Ein Weg schlängelt sich über eine von Bäumen umgebenen Wiese.
Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erstreckt sich das Grüne Band. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Artenvielfalt am ehemaligen Grenzstreifen 30 Jahre nach Grenzöffnung ist Grünes Band in Gefahr

Die Natur holt sich den einstigen Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze zurück. Die Kalk-Mager-Wiesen verschwinden - mit dramatischen Folgen.

von Bettina Ehrlich

Ein Weg schlängelt sich über eine von Bäumen umgebenen Wiese.
Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erstreckt sich das Grüne Band. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Zugegeben, sie sehen nicht sonderlich spektakulär aus. Die Wiesen auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Südthüringen und Oberfranken. Sie erinnern eher an eine trockene Savanne. "Schuld daran sind die kalkhaltigen Böden", sagt Stefan Beyer vom Zweckverband Grünes Band.

Im Auftrag der Landkreise Hildburghauen, Sonneberg, Coburg und Kronach an der einstigen innerdeutschen Grenze kümmert dieser sich um den Erhalt der Landschaft, die in dem einstigen Grenzgebiet zwangsweise entstanden war.

Doch 30 Jahre nach der Grenzöffnung holt sich die Natur den einstigen Todesstreifen zurück. Bäume und Sträucher wachsen und lassen die Kalk-Mager-Wiesen verschwinden. Mit drastischen Folgen, wie Beyer erzählt. "Wenn wir nicht eingreifen, dann sterben seltene Pflanzen wie die Silberdistel oder die Küchenschelle aus." Auch bedrohte Vögel wie der Wendehals oder das Braunkehlchen fühlen sich in den Kalk-Mager-Wiesen wohl.

Bäume und Büsche werden mit schwerer Technik entfernt

Beyer präsentiert 30 Jahre alte Luftaufnahmen. Die zeigen große Wiesenflächen. Heute stehen dort ganze Wälder. Und auch Silvo Reimann von der Milchland GmbH Veilsdorf nickt. "Hier kommst du mit einer Schafherde einfach nicht mehr durch", sagt er und deutet auf ein mannshohes Gestrüpp aus dornigen Schlehenbüschen.

Ein hügeliger Wald aus Vogelperspektive.
An manchen Stellen entlang des Grünen Bandes sind ganze Wälder gewachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Damit seine Tiere künftig wieder ganze Arbeit als Landschaftspfleger tun können, wird jetzt mit schwerer Technik den Bäumen und Büschen zu Leibe gerückt. Der Zweckverband hat dafür in der Gegend um Harras bei Eisfeld rund 25 Hektar große Flächen gekauft. Bis zum Winteranfang säbelt eine Spezialfirma nun die Bäume und Büsche mit schwerer Technik weg.

Ganz billig ist die Aktion nicht. Pro Hektar kann man laut Beier mit rund 10.000 Euro Kosten rechnen. "Der Aufwand lohnt sich", ist Beyer überzeugt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 22. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 10:25 Uhr

6 Kommentare

Stealer vor 4 Wochen

Ähnliche Wiesen befinden sich im Saaletal und dessen Hängen, etwa um Jena herum - sie geben der Landschaft ein recht einprägsames Bild.

Grundsätzlich ist diese Art von Landschaft schützenswert - sie ist wesentlich älter als die innerdeutsche Grenze, ist allerdings nur dort und in einigen anderen Gebieten erhalten geblieben. Gewiss ist sie durch den Einfluss des Menschen entstanden (Holzwirtschaft und Weide), jedoch handelt es sich um eine sehr alte Form der Kulturlandschaft mit entsprechender Vegetation und Lebensräumen.

Sicherlich ist der Mischwald die eigentliche Vegetation der meisten Teile Deutschlands, aber es ist ja nun kein Geheimniss, dass Städte, Dörfer, Felder, Weidewiesen, Nutzforst, Industriegebiete und Straßen einen Gutteil der Fläche ausmachen. Da sollte doch auch ein wenig Platz für die Magerwiesen bleiben, die wir schon länger hier haben - es ist doch eine Sache, bei der sich erzkonservative Heimatkundler und grüne Aktivisten die Hand reichen können.

kennemich vor 4 Wochen

Zitat: 30 Jahre nach Grenzöffnung ist Grünes Band in Gefahr

Was ist nur los in Deutschland, nun ist wohl schon vieles was mit dem Wort grün zutuen hat in Gefahr?

Wie auch die Fr. Klöckner gestern sagte, man will den Bauern ca. 50 Mio. Euro für die Insekten auf einigen Flächen geben und die dürfen wohl kurz daneben spritzen?

Wie soll das ökologisch funktioniern, wenn die Insekten mehr oder weniger totes Land überbrücken müssen um auf mögliche weitere Grünflächen zu kommen?

Und sollte es noch Vögel geben werden sie durch die Windräder geschreddert !!!

Beißt sich hier nicht die Katze in den eigenen Schwanz, meine doch.

part vor 4 Wochen

Die Magerwiesen entstanden weil die GT der DDR jährlich mindestens zweimal den Grenzstreifen mit Herbiziden behandelt haben, da konnten sich nur ganz bestimmte Pflanzen halten oder ausbreiten. Heute sollte man den Dingen seinen Lauf lassen, besonders wo der Wald so sehr geschädigt wurde. Es werden sich bald anderswo neue Magerwiesen bilden, wenn der Wald als Monokultur beseitigt ist. Die Magerwiesen im Grenzstreifen sind die Folge eines künstlichen Eingriffes in die Natur um jeden Fußabdruck von Grenzverletzern zu sichern. Erinnerungskultur gepaart mit falsch verstandenen Umweltschutz, das ist nicht zukunftsweisend.

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