Bad Colberg Dorffunk 2.0 - Bürgermeister von Bad Colberg setzt auf WhatsApp

In Bad Colberg weht in den Amtsstuben ein neuer Wind. Nachrichten und Mitteilungen des Ortsteilsbürgermeisters gibt es hier als "Dorffunk" via Whatsapp direkt aufs Handy. Der Ortsteilbürgermeister selbst hat dieses Modell eingeführt. Sein Ziel: Möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu informieren und zu animieren.

Robin Fleck ist mit Sicherheit einer der jüngsten Bürgermeister Thüringens. Der 23-Jährige Kandidat der FW/UB ist erst im Juni mit knapp 77 Prozent als Ortsteilbürgermeister von Bad Colberg, einem Ortsteil der Stadt Heldburg (Landkreis Hildburghausen), gewählt worden. Eine seiner ersten Amtshandlungen im Ort: den Dorffunk mithilfe der Chat-App "Whatsapp" ins 21. Jahrhundert katapultieren.

Wie genau das funktioniert, steht für alle nachlesbar, ganz analog in einem Aushang. Seitdem heißt es für ihn: Anfragen bearbeiten, Meldungen schreiben, Whatsapp und Facebook bedienen. Der digitale Dorffunk für Bad Colberg ist seine Idee und die Bürger im Dorf machen mit: "Wir haben sehr viele Rentner hier, die WhatsApp oder zum Teil auch schon Facebook haben." erzählt Fleck.

Ein Aushang in einem Glaskasten
Ein Aushang informiert Bürger des Ortes über den neuen Dorffunk über Whatsapp. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dorffunk übers Handy erreicht jeden Zweiten

Robin Fleck, Ortsteilbürgermeister von Bad Colberg, sitzt auf einer Bank und bedient dabei ein Handy
Der Bad Colberger Ortsteilbürgermeister Robin Fleck beim Schreiben neuer Informationen für den Bad Colberger Dorffunk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allein übers Handy erreicht Robin Fleck nach eigenen Angaben jeden Zweiten im rund 120-Seelen-Dorf. Natürlich gehe es darum, Amtsnachrichten und Neuigkeiten aus dem Dorf zu verbreiten. Aber auch die Bad Colberger selber wenden sich an ihren Ortsteilbürgermeister, wenn sie Hilfe brauchen. "Dann schreibt man das rein. Ich schau es mir an, leite es weiter und jeder weiß Bescheid. Aha, der und der braucht Hilfe, also gehen wir mal hin. Das liegt einfach in der Natur von uns Colbergern, dass man sich gegenseitig hilft", sagt der 23-Jährige.

Ein Whatsapp-Chatverlauf auf einem Computerbildschirm
Der Dorffunk unterstützt die Kommunikation im Dorf, so Robin Fleck. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass das gut funktioniert, sieht man an einem Spielplatz der Stadt. Hier haben die Bad Colberger die alten Spielgeräte aufgearbeitet. Dafür wurde jede helfende Hand gebraucht. "Ich hab im Dorffunk dazu aufgerufen, mitzumachen und dann waren auf einmal 30 Leute da. Das hatten wir davor noch gar nicht", sagt Fleck. Es spreche sich zwar Vieles auch so rum, doch durch den Dorffunk werde das Ganze noch unterstützt.

Brückenschlag zwischen digitaler und analogen Welt

Damit zukünftig auch der Letzte im Dorf Bescheid weiß, will der Jungbürgermeister ein digitales schwarzes Brett in der Touristeninformation des Dorfes installieren. Quasi als Brückenschlag zwischen der digitalen und der analogen Welt. "Dadurch können wir viele Ältere im Dorf auch erreichen, weil ich eben gemerkt habe mit WhatsApp und Facebook: Manche nutzen es zwar, manche aber eben auch nicht." Schließlich wolle er alle Bürgerinnen und Bürger erreichen mit seinen Meldungen, so Robin Fleck weiter. Das Bad Colberger Modell macht inzwischen Schule: Kollegen aus einem Nachbardorf haben schon bei Fleck angefragt, wie das Ganze technisch funktioniert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 06:48 Uhr

3 Kommentare

Simone vor 6 Wochen

Na da hoffen wir mal, dass die Gemeinde sich da rechtlich hat beraten lassen.
WhatsApp ist ja datenschutzrechtlich durchaus problematisch.

Keine Ahnung, was es in der Gemeinde für Blitznachrichten gibt, aber das meiste wird wohl in besserer und aussagekräftigerer Form auf einem PC und im Amtsblatt darstellbar sein.

Nicht alles was geht ist auf den zweiten und dritten Blick auch snnvoll oder wirklich notwendig.

Hans vor 6 Wochen

Die Idee mag ja ganz nett sein - auch wenn man dabei alle "analog" lebenden Menschen (soll es noch geben) außen vor lässt. Was mich eher stört ist die gewählte Plattform WhatsApp/Facebook. Aus datenschutz-sicht hat sie ja nicht den besten Ruf. Da gibt es weitaus bessere Alternativen. Was passiert eigentlich mit sensiblen Daten? Oder mit Informationen, die vorher und nicht offiziell als auf herkömmlichen Weg (Amtsblatt) rauskommen?

Lyn vor 6 Wochen

Klasse.
Das hätte ich auch gern über Whatsapp.

Mehr aus der Region Suhl - Hildburghausen - Sonneberg - Ilmenau

Mehr aus Thüringen