Südthüringen Protest gegen Rechtsrock-Veranstaltung in Themar

Im südthüringischen Themar haben am Samstag mehrere Hundert Menschen gegen ein Rechtsrock-Festival in dem Ort protestiert. Die Polizei sprach am Nachmittag von etwa 400 Teilnehmern an dem Protest.

Teilnehmer eines Demokratiefestes als Gegenveranstaltung zu einem Rechtsrock-Konzert in Themar stehen vor einer Bühne und verschiedenen Zelten.
Das Demokratiefest direkt neben dem Rechtsrock-Konzert. Bildrechte: MDR / Axel Hemmerling

Der Sprecher des Bündnisses für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra, Thomas Jakob, schätzte die Zahl der Teilnehmer auf bis zu 700. "Im Vergleich zum letzten Jahr ist das ein Quantensprung", sagte er. Unter den Demonstranten waren auch mehrere Thüringer Ministerinnen und Minister sowie weitere Landespolitiker.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hat ein positives Fazit zum Protest gegen die Neonazis gezogen. Dass mehr Menschen als im Vorjahr gegen die Veranstaltung protestierten sei "hocherfreulich", denn mit polizeilichen und juristischen Mitteln könne man nur zum Teil erfolgreich sein. Maier war an beiden Tagen in Themar.

Der Protest richtete sich gegen ein von Rechtsextremen als politische Kundgebung angemeldetes Festival. Auf dessen Gelände am Ortsrand von Thema versammelten sich am Samstag der Polizei zufolge 920 Teilnehmer. Das waren weniger als im Vorjahr, angemeldet waren bis zu 1.200 Personen.

Polizei setzt Alkoholverbot durch

Für das Festival galt ein Alkoholverbot. Am Samstagvormittag beschlagnahmte die Polizei über 1.000 Liter aus einem Lkw, der auf dem Veranstaltungsgelände stand.

Mehrere Polizisten laden sogenannte Sixpacks Bier auf die Ladefläche eines Lastwagens.
Polizisten verladen das beschlagnahmte Bier. Bildrechte: MDR / Bettina Ehrlich

Außerdem versiegelte sie einen Lagerraum im Gasthaus "Goldener Löwe" in Kloster Veßra, das von dem Neonazi Tommy Frenck betrieben wird. Auch für diese Immobilie galt Alkoholverbot. Dort hatten sich laut Polizei am Samstagnachmittag vorübergehend etwa 100 Besucher des Rechtsrock-Konzerts versammelt.

Das Verhalten der Polizei fand sogar die Zustimmung der Gegendemonstranten. So sagte Thomas Jakob vom Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra, die Beamten agierten in diesem Jahr klar und konsequent. Die Polizei hatte unter anderem Handreichungen mit verbotenen Symbolen an die Beamten vor Ort verteilt und Spezialisten vom Staatsschutz zur Unterstützung geholt.

45 Strafanzeigen, 19 Platzverweise und ein offener Haftbefehl

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben in Themar insgesamt 45 Strafanzeigen auf. Dabei ging es überwiegend um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Rechtsextreme, die etwa verbotene Zeichen tätowiert hatten, musste diese abkleben. Zudem gab es Anzeigen wegen der Verdachts der Volksverhetzung und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

19 Menschen bekamen einen Platzverweis vom Festivalgelände - meist, weil sie sichtlich betrunken waren, so die Polizei. Außerdem wurden 13 Ordnungswidrigkeiten durch die Beamten festgestellt. Am Samstagabend vollstreckte die Polizei auch einen Haftbefehl gegen einen gesuchten 29-Jährigen. Dabei habe es sich um eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen einer nicht gezahlten Geldstrafe gehandelt.

Teilnehmer eines Rechtsrock-Konzerts sitzen auf Bierbänken in einem Festzelt.
Das Alkoholverbot hatte offenbar auch Einfluss auf die Stimmung beim Rechtsrock-Konzert. Bildrechte: MDR / Axel Hemmerling

Die Rechtsrock-Veranstaltung hatte bereits am Freitag begonnen. Dabei beendete die Polizei die Auftritte von zwei Musikbands - in einem Fall, weil ein indiziertes Lied gespielt wurde, im anderen, weil ein Lied gespielt wurde, das nicht auf der angemeldeten Liste stand. Beide Bands erhielten Auftrittsverbote bis zum Sonntag.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2019, 13:03 Uhr

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