Gießübel | Kreis Hildburghausen Anwohner pöbeln Feuerwehrleute bei Löscheinsatz an

In Gießübel im Kreis Hildburghausen sind Feuerwehrleute bei einem Löscheinsatz am Samstagabend von Anwohnern angepöbelt worden. Wie Ortsbrandmeister René Bender MDR THÜRINGEN sagte, musste die Polizei eingreifen. Anwohner hätten sich darüber beschwert, dass wegen der Löscharbeiten die Wasserversorgung im Ort zusammengebrochen war. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb die Feuerwehr Schleusegrund, zu der Gießübel gehört: "Einige Anwohner griffen die Einsatzkräfte verbal und fast handgreiflich mit teilweise Bierflaschen in der Hand an, so dass die Polizei Platzverweise erteilen musste." Auf Videomaterial ist zu sehen und zu hören, wie sich ein Anwohner darüber erregt, dass der Löschteich im Ort abgelassen worden war.

Ortsbrandmeister Bender zufolge will die Gemeinde jetzt Strafanzeige gegen die Pöbler erstatten. Die Gemeinde Schleusegrund äußerte sich zurückhaltender. Bürgermeister Heiko Schilling (Freie Wähler) sagte, eine Anzeige werde geprüft.

Das Feuer war am Samstag im Dachstuhl eines Wohnhauses in Gießübel ausgebrochen. Nach Angaben der Feuerwehr ging der Druck im Wasserleitungssystem schnell verloren, nachdem die Feuerwehrleute Hydranten angezapft hatten. Der Bach im Ort sei keine Alternative als Wasserquelle gewesen: Wegen der lang anhaltenden Trockenheit führe er kaum Wasser. Die Feuerwehr richtete einen Pendelverkehr mit Fahrzeugen ein und legte außerdem eine Schlauchleitung in den Nachbarort. Der einzige Bewohner des Brandhauses konnte sich unverletzt retten. Die Brandursache ist noch nicht geklärt worden. Die Kriminalpolizei hat dazu Ermittlungen aufgenommen. Am Montag musste die Feuerwehr erneut zu dem Haus ausrücken, weil sich nach Angaben von Ortsbrandmeister Bender mehrere Glutnester entzündet hatten. Das Haus ist komplett niedergebrannt.

 Feuerwehrleute vor einem brennenden Wohnhaus in Gießübel im Kreis Hildburghausen
Feuerwehrleute vor dem brennenden Wohnhaus in Gießübel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kleinspeicher Flößteich war kein offizieller Löschteich

Der als Feuerlöschteich genutzte Kleinspeicher Flößteich in Gießübel war nach Angaben von Bürgermeister Schilling Mitte August abgelassen worden. Der Teich muss laut Schilling saniert werden, weil er nicht mehr dicht ist. Die Thüringer Fernwasserversorgung erklärte dazu, das Gewässer sei auf Anordnung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) geleert worden. Es handele sich nicht um einen ausgewiesenen Feuerlöschteich. Schilling sagte, über die Zukunft des Teiches müsse man nun reden, ebenso über den Zustand und die Wartung der Hydranten im Ort.

Der abgelassene Feuerlöschteich in Gießübel
Der abgelassene Feuerlöschteich in Gießübel. Bildrechte: MDR/WichmannTV

Nach Angaben des Thüringer Feuerwehrverbandes aus dem April nehmen Pöbeleien und sogar Gewalt gegen Einsatzkräfte zu. "Es mangelt an Respekt", sagte der Verbandsvorsitzende Lars Oschmann. So sei bei einem Unfall auf der Autobahn der Feuerwehr im vergangenen Jahr ein Autofahrer entgegengekommen, der die Rettungsgasse genutzt habe, um dem Stau zu entfliehen. Solche Respektlosigkeiten behinderten die Arbeit. Die Feuerwehrleute bekämen den allgemeinen Frust in der Bevölkerung deutlich zu spüren. Feuerwehr und Staat würden dabei in einen Topf geworfen.

Kein Einzelfall ist es laut Oschmann auch, dass der Teich in Gießübel sanierungsbedingt abgelassen wurde. Thüringenweit gebe es immer mehr vernachlässigte Hydranten und unsanierte Löschteiche, sagte er dem MDR. Das sei aber kein flächendeckendes Problem, sondern trete eher punktuell auf. Grund dafür seien oft fehlende Kommunalfinanzen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. August 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2018, 21:01 Uhr

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49 Kommentare

29.08.2018 13:34 Guckst Du 49

@ Feuerwehrmann am 28.08.2018 um 09:40 Uhr,
Du machst mir Angst. Diese Argumentation kann ich nicht ansatzweise im Fall "Gießübel" nachvollziehen. Der "Koi- Teich" ist das übliche sinnlose Geschwätz, weil das Zauberwort "Verhältnismäßigkeit" einfach unterschlagen wird. Hier hat der Einsatzleiter ganz andere Probleme. Du erwähnst das Thüringer BKG (G wie Gesetz) und danach hat nach § 3 die Gemeinde die Löschwasserversorgung sicherzustellen und der Ortsbrandmeister ist nach § 12 auch noch mit einer Fülle von Aufgaben bedacht. Die Ausweisung der Löschwasserentnahmestellen ist nicht sinnlos, sondern primitivste vorbereitende Leitungsaufgabe. Zur Aufklärung habe ich gerade den Beitrag von [Anm.d.Red.: Externer Link zu Südthüringer Lokalzeitung entfernt] vom 27.08.2018 zum Brand in Gießübel entdeckt. Nach den Äußerungen der Wasserverbandsmitarbeiter und des BM fällt mir zum "Plan der Wasserentnahmestellen" und "Hydrantenplan" in Gießübel nichts mehr ein. Leere Fächer im Kfz des Einsatzleiters?

28.08.2018 12:12 Guckst Du 48

@ 1,2,3 Rohr Wassxer marsch,
mit dem "Schlauberger" würde ich den Ball mal schön flach halten. Was nützt es, wenn die örtliche Feuerwehr Hydranten nutzt und sogar im Winter noch mit Pfählen markiert, die augenscheinlich schon keine Feuerlöschhydranten (rot) sind. Wenn es Feuerlöschhydranten wären, wäre es eine große Schlamperei (mindestens) und die Aufsichtsbehörden sollten dringend hinterfragen, wie der Wasserversorger seinen gesetzlichen Wartungs- und Prüfungspflichten (max 4 Jahre) an Feuerlöschhydranten nachkommt. Man kann die Verantwortung nicht hin und her schieben, in der Gemeinde ist der Bürgermeister für die Löschwassergrundversorgung verantwortlich. Hat der BM einen Vertrag mit dem Wasserversorger, der die Nutzung der Hydranten gemäß des DVGW Arbeitsblatt W405 gestattet oder nicht und was steht dazu im Hydrantenplan der FW?

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