Bürgermeisterwahl Ein Wahlgang reicht: Tilo Kummer neuer Chef in Hildburghausen

Fast alle in Hildburghausen haben mit einer Stichwahl gerechnet. Kaum jemand damit, dass tatsächlich einer der drei Kandidaten schon im ersten Wahlgang durchmarschiert. Aber genauso ist es gekommen. Tilo Kummer von der Linkspartei übernimmt am 01. April die Amtsgeschäfte im Hildburghäuser Rathaus.

Die Kandidaten und die Kandidatin zur Bürgermeisterwahl in Hildburghausen: Tilo Kummer, Holger Obst und Ines Schwamm (von links)
Die Kandidaten und die Kandidatin zur Bürgermeisterwahl in Hildburghausen: Tilo Kummer (Linke), Holger Obst (CDU) und Ines Schwamm (AfD) (v.l.). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tilo Kummer (Linke) ist kein lauter Mensch. Seine Worte wählt er mit Bedacht und erst als er am Sonntagabend die Zahlen schwarz auf weiß sieht, glaubt er, dass er es wirklich geschafft hat. "Wahnsinn!", entfährt es ihm und schiebt nach: "Ich bin ja gegen einen Amtsinhaber angetreten, da gewinnt man im Regelfall nie im ersten Wahlgang und 51,8 Prozent ist ja schon ein deutliches Ergebnis." Er freue sich riesig über diesen Vertrauensbeweis. Tilo Kummer feiert in einem kleinen italienischen Restaurant mit seinen Parteifreunden noch bis in den späten Abend hinein den Wahlsieg.

Obst gibt sich selbstkritisch

Ein paar Hundert Meter weiter am Stadtrand sitzt der bisherige Bürgermeister Holger Obst mit seinen CDU-Weggefährten in einer Biker-Kneipe. Er redet nicht lange um den heißen Brei und gratuliert seinem Kontrahenten. "Kummer konnte sein Programm besser verkaufen und letztlich auch den Wählern seine Zukunftsvisionen aufzeigen und ich nicht, das muss man so einfach zur Kenntnis nehmen", gibt sich Obst selbstkritisch. "Vielleicht hätte ich besser kommunizieren müssen." Erklären, was in der Stadt gut gelaufen sei. Der millionenschwere Ausbau der Oberen Marktstraße zum Beispiel. Mit nur 20 Prozent der Stimmen ist Holger Obst deutlich abgewählt worden.

AfD-Kandidatin zufrieden

Immerhin 28,2 Prozent erreichte Ines Schwamm von der AfD. "Ich bin zufrieden mit dem zweiten Platz", sagt sie in einem Café gleich neben der Stadtverwaltung. Das Wichtigste, nämlich den Amtsinhaber Holger Obst abzuwählen, sei erreicht worden. Obst habe keine gute Politik für Hildburghausen gemacht. Im Sinne der Stadt will Schwamm nun im Stadtrat mit allen Parteien konstruktiv zusammenarbeiten.

Haushalt als erste Amtshandlung

Tilo Kummer
Will als erstes einen Haushalt auf den Weg bringen: Tilo Kummer, der neue Bürgermeister von Hildburghausen. Bildrechte: MDR/Tilo Kummer

Darauf hofft auch der neue Bürgermeister. Zu tun gebe es viel. "Meine erste Amtshandlung wird sein, dass wir endlich einen Haushalt auf den Weg bringen", sagt Kummer. Nur so könnten die dringend notwendigen Investitionen in Angriff genommen werden. Unter anderem müssen das Freibad und das Stadion saniert werden.
An der Bürgermeisterwahl haben sich 56 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Das sind deutlich mehr als vor sechs Jahren. Damals hatten nur 48 Prozent ihre Stimme abgegeben. Besonders die Themen vor der eigenen Haustür haben die Menschen im Wahlkampf bewegt. Der Marktplatz zum Beispiel, wo es kaum noch einen Laden gibt. Außerdem vermissen die Hildburghäuser einen Saal für Veranstaltungen. Ob Tilo Kummer nun der bessere Bürgermeister ist, kann er ab dem 01. April beweisen. Und spätestens in sechs Jahren entscheiden wieder die Wähler.

Nach dem amtlichen Wahlergebnis bekam Kummer am Sonntag 2.788 Stimmen (51,8 Prozent), Ines Schwamm von der AfD kam auf 1521 Stimmen (28,2 Prozent) und der bisherige Amtsinhaber Holger Obst von der CDU erhielt 1.077 Stimmen (20 Prozent).

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 09. März 2020 | 07:00 Uhr

6 Kommentare

elisa K vor 12 Wochen

Auch im Westen sind in Mittelzentren die Einkaufszonen von Leerständen geprägt. Die größte Gefahr für die Funktionalität der Innenstädte ist der online Handel. Der Umsatz wird nicht mehr lokal gemacht. Ein Einkaufszentrum ist wiederum genauso schädlich am Stadtrand als auch in der Innenstadt, wenn es flächenmäßig den übrigen innerstädtischen Verkaufsflächen nicht angepasst wurde. Meistens sind diese Zentren mit so vielen Geschäften ausgestattet und verfügen über ausreichende Anzahl von Parkplätzen, dass man das Zentrum gar nicht verlassen muss. Die alte Innenstadt siecht auch in dem Fall vor sich hin. Ein lebendiger Stadtkern besteht von einem Nutzungsmix. Wenn der Stadtkern in ein Shoppingcenter verlagert, bleibt nur
Kommerz übrig. Dieser Entwicklung sollte man entgegen wirken.

Burgfalke vor 12 Wochen

Dieser Fehler wurde im Westen bereits vor Jahrzehnten (vor 1990) gemacht und es wurde hierzu gewarnt.
Oft ließen die ungeklärten Eigentums- und Platzverhältnisse keine andere Wahl zu. Dies rächt sich nun erwartungsgemäß leider mit leerstehenden Geschäftsräumen.

Burgfalke vor 12 Wochen

Derartige Zusammenschlüsse haben nirgendwo Vorteile gebracht! Im Ergebnis eher Frust und Gleichgültigkeit bei den Betroffenen und vor allem bei den Bürgern selbst.

Wer glaubt, daß durch derartige "Zusammenschlüsse" aus dem "Fantasieland" irgendwelche Gelder "regeneriert" werden, der irrt.

Vielleicht hilft hier entsprechende Erfahrungen von Sachsen und Sachsen- Anhalt sowie veröffentlichte Studien zu dieser Problematik sich mal genauer anzusehen?!

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