Covid-19 Corona-Testaktion in Hildburghausen geht in die Verlängerung

Eigentlich sollte im Landkreis Hildburghausen die Testaktion von Kindergarten- und Schulkindern sowie deren Lehrer und Erzieherinnen am Donnerstag abgeschlossen werden. Weil sich jetzt aber doch mehr Eltern für den Schnelltest entscheiden, wird weiter getestet. Möglicherweise sogar am Montag noch.

Das Rathaus in Hildburghausen.
Der Landkreis Hildburghausen ist deutschlandweit als Coronahotspot in den Fokus der überregionalen Medien geraten. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Die Vorbehalte unter den Eltern und teilweise auch einigen Bürgermeistern im Landkreis waren groß. Die Stadt Eisfeld hat zum Beispiel komplett für ihre Kindergartenkinder auf die Massen-Schnelltests verzichtet. Stattdessen sollten dort die Kindergärten bis zum 13. Dezember geschlossen bleiben und danach in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen. Das hat der Bürgermeister Sven Gregor (Freie Wähler) so entschieden.

Nasenabstriche in der Kritik

Er kritisierte vor allem die Nasentests. Hier würden die Kinder einer Situation ausgesetzt, die nicht gerechtfertigt sei. Und dabei bleibt Gregor auch. "Gerade jüngeren Kindern kann man nicht erklären, warum ihnen ein Stäbchen so tief in die Nase geschoben wird", sagt Gregor. Außerdem seien die Testergebnisse nicht immer zuverlässig.

Wenn ab dem 14. Dezember alle Kinder sowieso wieder in die Einrichtungen dürfen, lohne sich dieser ganze Aufwand für nur eine Woche überhaupt nicht. Trotzdem würden sich nun vereinzelt Eltern aus Eisfeld melden, die ihre Kinder nun gerne testen lassen möchten. Kinder mit negativem Test werden nun auch in Eisfeld ab sofort wieder betreut.

Alle Tests sind freiwillig

Ähnliche Vorbehalte gab es vor einer Woche auch in Heldburg und Schleusingen. Denn die Bürgermeister sahen vor allem die Freiwilligkeit der Tests nicht gegeben. Auch die Kinder in der Notbetreuung sollten ursprünglich nur noch mit einem Negativtest weiter in den Kindergarten gehen dürfen. "Wo ist hier denn Freiwilligkeit?“, fragt der Schleusinger Bürgermeister André Henneberg (pl). Inzwischen wurde vom Landratsamt klargestellt, alles Tests sind freiwillig. So kann es also passieren, dass ungetestete Kinder noch in der Notbetreuung sind.

Auch Hildburghausens Bürgermeister Tilo Kummer (Linke) spricht von einer "schizophrenen Situation". "Wir lösen das jetzt so, dass ungetestete Kinder aus den Notgruppen getrennt von den neu getesteten Kindern betreut werden", sagt Tilo Kummer. Von insgesamt 250 Kindern in den städtischen Einrichtungen haben sich laut Kummer 30 Eltern zum Test angemeldet.

Testbereitschaft steigt

Doch langsam wendet sich das Blatt. Sagt zumindest der Landrat Thomas Müller (CDU). Seinen Angaben zufolge wächst die Nachfrage nach Testterminen. Deshalb soll auch am Freitag und eventuell auch noch am Montag getestet werden. Insgesamt stehen 11.000 Tests zur Verfügung. Die Kosten allein für das Material belaufen sich auf rund 100.000 Euro. Die Rechnung bezahlt das Land.

Müller sieht in den Massentests vor allem eine Chance, der Situation endlich wieder Herr zu werden. Am Donnerstag meldete der Landkreis 41 neue positive Coronafälle. Der Inzidenzwert -  also die Zahl der Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen auf 100.000 Einwohner - ist damit auf 411 gesunken. Der Landkreis lag auch schon mal bei einem Wert über 600.

Landkreis mit hausgemachten Kommunikationsproblem

Ganz offensichtlich hat der Landkreis jedoch in der aktuellen Coronakrise ein ausgewachsenes Kommunikationsproblem. Die Bürgermeister kritisieren, dass sie von den Schul- und Kindergartenschließungen zuerst aus den Medien erfahren haben. "Wäre mit uns geredet worden, hätten wir viele Missverständnisse nicht gehabt", ist Schleusingens Bürgermeister Henneberg überzeigt. Seine Amtskollegen Kummer und Gregor pflichten ihm bei.

Der Landrat weist die Kritik zurück. "Die Lage war so dynamisch, dass es nicht möglich war, jeden um seine Meinung zu fragen", sagte er den Kollegen von der Tageszeitung Freies Wort. Schließlich sei man in einer Krisensituation, wo zuallererst Handeln gefragt sei. Seinen Kritikern will er sich stellen, wenn sich die Lage wieder beruhigt hat.

Hildburghausen geriet deutschlandweit in den Fokus

Als der Landkreis Hildburghausen als deutschlandweiter Coronahotspot plötzlich in den Fokus auch der überregionalen Medien geriet und die Interviewanfragen im Minutentakt im Vorzimmer des Landrates eingingen, rächte sich deutlich, dass es bis heute in der Behörde keinen extra Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit gibt. Diese Stelle soll jetzt aber so schnell es geht besetzt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 03. Dezember 2020 | 14:30 Uhr

4 Kommentare

Wikreuz vor 12 Wochen

Ich vermisse in diesem Artikel die Ergebnisse ! ich habe nur einmal bei MDR Zahlen gehört.... diese wurden mit dem Wort "Nur" versehen obwohl hochgerechnet 4,3 % positiv getestet wurden, die folglich als unbekannte Corona-Überträger gefunden wurden. Bei diesen Zahlen wäre der Massentest ein voller Erfolg

Mario Hana vor 12 Wochen

Zitat: "Die Kosten allein für das Material belaufen sich auf rund 100.000 Euro. Die Rechnung bezahlt das Land."
Das ist so nicht ganz richtig. Letztendlich bezahlt das der gemeine Steuerzahler...

cf7 vor 12 Wochen

Im Fall des Nachweises an einer Coronaerkrankung muss man 14 Tage in Quarantäne. Wenn man sein Kind nachdem es schon 7 Tage von der Schule fernbleiben dürfte, nicht testen lässt, darf man dafür nochmal 14 Tage darauf warten, bis es wieder in die Schule kann. Das entzieht sich jeglicher Logik. Nicht jeder möchte seinem Kind für die Statistikbefriedigung, und mehr ist es nicht, ein Stäbchen in die Nase schieben lassen. Aber wer keine Kinder hat, sich nicht um die Versorgung und Betreuung kümmern muss und sein Geld immer pünktlich mit der Post bekommt, der kann aus trotzig wie ein kleines Kind reagieren und die Eltern, die ihr Kind nicht testen lassen, die Pistole auf die Brust setzen - Test oder weiterhin Homeschooling. Wenn diese wenigstens funktionieren würde, aber die fehlende technischen oder fachlichen Voraussetzungen (wie teile ich in der Cloud einen Link) - naja, anderes Thema.

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