Studie der Universität Jena Flüchtlinge haben Heimweh und Vertrauen in die Polizei

In Thüringen leben zurzeit etwa 30.000 Geflüchtete. Laut Universität Jena handelt es sich um eine "ausgesprochen heterogene Gruppe", die meisten Geflüchteten kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Sie haben trotz individueller Unterschiede viele Gemeinsamkeiten, wie eine aktuelle Studie der Universität zeigt. Hauptgrund ihrer Flucht sei die Angst vor Krieg und Verfolgung gewesen, daraus resultiere eine höhere Wahrscheinlichkeit zu psychischen Belastungen. Jeder zweite Geflüchtete leidet demnach unter Heimweh - trotz der schwierigen Situation im Herkunftsland. Die Forscher fanden zudem heraus, dass die Geflüchteten demokratische Werte und Prinzipien unterstützen und hohes Vertrauen haben in die Institutionen wie Polizei und Bundesregierung. Diese demokratische Ausrichtung sei umso erstaunlicher angesichts etlicher Diskriminierungserfahrungen, vor allem bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche, heißt es.

Auf einer Bank vor ihrer Unterkunft sitzen Flüchtlinge am 10.09.2015 während eines offiziellen Presserundgangs durch die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gieߟen.
Auf einer Bank vor ihrer Unterkunft sitzen Geflüchtete in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Neun von zehn Befragten möchten der Studie zufolge Aspekte der deutschen Kultur und Lebensweise übernehmen. Ebenso viele sprachen sich für verpflichtende Sprachkurse aus. Bei Fragen zur Gleichberechtigung zeigt sich bei etwa der Hälfte jedoch eine patriarchale Einstellung. Vor diesem Hintergrund stellten sich besondere Integrationsherausforderungen für geflüchtete Frauen. Sie seien seltener zivilgesellschaftlich engagiert und suchten weniger häufig Beratungsangebote auf, bilanziert die Studie.

90 Prozent der Befragten fordern selbst verpflichtende Sprachkurse

Für die Studie des Zentrums für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration (KomRex) wurden zwischen März und Oktober des vergangenen Jahres 906 zwischen 2013 und 2018 nach Thüringen geflüchtete Männer und Frauen über 18 Jahren aus unterschiedlichen Herkunftsländern befragt. Ziel war eine empirische Basis für politische Entscheidungsprozesse hinsichtlich der Integration von Asylbewerbern. Gefördert wurde die Studie von der Staatskanzlei des Freistaates Thüringen sowie der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 30. April 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 20:50 Uhr

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18 Kommentare

01.05.2019 23:51 Thüringer Original 18

Was hat uns diese Studie gekostet und was zieht die Landesregierung für Lehren daraus?

01.05.2019 16:42 Uwe Reichelt 17

@Winfried
Leider ist Asylindustie erheblich vorbelastet, sodaß ich damit sehr vorsichtig hantiere.
Hier ein aufschlussreiches Zitat aus der "Zeit" - "Das Wörterbuch der Verschleierung":
"Gemeint sind all jene Menschen, die Flüchtlingen dabei helfen, ihren Anspruch auf Asyl wahrzunehmen, also Sozialarbeiter, Anwälte, Beratungsstellen etc. Da der Ausdruck ihnen unterstellt, sie würden allein aus der Absicht helfen, damit einen Gewinn erzielen zu wollen, wertet er ihre Arbeit ab und gibt ihr eine negative Bedeutung. Er ignoriert dabei bewusst, dass sich gerade in dieser Angelegenheit eher wenig Geld verdienen lässt. Auf alle Fälle weniger als beispielsweise bei Konkursverfahren – dabei behauptet niemand, im Wirtschaftsrecht sei eine Pleiteindustrie am Werk, die die Gesellschaft ruiniere. "

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