Drei Personen stehen bei geschmückter Fest-Kuh Resy
Resy hatte wochenlang für ihren großen Auftritt geübt. Am Ende streikte sie und wollte nicht am Festumzug teilnehmen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Eisfeld feiert eines der größten Volksfeste Kuh verliert beim Kuhschwanzfest die Nerven

Immer zu Pfingsten feiert Eisfeld eines der größten Volksfeste in Südthüringen - das Kuhschwanzfest. Mit 35.000 Besuchern stellte die Veranstaltung einen neuen Besucherrekord auf, auch wenn der eigentliche Star, Kuh Resy, beim Abschlussumzug am Dienstabend so gar keine Lust hatte.

von Bettina Ehrlich

Drei Personen stehen bei geschmückter Fest-Kuh Resy
Resy hatte wochenlang für ihren großen Auftritt geübt. Am Ende streikte sie und wollte nicht am Festumzug teilnehmen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Fragt man die Eisfelder, was sie zu Pfingsten machen, erntet man meist ungläubige Blicke. Pfingsten - da wird in der Kleinstadt im Landkreis Hildburghausen das Kuhschwanzfest gefeiert und das ist für die meisten der Einwohner Pflicht. Von Freitag an bis Pfingstdienstag kamen allein in diesem Jahr etwa 35.000 Menschen, um den Kuhschwanz zu feiern. Ein neuer Rekord. Das Fest zählt damit zu einen der größten Volksfeste in der Region.

Aufregende Tage liegen hinter Sven Seiffert, Vorsitzender des Eisfelder Kuhschwanzfestes und seinem Festkomitee. Nahezu das ganze Jahr über bereiten sie das Fest vor. Neu war 2019 unter anderem eine 80/90er-Jahre Party.

Tradition bis hin zum 30-jährigen Krieg

Das Wichtigste am Kuhschwanzfest ist jedoch seine Tradition, die bis in den 30-jährigen Krieg zurückreicht. Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg hatte die Eisfelder im 17. Jahrhundert zu einer Militärübung gerufen. "Auf dem Seerasen - dem heutigen Bahnhofsgelände - exerzierten die beiden Fähnlein mit fast 700 Mann vor dem Landeshauptmann und zogen gegen Abend mit vier Rüstwagen, geführt von Trommlern und Pfeifern, in die Stadt ein, wo die Übung mit Scheibenschießen und fröhlichem Treiben ausklang", so steht es auf der Internetseite des Festkomitees. Diese Übung gilt als die Geburtsstunde des Eisfelder Kuhschwanzfestes. Auch heute noch wird das Fest traditionell mit dem Pfingstschießen eröffnet.

Der wichtigste Tag war wie jedes Jahr der Dienstag nach Pfingsten, der heimliche Nationalfeiertag aller Eisfelder. Schon früh um sechs Uhr marschierte der Spielmannszug durch die Gassen und weckte alle Schlafmützen. Zu jeder vollen Stunde marschierte zudem die Stadtwache auf dem Marktplatz und am Nachmittag gab es eine Feuerwehrübung.

Wenn die Kuh streikt

Menschen halten eine Kuh am Halfter.
Aus, Ende und vorbei: Zu ihrer eigenen Sicherheit kommt Resy wieder in den Hänger. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Höhepunkt war der historische Festumzug, bei dem eigentlich auch immer mindestens eine Kuh mitläuft. Und die stammte wie in den vergangenen Jahren auch von der Milchland GmbH im benachbarten Veilsdorf. Die bereits festerprobte Browny konnte in diesem Jahr aber nicht am Festumzug teilnehmen. "Browny erwartet in den nächsten Tagen ein Kälbchen", erklärt Lehrausbilder Wolfram März. Stattdessen musste Ersatz-Kuh Resy ran. Die hatte mit den Auszubildenden Lucas Niedergesäss und Emely Amend wochenlang geübt und sich ans Halfter gewöhnt. Dem Trubel vor Ort war sie dann aber dennoch nicht gewachsen. "Zuhause ist sie ganz gut mitgelaufen", erzählt Emely. Lehrausbilder März entscheidet schließlich: Das Tier geht, auch zur Sicherheit der Besucher, zurück in seinen ruhigen Hänger.

Schafbock vertritt die Kuh beim Festumzug

Im Festumzug fiel Resys Fehlen kaum auf. Der prächtige Schafbock der Eisfelder Schäferei Kieser vertrat sie würdevoll. Auch er hatte manchmal mit den Nerven zu kämpfen, überstand den Trubel aber ohne besondere Vorkommnisse. Normalerweise ist er für den Nachwuchs im Schafstall zuständig.

Männer in historischen Kostümen halten einen Schafbock am Halfter.
Sonst für den Nachwuchs im Stall zuständig, führte ein Schafbock den Festumzug an. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

85 verschiedene Gruppen mit rund 800 Teilnehmern waren beim großen Festumzug dabei, darunter der Eisfelder Reitverein, die Bogenschützen, die Grundschüler, die Fußballer, Volleyballer, die Feuerwehr oder die Knirpse aus den Kindergärten. Alle hatten sich rausgeputzt und gezeigt, was für ein buntes Städtchen Eisfeld ist. Das Festkomitee selbst nahm das Gaststättensterben in der Stadt aufs Korn. Früher im Mittelalter gab es in Eisfeld einmal sagenhafte 70 verschiedene Wirtshäuser. Heute ist nur noch wenig davon übrig.

Eines ist schon jetzt sicher: Nächstes Jahr zu Pfingsten ist in Eisfeld wieder Kuhschwanzfest. Dann vielleicht auch wieder mit einer Kuh beim Umzug. Und jetzt wissen Sie, warum Sie niemals einen Eisfelder fragen sollten, was er Pfingsten macht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Regionalnachrichten | 12. Juni 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 15:19 Uhr

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