Tote Schweine auf einem Hof, zwischen Containern.
Die verendeten Tiere müssen jetzt entsorgt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Käßlitz | Kreis Hildburghausen 486 Schweine in Stall erstickt

In einem Stall in Käßlitz im Landkreis Hildburghausen sind am Montag hunderte Schweine erstickt. Wie die Bäuerliche Produktionsgenossenschaft (BPAG) Hellingen gegenüber MDR THÜRINGEN sagte, wurde der Stall wegen eines Stromausfalls nicht mehr belüftet.

von Bettina Ehrlich

Tote Schweine auf einem Hof, zwischen Containern.
Die verendeten Tiere müssen jetzt entsorgt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Tierarzt hat Jens Werner aus Käßlitz im Landkreis Hildburghausen schon viel gesehen. Aber das, was am Montag vor dem Schweinestall in seinem Dorf passiert ist, macht ihn fassungslos.

Die toten Schweine wurden zu Dutzenden aus dem Stall geschoben und dann per Lastwagen abtransportiert.

Jens Werner, Tierarzt aus Käßlitz

All das hat der Tierarzt mit eigenen Augen gesehen. Mindestens drei LKW sind es laut Werner gewesen. Er schätzt, dass Hunderte Tiere verendet sind.

"Ja bei uns gab es eine Havarie", sagt Ralf Röder. Er ist Geschäftsführer der Bäuerlichen Produktions- und Absatz AG Hellingen (BPAG). In der Nacht zum Montag hatte es im Dorf einen Stromausfall gegeben, dadurch fiel in dem Stall die Lüftung aus. Weil unglücklicherweise zusätzlich auch noch das Telefonnetz zusammenbrach, wurden die Mitarbeiter nicht alarmiert. "Sonst hätten wir das Notstromaggregat angestellt und es wäre nichts passiert", so Röder. Das Notstromaggregat lässt sich nur per Hand einschalten. Laut Röder stehen in Käßlitz rund 1.800 Schweine in zwei Ställen. Von der Havarie wäre nur ein Stall betroffen gewesen. Wie bei solchen Fällen üblich, habe die BPAG sofort das Veterinäramt im Landkreis Hildburghausen informiert.

Ähnliche Havarie soll vor Jahren 300 Schweine das Leben gekostet haben

Außenansicht des Betriebes
Der betroffene Stall in Käßlitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der zuständige Hoftierarzt Lothar Hoffmann ist erst am Dienstag von der Havarie informiert worden. "Die Tiere sind in der so genannten Endmast sehr anfällig für Kreislaufprobleme", sagt Hoffmann. Er geht davon aus, dass sich der Stall überhitzt hat und die Schweine deshalb kollabiert sind.

Bereits vor mehreren Jahren hatte es in der Käßlitzer Schweinemastanlage eine ähnliche Havarie gegeben. Damals waren laut Hoffmann etwa 300 Schweine verendet, weil sich der Stall zu sehr aufgeheizt hatte. Den Schweinen, die überlebt haben, geht es laut Hoffman gut. Nur ein Tier musste wegen einer Gelenkentzündung eingeschläfert werden. Diese Erkrankung hat laut Hoffmann aber nichts mit der Havarie zu tun.

Tierarzt Werner lassen die Bilder keine Ruhe. Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet. In seinen Augen sind die Tiere sträflich vernachlässigt worden. "Sie sind in diesem Stall qualvoll erstickt. Ich frage mich, ob das beim heutigen Stand der Technik noch nötig ist", so Werner.
"Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände", sagt Geschäftsführer Röder. Auf die Frage, ob so etwas in Zukunft vermieden werden kann, wusste er keine Antwort.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 15:38 Uhr

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22 Kommentare

15.09.2018 00:27 Marlis Walter 22

In der Schweiz ist es doch auch nicht besser, ausser, dass die Betriebe etwas kleiner sind. Wo sieht man noch Schweine, die raus auf die Wiese dürfen? Auch wenn das Gesetz strenger ist, es wird schlampig kontrolliert, nicht eingehalten, und die Kantonstierärzte dürfen nichts sagen, da sie sonst ihre Kunden verlieren. Go vegan, jawohl. Das einzig Richtige. Wer sich wirklich umfassend informiert und darüber nachdenkt, kann nicht mehr anders, es sei denn, es fehlt an Herz und Geist.

14.09.2018 21:09 Inge von Jaduczynski 21

Das nackte Grauen überfällt einen bei soviel Verantwortungs- und Empathielosigkeit der Menschen gegenüber hilf- und wehrlosen Tieren. Reißt die Ställe ab und entzieht dieser "Bäuerlichen Produktionsgemeinschaft" das Recht, Tiere zu halten ... lebenslang!

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