Busse und Straßenbahnen Warnstreik: Nahverkehr ruht in Erfurt, Jena und Gera

Seit dem frühen Dienstagmorgen standen Busse und Bahnen in Erfurt, Jena und Gera still - auch im Schülerverkehr. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu bundesweiten Warnstreiks im Öffentlichen Nahverkehr aufgerufen.

An einer Straßenbahnhaltestelle weist eine Anzeigetafel auf einen Streik hin.
Wer Dienstag auf Straßenbahnen und Busse in Erfurt, Jena und Gera angewiesen ist, muss umplanen. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Von einem bundesweiten Warnstreik im Öffentlichen Nahverkehr waren am Dienstag auch Erfurt, Jena und Gera betroffen - auch der Schülerverkehr. Seit Mitternacht fuhren in den drei größten Städten Thüringens kaum noch Busse und Bahnen. Zehntausende Fahrgäste waren in Thüringen betroffen - sie mussten sich Mobilitätsalternativen suchen. Die Verkehrsbetriebe Gera hatten kurzfristig mit einem Notfahrplan reagiert, einige Linien wurden im Halbstundentakt bedient. Der Notfahrplan wurde um 16 Uhr eingestellt. Alle Reserven seien ausgeschöpft worden, hieß es.

Rückkehr zur Normalität am Mittwoch

In Jena und Gera verkehren Busse und Bahnen ab Mittwochmorgen wieder regulär. Der morgendliche Pendlerverkehr und der Schülertransport sollen nach Aussage der kommunalen Verkehrsunternehmen wieder normal ablaufen.

Grund für die Arbeitsniederlegungen: Tarifkonflikt im Nahverkehr

Die Gewerkschaft Verdi hatte bundesweit zu Aktionen aufgerufen. Verdi will damit den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, Tarifverhandlungen aufzunehmen. Bundesweit fordert Verdi unter anderem einheitliche Regelungen für den Ausgleich von Überstunden und eine bessere Nachwuchsförderung. In Thüringen will die Gewerkschaft zudem Lohn- und Gehaltsanhebungen in Höhe von jährlich 7,5 Prozent für die Beschäftigten erreichen. Im Oktober sollen nach Arbeitgeber-Angaben darüber Verhandlungen beginnen.

24 Stunden Warnstreik in Thüringens größten Städten

Die Gewerkschaft Verdi hatte damit gerechnet, dass sich rund 800 Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe von Jena, Erfurt und Gera an dem 24-stündigen Warnstreik beteiligen. Die Geschlossenheit sei beeindruckend, sagte Verdi-Verhandlungsführer Gerd Doeppelheuer am Dienstag. Die Kollegen hätten gezeigt, dass sie bereit sind, für ihre Rechte zu kämpfen.

Evag-Kritik am Verdi-Streik in Erfurt

Man rechne mit einem kompletten Ausfall aller Linien, sagte Myriam Berg, Vorständin der Erfurter Verkehrsbetriebe AG (Evag). Der angekündigte Streik sei "völlig unverhältnismäßig", da es in Thüringen bislang keinen Verhandlungstermin gegeben habe, sagte Berg.

Andreas Möller, Geschäftsführer des Jenaer Nahverkehrs, äußerte sich ähnlich: Man habe sich auf den 14. Oktober als Auftakttermin für Verhandlungen geeinigt. In Jena seien lediglich die Busse der JES Verkehrsgesellschaft unterwegs. In Gera gibt es einen Notfallplan, sodass drei Linien im Halbstundentakt bedient werden.

Ob sich der Streik positiv auf die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeber auswirkt, wollte Gerd Doeppelheuer zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sagen. Im Notfall, so der Gewerkschafter, "streiken wir auch mal drei Tage".

Rückendeckung von Linksfraktion

Die Linksfraktion im Thüringer Landtag stärkt Verdi im Tarifkonflikt des Öffentlichen Nahverkehrs den Rücken. "Die Menschen, die uns tagtäglich zur Arbeit, zur Kita und nach Hause bringen, verdienten Entlastung, Urlaub und Sonderzahlungen", sagte die gewerkschaftspolitische Sprecherin Lena Saniye Güngör.

Gerade in der Corona-Pandemie seien die Beschäftigten zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Zudem müsse allen klar sein, dass die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe nicht für sich selbst, sondern für einen gut aufgestellten Öffentlichen Nahverkehr streiken.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. September 2020 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Erfortianus vor 3 Wochen

Das Positive am Rande erwähnt: obwohl mehr Fahrzeuge in der Stadt unterwegs waren wie sonst, gab es nirgendwo den üblich längeren Rückstau an den Knotenpunkten - Weil eben die Anforderung (A) der Busse und Bahnen an den Ampelkreuzungen nicht ausgelöst wurden. Etwa der Talknoten, wo man bei Rot anhalten muss noch ehe die Bahn an der Haltestelle Lutherkirche ankommt.

ewald vor 3 Wochen

Guten Morgen! Willkommen im Sozialismus Thüringen. Millionen Steuergelder kassieren und dann ist wieder der Tarifbeschäftigte Schuld. Schließlich kann der Bürger ja nichts dagegen tun. Das Ordnungsamt Erfurt ist spezialisiert auf Autofahrer bzw. Parkende Fahrzeuge. Da ist keiner da wo man sich rechtfertigen muss. Aufsichtspflicht der Stadt für Müll und Gefährdung der Öffentlichen Ordnung spielen da eine untergeordnete Rolle. Der ÖNVP hat hier in Erfurt eine untergeordnete Stellung. Service und Freundlichkeit gibt es nur in anderen Städten. Leipzig Halle Magdeburg sind da schon viel weiter. Von Pünktlichkeit erst gar keine Ahnung. Ja und Radfahrer haben erstmal abzusteigen....es gibt ja kaum Radwege??? Deshalb müssen Fußgänger und Radler sich untereinander den engen Verkehrsraum teilen. Rücksicht und Vorsicht helfen da . Einen schönen Tag. Ewald

part vor 3 Wochen

Schade das ich die nicht miterleben durfte, seit Jahrzenten wahrscheinlich mal eine Grüne Welle in Erfurt oder auch doch nicht, weil das System nicht angepasst wird. Ich wünsche mir dringlichst das auch das Verkehrsamt endlich mal streikt und ihren Amtsleiter mit ins Boot holt oder ihn an Standorte beortert, wo gerade mal wieder nix geht.

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