruhner übrigens als die bislang härteste Herausforderung seines politischen Lebens: Um überhaupt zur Landtagswahl 2014 antreten zu können, musste er zunächst den regionalen CDU-Platzhirsch, einen älteren Herrn mit Dauerkarte für einen Abgeordnetensitz, aufs Altenteil schicken. "Da habe ich gemerkt, wer kämpft, der gewinnt auch."

"Es wird knapp"

Tilman Kuban
Gruhners Kontrahent: Der niedersächsische JU-Chef Tilman Kuban Bildrechte: dpa

Im Vorfeld des außerordentlichen Deutschlandtages der Jungen Union ist Gruhner jetzt kreuz und quer in der Republik unterwegs und kämpft um Unterstützung. "20.000 Kilometer in sechs Wochen, von Viersen bis Fürstenfeldbruck, von Konstanz bis Kiel." Die mitgliederstarken Landesverbände aus NRW und Baden-Württemberg hofft er hinter sich versammelt zu haben, den Thüringer Verband ja sowieso ("das sind aber nur sechs von 320 Delegierten"), die mitteldeutsche Junge Union ebenfalls. "Aber es wird knapp", sagt Gruhner und reibt sich die von den ewigen Autofahrten rotgeränderten Augen. Manche Vorstellungsrunden fanden mit, andere ohne seinen Konkurrenten um den Bundesvorsitz statt, den niedersächsischen JU-Vorsitzenden Tilman Kuban.

"Ach, das spielt in der Jungen Union doch keine Rolle mehr"

Ob er dabei seine ganz persönlichen Lebensumstände extra erklären muss? Dass er sein Leben mit einem Mann teilt? "Ach, das spielt in der Jungen Union doch keine Rolle mehr", sagt Gruhner, und ein Widerspruch zum Konservatismus sei eine gleichgeschlechtliche Beziehung auch nicht. "Konservativ sein, heißt doch Verantwortung füreinander zu übernehmen." Zudem habe er gedient (Pionierbataillon 722 in Gera) und sei Alter Herr in der Burschenschaft Teutonia Jena.

"CDU das bürgerliche Original und AfD die Fälschung"

Und was bringt er an Verheißung für die JU-Delegierten mit, was der Konkurrent aus Niedersachsen nicht hat? Da holt Gruhner ein bisschen aus und verweist auf seine politische Erfahrung in Thüringen, wo es für die CDU schon immer die Herausforderung von links und seit einiger Zeit auch von der rechtspopulistischen AfD gibt. In der Auseinandersetzung mit der AfD dürfe die Union Themen wie deutsche Leitkultur oder Patriotismus nicht der Konkurrenz von Rechts überlassen; und müsse dem Wähler klar machen, dass die CDU das bürgerliche Original sei und die AfD die Fälschung.

"Ich kann gleich Vollgas geben"

Annegret Kramp-Karrenbauer
Gruhner zur CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer: Das "Schiff CDU" habe einen neuen Kapitän. Bildrechte: dpa

Wegen der JU-Altersgrenze von 35 Jahren hätte er sowieso nur eine Amtsperiode Zeit, die Junge Union als Chef auf Bundesebene zu prägen. Diese Begrenzung sieht er aber nicht als Nachteil - "ich kann gleich Vollgas geben und brauche nicht viel Rücksicht nehmen", lacht er mit Blick auf die Mutterpartei. Das "Schiff CDU" habe einen neuen Kapitän (Annegret Kramp-Karrenbauer) nebst erstem Offizier (Generalsekretär Paul Ziemiak). So weit, so gut. Zur personellen Erneuerung der Union müsse jetzt noch die Inhaltliche dazu kommen - und da habe der CDU-Nachwuchs seinen Auftrag: Stärker als bisher Stachel im Fleisch der Großen Koalition sein, klare Front gegen die AfD zeigen, Motor der Digitalisierung der Unionsparteien sein.

"Wenn die ganze Union ein schwerfälliger Tanker ist, dann ist die Junge Union das Speedboot."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 15. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 05:00 Uhr

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26 Kommentare

16.03.2019 18:08 Martin Vomberg 26

@ aus Dresden Nr. 22

"... und die AfD das Original einer bürgerlichen Partei."

Sorry, aber dieses Märchen nimmt Ihnen niemand mehr ab! Bürgerlich hat für mich etwas mit Anstand und Redlichkeit zu tun. Und beides ist die AFD definitiv nicht, dazu ist die Partei schon viel zu oft an ihrem eigenen Anspruch gescheitert.

16.03.2019 17:58 Kiel_oben 25

Tilman Kuban macht es - wer sonst!
Wieder (k)ein Ossi werden Loser jammern aber WIR sind das Volk und die Mehrheit Deutschlands und lassen uns Demokratie nicht einfärben!
weder rot noch braun

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