Fachwerkhaus mit Restaurant Goldener Löwe.
Ist das Gasthaus in Kloster Veßra schützenswert oder nicht? Damit sollen sich im weiteren Prozess Sachverständige beschäftigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verwaltungsgericht Meiningen Vorerst keine Entscheidung zu Gasthaus in Kloster Veßra

Der Streit um ein Gasthaus in Kloster Veßra im Kreis Hildburghausen geht weiter. Wie das Verwaltungsgericht Meiningen mitteilte, sieht die Kammer noch weiteren Aufklärungsbedarf. Geklärt werden müsse, ob das Gebäude und die Mauern tatsächlich ein Denkmal sind und ob es sich um ein schützenswertes Denkmal handelt.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Cornelia Hartmann

Fachwerkhaus mit Restaurant Goldener Löwe.
Ist das Gasthaus in Kloster Veßra schützenswert oder nicht? Damit sollen sich im weiteren Prozess Sachverständige beschäftigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Goldene Löwe in Kloster Veßra ist ein Fall für das Gericht. Für das Verwaltungsgericht. Im Jahr 2014 hatte Tommy Frenck, früher NPD, heute Bündnis Zukunft Hildburghausen, den Gasthof gekauft. Im Grundbuch steht er noch immer nicht – die Gemeinde hat nämlich ihr Vorkaufsrecht geltend gemacht. Das Gebäude stehe auf dem Gebiet mit einer Erhaltungssatzung – und zweitens, Gasthof und die Umfriedungsmauer seien ein Denkmal.

Mauer könnte aus dem Mittelalter stammen

Die Verwaltungsrichter schauten sehr genau hin, wollten viel wissen. Im wahrsten Sinne des Wortes gefragt war vor allem ein Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege. Der promovierte Kunsthistoriker vermutet, dass auf dem Gelände einst das Hospiz des nahen Klosters Veßra stand. Die Einfriedung, sagte er, könnte aus dem Mittelalter stammen. Tommy Frenck und sein Anwalt bezweifeln das. Die Aktenlage ist dürftig. Aber vielleicht gibt es ja noch weitere Akten, die bisher unbekannt sind. Der Verkäufer des Gasthofes sagte, in Gotha lägen noch Bauakten, die bis zurück in die Kaiserzeit reichten.

Was der Kunsthistoriker zu berichten hatte, war hochinteressant für die Zuhörer. Die Richter wollten nicht nur wissen, warum Gasthof und Mauer eine Denkmal seien – sie wollten auch wissen, warum dieses Denkmal zu erhalten sei. Denn das ist eine Voraussetzung für das Vorkaufsrecht einer Gemeinde. Wie alt ist Mauer? Das könne er nur sagen, wenn er da mal richtig ran dürfe, sagte der Kunsthistoriker. Bisher sei nur eine Besichtigung möglich gewesen. Für wen sei die Mauer denn interessant? Für Kunsthistoriker und Wissenschaftler, die Erforschung von Hospitälern und Armenhäusern sei erst jüngst in den Fokus der Experten geraten.

Sachverständiger soll mit Expertise beauftragt werden

Wegen der Erhaltungssatzung stehe der Gemeinde kein Vorkaufsrecht zu, betonten die Richter. Diese Satzung sei erst nach Zustandekommen des Kaufvertrags beschlossen worden, das ginge nicht. Und wegen der Denkmalgeschichte? Da will das Gericht genauer hinsehen. Die Richter wollen einen Sachverständigen mit den Expertise der Mauer beauftragen, sie wollen die bisher unbekannten Akten einsehen, und sie wollen sich vor Ort selbst ein Bild machen. Dazu wird ein Beweisbeschluss ergehen.

Frenck und Anwalt hatten ihre Klage auch damit begründet, dass die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht aus sachfremden Erwägungen geltend machen würde. Welche das seien, läge auf der Hand, sagte dazu der Vorsitzende. Auf dem Gelände haben in der Vergangenheit immer wieder Rechtsrock-Konzerte und Treffen der rechtsextremen Szene stattgefunden. Sollte die Gemeinde das Vorkaufsrecht tatsächlich bekommen, müsste Frenck den Platz räumen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 20:33 Uhr

4 Kommentare

unverbesserlicher Realist vor 6 Wochen

Natürlich hat der OP recht! Subjektiv/objektiv hin oder her. Das kann sich jeder halbwegs mit offenen Augen durchs Leben gehende Mensch an fünf Fingern abzählen. Es wird nachträglich ein objektiver Tatbestand gesucht, um den Verkauf zu verhindern. Das sieht man schon an der eilig nach dem Kauf beschlossenen Erhaltungssatzung. Weshalb sieht sich der mdr überhaupt genötigt, auf die Subjektivität des Originalpostings hinzuweisen?

MDR-Team vor 6 Wochen

Hallo Thueringer Original,
ganz objektiv gesehen ist das Ihre persönliche und subjektive Meinung. Das Gericht prüft den objektiven Tatbestand derzeit.

Thueringer Original vor 7 Wochen

Objektiv gesehen muss man feststellen, dass die Gemeinde vom Vorkaufsrecht keinen Gebrauch gemacht hätte, wenn Michael Müller oder Beate Bergmann das Grundstück gekauft hätte. Die Entscheidung zum Vorkaufsrecht ist politisch motiviert.

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