Biogasanlage in Pfersdorf.
Die Biogasanlage in Pfersdorf ging im November 2007 in Betrieb. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Biogas-Anlage Pfersdorf setzt auf Wärme aus dem Kuhstall

Biogasanlagen erzeugen Strom und Wärme aus Gülle und Silage. In Pfersdorf kann man die Wärme jetzt auch nutzen, wenn gerade kein Strom gebraucht wird. Ein Pufferspeicher machts möglich. Entwickelt hat ihn Heizungsinstallateur Roland Schad. Inzwischen werden 15 Haushalte in Pfersdorf von der Anlage beheizt.

von Bettina Ehrlich

Biogasanlage in Pfersdorf.
Die Biogasanlage in Pfersdorf ging im November 2007 in Betrieb. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Die Biogasanlage in Pfersdorf im Landkreis Hildburghausen unterscheidet sich kaum von den anderen Anlagen im Freistaat. Nur das merkwürdige runde Häuschen, halb in der Erde macht den Unterschied. "Das ist der Pufferspeicher“, sagt der Heizungsinstallateur Roland Schad nicht ganz ohne Stolz. Er hat den Beton-Wärmespeicher entwickelt und ist von den Vorzügen mehr als überzeugt.

Pufferspeicher der Anlage.
Der Pufferspeicher sieht recht unscheinbar aus. Aber er ist wichtig. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Wärme aus der Biogasanlage hat nämlich einen ganz entscheidenden Haken. Sie kann nur gleichzeitig mit Strom produziert werden. Elektrizität wird allerdings mal gebraucht und mal nicht. In den Zeiten, in denen deshalb kein Strom aus der Anlage fließt, wird also normalerweise auch keine Wärme erzeugt. Die Pfersdorfer wollen aber immer warme Stuben haben. "Durch den Pufferspeicher sind wir unabhängig von der Stromproduktion“, so Schad. 15 Haushalte sind inzwischen an die Biogasanlage angeschlossen. Bis zu 30 können irgendwann einmal versorgt werden.

Ein Landwirt wärmt ein Thüringer Dorf

Möglich macht das alles der Landwirt Toralf Müller. Er hat 2.300 Rinder in seinem Stall stehen. Die sorgen mit ihrem Mist und der Gülle für Strom und Wärme.

Bauer im Kuhstall vor Kühen.
Toralf Müller betreibt die Anlage mit Gülle und Silage. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Mehr als 1,5 Millionen Euro hat Müller investiert. "Ich hab die Anlage damit auf breitere Füße gestellt“, ist auch er überzeugt. "Warum sollen wir die Wärme in die Luft blasen, wenn wir sie nutzen können“, bringt es der Pfersdorfer Harald Oppel auf den Punkt. Sein Haus ist vor ein paar Tagen angeschlossen worden. Über kleine unterirdische Leitungen. Eine Heizung im Haus braucht er nicht mehr und auch der Schornsteinfeger muss nicht mehr kommen. "Etwa 400 Euro“, so rechnet Heizungsbauer Schad vor, "sparen die Leute gegenüber denen mit konventionellen Heizungen im Jahr. Die Anschlusskosten hätten sich innerhalb von sieben Jahre amortisiert. Das hat auch Oppel überzeugt. "Und das Geld bleibt im Dorf“, fügt er hinzu.

Auch die Umwelt in Thüringen profitiert

Nicht nur die Pfersdorfer, auch die Umwelt hat was von der Kuhstall-Heizung. "Sage und schreibe 190.000 Tonnen CO2 sparen wir ein“, so Schad. Das sei schon eine ganze Menge. "Und sogar die Gülle, die nach der Vergärung in der Anlage auf die Felder gebracht wird, ist besser für unsere Böden“, fügt Rinderzüchter Müller hinzu. "Das Substrat enthält mehr Ammonium. Der Stickstoff kann von den Pflanzen dadurch besser aufgenommen, aber nicht so leicht herausgewaschen werden.“ Dadurch sinke auch Nitratbelastung.

Und eins noch. Wer an Wärme aus dem Kuhstall denkt, hat vielleicht einen ganz bestimmten Landluft in der Nase. Dem ist nicht so. Davon konnte ich mich überzeugen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 14. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2019, 14:03 Uhr

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