Parteien beklagen vor allem zerstörte Wahlplakate Fast 200 wahlkampfbezogene Straftaten in Thüringen

von Sandra Voigtmann

Im Vorfeld der Europa- und Kommunalwahlen in Thüringen sind fast 200 wahlkampfbezogenen Straftaten verzeichnet worden. Das hat das Landeskriminalamt am Freitag mitgeteilt. Die Ermittler registrierten vor allem Sachbeschädigungen. Tätliche Angriffe auf Menschen gab es kaum. Das ergab eine Umfrage von MDR THÜRINGEN bei Linken, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen, CDU, AfD und FDP.

Städte besonders betroffen

Ein Wahlplakat zur Bundestagswahl 2017 ist fast komplett zerstört und heruntergerissen.
Wahlplakate verschwanden spurlos, wurden beschmiert oder zerstört. Bildrechte: imago/MiS

Plakate, die spurlos verschwinden, Farbbeutelangriffe oder aufgeklebte Spruchbänder: Die Phantasie von Menschen, die Wahlplakate zerstören, scheint unbegrenzt. Zwischen 20 und 30 Prozent der Wahlplakate werden laut Parteien zerstört oder entwendet.

Besonders betroffen seien hier Städte wie Erfurt, Weimar und Jena. In Summe hätten die Straftaten nachgelassen, würden aber konzentrierter durchgeführt, hieß es von den meisten befragten Parteien.

AfD berichtet von tätlichen Angriffen

Anders bei der AfD. Sie beklagt in den Städten eine Beschädigung von bis zu 90 Prozent ihrer Wahlplakate. Im ländlichen Raum seien 50 Prozent der Plakate zerstört worden. Tätliche Angriffe gegen Wahlkämpfer meldet die AfD ebenfalls. So habe es Farbbeutel- und Wasserbombenangriffe auf Parteimitglieder gegeben. Ein Wahlkämpfer sei von einer Leiter gestoßen worden, als er Plakate aufhing. Dabei soll er sich am Fußgelenk verletzt haben.

Dennoch empfindet auch die AfD den Wahlkampf als weniger aggressiv als vor fünf Jahren. Genaue Zahlen, so ein AfD-Sprecher, könnten aber erst etwa zwei Wochen nach der Wahl bekannt gegebenen werden.

Ein Großplakat der FDP Thüringen steht auf einer Wiese. Über das Plakat wurde ein Spruch geklebt: Ach wie gut, dass niemand weiß, dass Wählen Unterdrückung heißt.
Unbekannte haben in Jena ein FDP-Großplakat überklebt. Bildrechte: FDP Thüringen

Großflächenplakate Ziel von Vandalismus

Aus Sicht von Bündnis 90/ Die Grünen haben die Straftaten im Wahlkampf deutlich zugenommen. Allein in Rudolstadt seien nach Angaben der Partei 30 Wahlplakate "spurlos verschwunden". Landesweit wurden 20 Großflächenplakate der Grünen beschädigt.

Ein Problem, das auch die CDU kennt. Laut Christdemokraten wurden 30 Prozent ihrer Großaufsteller in Erfurt beschädigt.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Textes haben wir die Zahl der wahlkampfbezogenen Straftaten mit "mehr als 100" angegeben. Nach der Veröffentlichung am Freitagmorgen hat uns das LKA darüber informiert, dass es inzwischen fast 200 sind. Die Zahl werde auch weiter steigen, weil derzeit täglich solche Straftaten registriert würden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. Mai 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 14:35 Uhr

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20 Kommentare

24.05.2019 21:13 Wie bestellt -so geliefert 20

Horst@1 Das die rechtsextremen und genauso die linksextremen verschwinden ist i.o. Die Spaltung der Gesellschaft hat aber durch ihre Flüchtlingspolitik die Kanzlerin und ihr Gefolge zu verantworten. Dadurch wurden rechte Parteien erst wieder stark. Wo sollen den die Bürger hin, wenn sie sich durch diese verfehlte Politik nicht vertreten fühlen? Richtig sie wählen Protest. Können sie das nachvollziehen, ich schon. Das wird aber kein gutes Ende nehmen, es sei dem man entzieht diesen Extremisten den Nährboden, dazu ist aber die gegenwärtige Führung nicht in der Lage.

24.05.2019 18:29 martin 19

@18 dieter: Das Zentrum von Leipzig ist repräsentativ für ganz Thüringen? Entschuldigung, das war mir nicht bekannt. Bei den von Ihnen angedeuteten "Besuchen" nehmen sich die Extremisten beider Seiten aber nichts.

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